Mehr als 600 Neuinfektionen

Nowotny: "Lockdown nur für Ungeimpfte"

Explodieren im Herbst die Zahlen, könnte ein Lockdown für Ungeimpfte die Folge sein.
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Wien. Das Muster ist aus dem letzten Sommer bekannt. Ab August steigt die Zahl der Neuinfektionen ­stetig, die dann im Herbst explodiert. Gegenwärtig stehen wir bei 601 Neuinfektionen. Das ist ein Plus von fast 50 % innerhalb von nur einer Woche. Virologe Norbert Nowotny im ÖSTERREICH-Gespräch: „Es ist nur eine Frage der Zeit, bis wir wieder die 1.000er-Grenze knacken.“

„Grüner Pass reicht“. Reaktion aus dem Gesundheitsministerium: erstaunlich gelassen. An eine Verschärfung der Maßnamen denke man nicht. Der Grüne Pass reiche.
Deutschland reagiert. Ganz anders in Deutschland: Bundeskanzlerin Angela Merkel setzt jetzt folgende Corona-Regeln durch, um Druck auf Ungeimpfte auszuüben:

  • Die 3-G-Regel mit Impfung, Genesung oder Test ist ab einer Inzidenz von 35 die Eintrittskarte in Krankenhäuser und Pflegeheime sowie in die Innengastro und in Innen-Events. Sie gilt auch im Fitnessstudio und in Hotels.
  • Wegfall kostenloser Tests ab 11. Oktober, Ausnahme: Kinder und Personen, die sich nicht impfen lassen können, sowie kostenlose Tests am Arbeitsplatz.
  • Weniger Stadion-Fans. Bei allen Sportevents mit mehr als 5.000 Zuschauern dürfen maximal die Hälfte der Sitze besetzt sein, absolute Obergrenze ist 25.000 Fans etwa im Fußballstadion.

Auch in Österreich will man im Herbst auf Ungeimpfte mehr Druck ausüben. Angedacht sind Verschärfungen nur für jene 40 % der Bevölkerung, die nicht geimpft sind. Nowotny prescht hier als erster Experte vor und spricht sich für einen Lockdown für Ungeimpfte aus: „Ich würde sagen, das kann man so machen. Geimpfte haben eine weit geringere Viruslast.“
Offiziell wird auf die steigenden Zahlen mit lokalen Maßnahmen, wie etwa der Ausreisetestpflicht in Teilen Osttirols, reagiert.

Virologe Nowotny: "Lockdown für Ungeimpfte ist machbar"

ÖSTERREICH: Für den Herbst wird ein Lockdown für Ungeimpfte debattiert. Was halten Sie davon?
Norbert Nowotny: Ich würde sagen, ja, das kann man so machen. Bei den Geimpften gibt es einen kleinen Prozentsatz an Personen, die sich infizieren und Viren auch weitergeben können. Bei den Ungeimpften ist dieser Prozentsatz 100 Prozent.

ÖSTERREICH: Ab 17. Oktober starten die Drittimpfungen. Für wie notwendig halten Sie die?
Nowotny: Für absolut notwendig. Wir wissen, dass bei viralen Atemwegsinfekten die Immunität nicht lange anhält, ganz im Unterschied zu anderen Virusinfektionen wie Masern, Mumps und Röteln, wo ich eine Auffrischungsimpfung brauche, dann aber mein ganzes Leben geschützt bin.