Ausreisetestpflicht in Tirol
Experten: Darum ist die neue Virus-Mutation so gefährlich
Ab Mittwoch wird für ganz Nordtirol und den Bezirk Kufstein eine Ausreisetestpflicht eingeführt. Grund dafür ist ein verstärktes Auftreten der britischen Virusmutation mit Mutationsmerkmalen (E484K-Zusatz), teilte das Land am Sonntag mit. Derzeit gebe es in Tirol 216 aktiv positive Fälle dieser Variante. Die Testpflicht soll bis inklusive 14. April gelten.
Drei Viertel der aktiven Fälle dieser Variante waren in den Bezirken Kufstein (54) und Schwaz (103) aufgetreten. In Schwaz gilt die Ausreisetestpflicht noch bis 1. April. In Kufstein wird zudem eine FFP2-Maskenpflicht an ausgewählten öffentlichen Plätzen verordnet. Laut Gesundheitsministerium war diese Virusform bisher nur vereinzelt in anderen Teilen Österreichs aufgetreten. Deshalb wurde auf Wunsch des Gesundheitsministeriums die Testpflicht auf Tirol - exklusive Osttirol - ausgeweitet.
Impfungen weniger wirksam
Bei dieser Variante wird eine geringere Wirksamkeit der Impfungen befürchtet. Es handelt sich um eine "immunologische Fluchtmutante", erklärt Virologin Dorothee von Laer : "Dieses Virus wird von den Antikörpern, die wir nach der Impfung bilden, nicht mehr so gut erkannt."
Virologe Andreas Berthalter erklärt auf Twitter, warum die neue Variante zum Problem werden kann: „Die ursprüngliche Variante B.1.1.7 ist infektiöser & führt zu schweren Krankheitsverläufen, aber Impfung schützt gut. E484K erleichtert Antikörper Escape und reduziert daher eventuell die Wirkung von Impfstoffen“, so der Experte. „E484K bedeutet, dass an Stelle 484 des Spikeproteins die Aminosäure Glutaminsäure gegen ein Lysin ausgetauscht wurde. Bei solch konvergierender Evolution tritt die gleiche Mutation öfter auf. E484K reduziert zwar die Infektiösität eher, es gibt aber kompensatorische Mutationen“
Ein Problem könnte beim Impfen entstehen: „Immunseren nach BioNtech Impfung führen bei B.1.1.7+E484K zu 6-10x niedrigerer Antikörper Neutralisationstiter. Dies erhärtet die Vermutung, dass bestehende Impfungen nicht so gut gegen B.1.1.7+E484K schützen könnten“