Liebenswert-skurril
"Frank": Ein Leben ohne Gesicht
Jon ist musikalischer Tagträumer, der aus der Kleinstadt weg will. Frank ist charismatischer Bandleader der Avantgardegruppe Soronprfbs. Als deren Keyboarder ausfällt, wird Jon kurzerhand in die Band aufgenommen, die sich auf den Weg zu einer Hütte im irischen Nirgendwo macht, um dort ein Album aufzunehmen. Ach ja, und Frank trägt stets einen riesigen Pappmachekopf. Ab Freitag im Kino.
Schräge Komödie
Diese lakonisch-surreale Konstellation ist der Ausgangspunkt für eine der liebenswertesten und schrägsten Komödien des Kinojahres. In der britisch-irischen Produktion von Regisseur Lenny Abrahamson fungiert zwar der etwas tollpatschige Jon (Domhnall Gleeson) als Identifikationsfigur für den Zuschauer und als Erzähler. Der eigentliche Kern der Handlung ist allerdings Bandleader Frank, gespielt vom famosen Michael Fassbender ("12 Years a Slave"), der sich bis auf wenige Minuten im Film ausschließlich auf die Kraft seiner Stimme und seine Gestik verlassen kann - trägt seine Figur doch den überdimensionalen Comickopf selbst unter der Dusche.
So wissen selbst die Kollegen Clara (Maggie Gyllenhaal), Don (Scoot McNairy), Nana (Carla Azar) und Baraque (Francois Civil) nicht, welches Gesicht sich hinter der Maske verbirgt. Müssen sie aber auch nicht, denn Frank verbirgt nichts, mit Ausnahme seines Antlitzes. Er ist eine charismatische und zugleich skurrile Persönlichkeit, um den die anderen kreisen wie Trabanten um einen Planeten, ein missverstandener Außenseiter, der zugleich Menschen für sich einnehmen kann. Und auch auf den Zuschauer strahlt das fehlende Gesicht einer Hauptfigur, der man stets nur in die toten, aufgemalten Augen blickt, eine eigentümliche Faszination aus.
Frank
GB/IRL 2014, 95 min
Regie: Lenny Abrahamson
Mit: Michael Fassbender, Domhnall Gleeson, Maggie Gyllenhaal, Scoot
McNairy, Tess Harper
(c) Filmladen Filmverleih