Mining-Boom wegen Höhenflug

So kann man Bitcoins schürfen

29.11.2017

Das muss man über die Goldgräberstimmung bei der Kryptowährung wissen.

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Der Bitcoin hat seinen beispiellosen Höhenflug fortgesetzt. Die bekannteste Digitalwährung knabberte am Mittwoch an wichtigen Handelsbörsen bereits an der Marke von 11.000 US-Dollar (9.253 Euro) und war damit rund 14 Mal mehr wert als noch zu Jahresbeginn.

Während ein Hedgefonds-Manager angesichts des kometenhaften Aufstiegs vor "der größten Blase unseres Lebens" warnte, prognostizierten andere Analysten weitere Gewinne: möglich seien 50.000 Dollar oder gar 100.000 Dollar.

Goldgräberstimmung

Dieser nun seit Monaten anhaltende Bitcoin-Höhenflug beflügelt allgemein den Hype um digitale Währungen. Rund um das bekannteste Kryptogeld ist längst ein lukratives Geschäft entstanden, das von professionellen Akteuren bestimmt wird.Außer Bitcoins gibt es zahlreiche weitere digitale Währungen, deren Münzen von Privatnutzern "geschürft" werden - und diesen teils satte Gewinne versprechen. Doch die Goldgräberstimmung beim sogenannten "Mining" birgt auch Tücken.

Wie werden digitale Währungen geschürft?

Kryptowährungen basieren auf dem Prinzip, dass die mit ihnen getätigten Transaktionen nicht von einer zentralen Stelle bestätigt werden müssen. Stattdessen werden alle Buchungsvorgänge über das Internet mit Hilfe zahlreicher Rechner in einer dezentralen Datenbank aneinandergekettet - der sogenannten Blockchain. Um die Daten zu schützen und sicherzustellen, dass ein Bitcoin nicht mehrfach ausgegeben wird, werden die Daten in der Blockchain kryptografisch verschlüsselt. Dafür wiederum ist ein immer größer werdender Rechenaufwand nötig.

Hier kommen auch private Computernutzer ins Spiel. Denn wer sich an den komplexen Rechenprozessen beteiligt, wird dafür entlohnt - in Anteilen an der digitalen Währung. Auf diese Art entstehen neue "Münzen". Der Prozess wird deshalb als "Mining" (Schürfen) bezeichnet.

>>>Nachlesen: Bitcoin knackte die 10.000-Dollar-Marke

Weshalb erscheint das Schürfen so lukrativ?

Der Kurs vieler Kryptowährungen ist zuletzt teils schwindelerregend in die Höhe geschossen: Während die ersten Bitcoin-Einheiten nur wenige Cent wert waren, notierte die virtuelle Münze zuletzt bei fast 11.000 Dollar (9.253 Euro). Auch die zweitgrößte Digitalwährung Ethereum vervielfachte heuer ihren Wert.

Zwar wird das "Mining" von Bitcoins inzwischen maßgeblich von professionellen Firmen betrieben, die im großen Stil speziell für den Schürfprozess optimierte Hardware einsetzen. Trotzdem können sich am "Mining" auch weiterhin Privatleute beteiligen - und dabei durchaus erkleckliche Beträge einstreichen. So ließen sich etwa bei Ethereum für private Computernutzer in Deutschland in diesem Jahr Gewinne von mehr als hundert Euro im Monat erzielen, vorausgesetzt auf dem heimischen Schreibtisch steht ein entsprechend leistungsstarker Computer.

Der Mining-Trend treibt dabei mitunter kuriose Blüten: So kommt es immer wieder zu Lieferengpässen bei Grafikkarten, die eigentlich für Computerspiele optimiert sind, gleichzeitig aber auch beim "Mining" gute Werte erzielen. Wiederholt haben digitale Goldgräber den Markt quasi leergekauft.

>>>Nachlesen: Blockchain - Die Technik hinter Bitcoin & Co

Wie können Privatnutzer schürfen?

Um Bitcoins oder sogenannte Altcoins, also alternative Digitalwährungen wie etwa Ethereum, Litecoin oder Monero zu schürfen, müssen sich Privatanwender über die Installation eines Clientprogramms mit dem Netzwerk der Währung verbinden. Bei Bitcoins funktioniert das Schürfen inzwischen hauptsächlich über sogenannte Pools, in denen sich viele Nutzer zusammenschließen, um effizienter zu schürfen. Die gewonnenen Coins werden geteilt.

Im Internet lassen sich eigens dafür entwickelte Programme finden, mit denen Nutzer berechnen können, ob sich das "Mining" mit ihren Computern lohnt. Der Website coinmarketcap.com zufolge gibt es gegenwärtig rund 1.200 Kryptowährungen. Bei einem Großteil von ihnen werden die Münzen allerdings nicht durch "Mining" erzeugt.

>>>Nachlesen: Techbold bringt Mining-Computer für Bitcoin & Co.

Was gilt es zu beachten?

Ein maßgeblicher Faktor beim "Mining" sind die Stromkosten. Da die Strompreise in Deutschland im internationalen Vergleich eher hoch sind, werden für einen rund um die Uhr auf Hochtouren arbeitenden Computer schnell Kosten von dutzenden Euro pro Monat fällig. Kritiker verweisen in diesem Zusammenhang auch auf die schlechte Ökobilanz des "Mining".

Außerdem lässt sich kaum absehen, wie sich der Wert von Kryptowährungen und auch die rechtlichen Rahmenbedingungen langfristig entwickeln. In Russland etwa, wo der "Mining"-Trend besonders verbreitet ist, hat Präsident Wladimir Putin der Regierung eine Frist bis Juli 2018 gesetzt, eindeutige Regeln für die Erschaffung und den Besitz von Kryptogeld zu erlassen. Schürfer sollen sich dort offiziell registrieren und ihre Gewinne versteuern müssen. Auch in Deutschland sollten "Mining"-Erträge nach Experten-Einschätzung je nach Höhe grundsätzlich versteuert werden, auch wenn noch längst nicht alle Fragen dazu geklärt sind.

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