Star der Berlinale

Ghostwriter: Neues Polanski-Meisterwerk

12.02.2010

Während sein neuester Film "Ghostwriter" auf der Berlinale Erfolge feiert, sitzt der Meisterregisseur weiter in der Schweiz unter Hausarrest fest.

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Die Berlinale hatte, so sickerte am Donnerstag durch, alles Erdenkliche versucht, um Roman Polanski nach Berlin zu holen. Vergeblich: Die Weltpremiere seines neuen Films Der Ghostwriter, ein möglicher Favorit für den Goldenen Bären, musste ohne den Regisseur stattfinden. Polanski steht weiter in der Schweiz unter Hausarrest.

So blieb es den Ghostwriter-Stars vorbehalten, das Loblied auf den Meisterregisseur zu singen. "Der Dreh war ein absolut magisches Erlebnis", sagte Pierce Brosnan. Ewan MacGregor: "Einen Regisseur wie Polanski habe ich noch nie erlebt. Er ist für meine Leistung mindestens ebenso stark verantwortlich wie ich selbst."

Ein Meisterwerk im Stil von "Chinatown"
Demnächst läuft Der Ghostwriter in Österreich an. Der Film ist, so Autor Robert Harris, "ein Thriller im Stil der großen Polanski-Meisterwerke wie Chinatown."

Pierce Brosnan spielt in der Verfilmung des Robert-Harris-Bestsellers einen britischen Premierminister, dessen Vorbild von der ersten Sekunde an klar ist: Tony Blair. Ewan McGregor gibt den Ghostwriter, der die Biografie des Politikers schreiben soll. Doch er findet bedeutend mehr heraus, als für die Biografie notwendig und für seine Sicherheit zuträglich ist. Der Ghostwriter gerät in Lebensgefahr – und auch der Politiker steckt in der Bredouille. Er soll, so das Drehbuch, wegen seiner Verstrickung in den Irak-Krieg vor dem Gerichtshof in Den Haag angeklagt werden.

Ex-Bond Brosnan über seinen Part: "Ich habe viele Aufnahmen von Tony Blair gesehen, in denen er mir wie ein Shakespeare-Darsteller vorkam, in der Rolle eines aus der Gnade gefallenen Königs. Also bin ich hier ein Schauspieler, der einen Schauspieler spielt, der den Premierminister spielt."

Die erste Premiere von Roman Polanskis Der Ghostwriter fand schon am Wochenende statt. In ganz kleinem Kreise. Die Zuschauer: Der Regisseur und Ghostwriter-Autor Robert Harris.

"Polanski rief mich an und sagte, er wolle den Film nicht ohne mich ansehen", sagte Robert Harris beim ÖSTERREICH-Interview in Berlin. "Also flog ich in die Schweiz, wo wir den Film auf der perfekten Projektionsanlage in seiner Villa abspielten. Er war sehr angetan."

Vom Beifall, den der Thriller bei der Berlinale-Weltpremiere auslöste, konnte sich Polanski im Schweizer Hausarrest nur telefonisch berichten lassen. Harris: "Er hätte den Film sicher gern auf der großen Leinwand gesehen. Allerdings reagiert er derzeit allergisch auf die Hyänen der Medien."

Harris über Polanskis altes Sexualdelikts-Verfahren in den USA: "Wenn selbst die Frau, um die es geht, für eine Einstellung des Verfahrens plädiert, ist es grausam, einen 76-jährigen Mann zu verfolgen, der nie wieder einer ähnlichen Tat beschuldigt wurde."

Während sein Film im Kino reüssiert, muss Polanski in der Schweiz weiter darauf warten ob er wegen eines Jahrzehnte zurückliegenden Sexualverfahrens an die USA ausgeliefert wird. Spruchreife Filmpläne verfolgt der 76-Jährige derzeit nicht.

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