Drei Großprobleme

Österreicher zahlen 1 Milliarde Euro im Jahr zu viel für Strom

13.03.2026

Es ist eine enorme Zahl. Rund eine Milliarde Euro zahlen die Österreicher jährlich zu viel für Strom, sagen die APG-Vorstände im oe24-Gespräch.

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Die Austrian Power Grid ist der Betreiber des Übertragungsnetzes Österreichs und eine 100-prozentige Tochtergesellschaft der Verbund AG. 

"Strom in Österreich könnte viel günstiger sein", sagt Gerhard Christiner, APG-Vorstandssprecher & Technischer Vorstand zu oe24. Alleine der Strompreisunterschied zwischen Österreich und Deutschland ist gigantisch. So zahlen die Österreicher 600 Millionen Euro im Jahr mehr für Strom, weil der billigere deutsche Strom wegen zu schwacher Netze  nicht nach Österreich fließen kann.

600 Millionen Euro teurer Sonderweg: Österreich ist 7.000 Stunden im Jahr entkoppelt

"Wir waren 2025 über 7.000 Stunden vom europäischen Strombinnenmarkt entkoppelt. Das passiert immer dann, wenn die Netzkapazitäten für den Import nicht ausreichen. Das heißt wir haben einen Preisspread zwischen Deutschland und Österreich von neun Euro, wenn man das mal 70 Terawattstunden, dem Stromverbrauch pro Jahr in Österreich, multipliziert, dann sind wir bei über 600 Millionen Euro", rechnet Christiner vor.

An fast allen Tagen - in den meisten Stunden des Jahres - gibt es unterschiedliche Preise zwischen Deutschland und Österreich, weil die Importkapazität auf eine fixe Obergrenze limitiert ist. Sobald dieser "Deckel" erreicht ist, steigen die Preise in Österreich über die in Deutschland. 

Redispatch kostet 100 Millionen Euro im Jahr: Gaskraftwerke im Einsatz

Dazu kommen noch rund 100 Millionen Euro pro Jahr die wir in Österreich ausgeben müssen, weil wir Engpässe im nationalen Übertragungsnetz mit Redispatch-Engriffen in den Markt korrigieren müssen. "Das kostet wieder, weil wir hier meistens Gaskraftwerke nutzen", sagt APG-Finanzvorstand Marcus Karger.

Er merkt an: "Die meisten Gaskraftwerke in Österreich sind im letzten Drittel ihrer Lebensdauer." Sie halten laut Karger noch 10 Jahre, aber schon jetzt müsse man sich an die Erneuerung der Gaskraftwerke machen. "Das ist ein unbeliebtes Thema in der Politik. Aber ohne Gaskraftwerke geht es nicht." Die Kapazitäten müssten auf dem jetzigen Stand bleiben.

Die installierte Leistung der Gaskraftwerke in Österreich liegt aktuell bei rund 4,5 Gigawatt. "Diesen Stand müssen wir halten, sonst ist das Stromnetz gefährdet", sagt Karger.

200 Millionen Euro Förderungen zu Zeiten negativer Strompreise 

"Die Ineffizienzen im Netz kosten", sagt APG-Chef Christiner. Dabei nennt er nach den Gaskraftwerken gleich eine bei vielen Politikern beliebtere Form der Energie-Erzeugung (weil viel umweltfreundlicher). Die Sonnen- und Windkraftwerke. 

"Wir haben gerade im Osten die Situation im Sommer, dass wir Überkapazitäten auf der Erzeugungsseite haben. Wir haben in Österreich bereits 10.000 MW Photovoltaik und 4.500 MW Wind installiert. Über 80 Prozent davon sind im Osten angesiedelt und wenn es windig und sonnig ist und es keine Verbrauchsspitzen gibt, dann bekommt man den Strom nicht mehr weg", sagt Christiner. Dann ergeben sich negative Strompreise - negativ, weil niemand den Strom braucht, also nachfragt. Öffentliche Förderungen fließen dennoch. "Ein volkswirtschaftlicher Unsinn."

© Ricardo Herrgott/APG

"Dann haben wir teilweise negative Strompreise oder wir müssen regulieren, indem wir das Wasser in der Donau nicht mehr durch die Turbinen rinnen lassen, sondern über's Wehr. Daraus ergeben sich Förderungen zu Zeiten negativer Strompreise von rund 200 Millionen Euro", berichten die APG-Vorstände.

Alles zusammengenommen ergibt knapp eine Milliarde Euro, die die Österreicher jedes Jahr zu viel für Strom bezahlen. Den Netzausbau angehen sei wichtig, hier müssten die Genehmigungsverfahren deutlich schneller laufen. Dann könnte man auch den billigen deutschen Strom vollumfänglich zu den österreichischen Kunden bringen. 

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