Wiener Studie zeigt

Corona: Wo sich das Spitalspersonal wirklich infizierte

13.08.2023

Während Corona wurden rigorose Maßnahmen in den Spitälern getroffen - das Personal infizierte sich aber meist "draußen"

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Während der Covid-19-Pandemie wurden rigorose Maßnahmen zur Verhinderung von Infektionen beim medizinischen Personal in Krankenhäusern getroffen. Eine neue Studie aus Wien zeigt jedoch, dass das nicht-medizinische Personal öfter als die Menschen aus der Allgemeinbevölkerung Covid-19-positiv wurden. Die Infektionen erfolgten vor allem im privaten Bereich.

"Zu Beginn der SARS-CoV-2-Pandemie kam allen Angehörigen der Gesundheitsberufe besondere Bedeutung zu. Trotzdem wird im Umfeld tätigen Berufsgruppen - zum Beispiel dem Reinigungspersonal - und unterstützendem Gesundheitspersonal, zum Beispiel Physiotherapeuten, weniger Aufmerksamkeit geschenkt", schrieben jetzt Galateja Jordakieva von der Universitätsklinik für Physikalische Medizin, Rehabilitation und Arbeitsmedizin der MedUni Wien (AKH) und ihre Co-Autoren, unter ihnen auch Experten der Klinik Favoriten um den Infektiologen Christoph Wenisch.

Umfassende Studie

Im Rahmen der wissenschaftlichen Arbeit wurden für den Zeitraum von Mai 2020 bis März 2021 die Infektionsraten und die Begleitumstände unter Reinigungspersonal und unterstützenden Gesundheitsberufsgruppen analysiert. Die Ergebnisse wurden jetzt im "Journal of Infection and Public Health" veröffentlicht (doi: 10.1016/j.jiph.2023.05.041).

Das Ergebnis: "Von 221 im Spital Beschäftigten (189 davon im Reinigungspersonal und sonstigem Service, 32 unter dem unterstützenden Gesundheitspersonal) waren 17 (7,7 Prozent) seropositiv (Antikörper gegen SARS-CoV-2; Anm.)." Obwohl mehr aus der Personengruppe über SARS-CoV-2-bedingte Symptome klagten, waren Probleme mit dem Atemtrakt, Verlust von Geruchs- oder Geschmackssinn sowie Appetitverlust am ehesten mit einer SARS-CoV-2-Infektion in Verbindung zu bringen.

Ins Krankenhaus eingeschleppt

98,6 Prozent der im Krankenhaus Beschäftigten befolgten die Regelungen zur Verhütung und Kontrolle einer Ansteckung mit Covid-19. 98,2 Prozent verwendeten persönliche Schutzausrüstung wie Masken etc. während der Arbeit. Die Gefahr aber lauerte offenbar außerhalb des Spitals. Die Autoren: "70,6 Prozent der Infektionen erfolgten im privaten Bereich, 23,5 Prozent am Arbeitsplatz (allein 17,6 Prozent durch Kontakt mit SARS-CoV-2-positiven Kollegen) und 5,9 Prozent nach Kontakt mit (infektiösen; Anm.) Patienten." Nur in einem Fall hätte der Übertragungsweg nicht nachvollzogen werden können.

Fazit: Die spitalsinternen Vorsichts- und Präventionsmaßnahmen zur Verhinderung von Covid-19-Infektionen zwischen Patienten und Personal haben wahrscheinlich gewirkt. Trotzdem lag die Infektionsrate in der untersuchten Personengruppe im Beobachtungszeitraum am Beginn der Pandemie höher als in der Allgemeinbevölkerung. Die meisten aufgetretenen Covid-19-Fälle waren aber durch Infektionen im privaten Bereich bedingt, von wo sie dann ins Krankenhaus eingeschleppt wurden.

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