Protokoll der Lockdown-Entscheidung

Merkel drängte Kurz am Telefon zu hartem Kurs

© APA/ROLAND SCHLAGER
Die Tage bis zum Lockdown. Das Protokoll: Kurz hing praktisch dauernd am Telefon.
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  • Donnerstagabend bis Freitagnachmittag: Angesichts des Vormarsches des Briten-Virus wird klar: An Öffnungen ist nicht zu denken. Kurz telefoniert mit Sozialpartnern und Landeschefs – holte sich auch Expertise aus dem Ausland, allen voran bei Angela Merkel sowie Deutschlands Gesundheitsminister Jens Spahn. Auch Andrej Babiš (Tschechien), Mark Rutte (NL), Mette Fredriksen (DK) und Israels Benjamin Netanjahu hatte Kurz am Handy, dazu Spezialisten des Robert-Koch-Instituts. Merkel soll zu Verschärfungen gedrängt haben, sogar weitere Grenzschließungen standen im Raum. Sie fürchtet, dass Deutsche in Österreich urlauben und die Zahlen weiter explodieren.
  • Freitag, 18 Uhr: Die Landeshauptleute treffen sich im Palais NÖ, sie drängen auf Öffnungen von Schulen und Handel. Um 20 Uhr stößt Kurz dazu – bis kurz vor 23 Uhr vertritt er seine harte Linie. Er bittet die Landeschefs, sich zur Expertenrunde am Samstag per Skype zuzuschalten – was alle (außer dem erkrankten Doskozil) tun.
  • Samstag, 8 Uhr: MedUni-Vizerektor Oswald Wagner, Mikrobiologe Andreas Bergthaler und Statistiker Erich Neuwirth warnen vor Öffnungen – das macht bei den Landeschefs Eindruck.
  • Samstag, 10 Uhr: Harald Mahrer (WKO) und Wolfgang Katzian (ÖGB) kommen zum Kanzler. Kurz vor 12 ­gehen sie desillusioniert. Nichts mit Öffnung, der Lockdown wird verlängert. Kleiner Lichtblick: Wenigstens gebe es bis Ende Februar eine Perspektive.
  • Samstag, 13 Uhr: Hektische Beratungen im Kanzleramt – auch mit Kogler und Anschober. Kurz’ Team mit Bernhard Bonelli, ­Markus Gstöttner, Gerald Fleischmann und Hannes Frischmann arbeitet Details aus.
  • Samstag, 19 Uhr: LH-Konferenz bis spät in den Abend, hier wollte der Kanzler Details nennen.