Inflation

Nationalbank-Boss Kocher: Warum DIESE Teuerungs-Welle anders ist als 2022

01.05.2026

Gefahr eines Inflationsschubs geringer als damals - Gefahr, dass mittelfristige Inflationserwartungen steigen

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© APA/HANS KLAUS TECHT
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Der Krieg im Iran hat die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) sehr erschwert. Die stark gestiegenen Energiepreise haben zum Risiko einer höheren Inflation geführt. Aber "die momentane wirtschaftliche Lage unterscheidet sich deutlich von der Situation im Jahr 2022", schreibt Nationalbankgouverneur Martin Kocher in seinem Blog. Das Inflationsrisiko sei deutlich niedriger als damals.

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Wirtschafts-Boom und staatliche Hilfen befeuerten Inflation 2022

Damals brummte die Wirtschaft nach der Corona-Krise, staatliche Hilfen führten zu guten Einkommen, die Arbeitslosigkeit war niedrig. Alle diese Bedingungen, die "einen raschen Anstieg der Inflation begünstigten", seien derzeit nicht gegeben. "Aufgrund der genannten Unterschiede schätzt der EZB-Rat das Risiko eines ähnlich starken Inflationsschubs wie 2022 als geringer ein", schreibt Kocher.

 

Allerdings bestehe die Gefahr, dass die mittelfristigen Inflationserwartungen steigen - auch weil der Inflation derzeit sehr viel Aufmerksamkeit gewidmet wird. "Bis 2022 hatte eine ganze Generation kaum Erfahrung mit hoher Inflation", so Kocher. Die gestrige Entscheidung der EZB, die Zinsen vorerst nicht zu senken, gebe Zeit, "weitere Informationen zu sammeln und eine bessere Einschätzung dafür zu entwickeln, ob sich die genannten Risiken tatsächlich materialisieren und wie sie sich auf Inflation und Wirtschaftswachstum auswirken".

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EZB könnte Leitzins im Juni erhöhen

Der EZB-Rat hat den Leitzins am Donnerstag bei 2,0 Prozent gelassen. Am Markt wird aber damit gerechnet, dass es im Juni zu einer Erhöhung des Leitzinses kommt. Laut am Donnerstag veröffentlichter Schnellschätzung ist die Inflation in der Eurozone auf 3,0 Prozent und in Österreich auf 3,3 Prozent gestiegen. Das ist zwar ein deutlicher Anstieg im Vergleich zu den ersten Monaten des Jahres, bevor der Iran-Krieg begann. Die Werte sind aber noch weit entfernt von der Teuerung nach dem Beginn des Kriegs in der Ukraine. 2022 war die Inflationsrate in der Eurozone wie auch in Österreich über 8 Prozent gestiegen.