Frankfurter Buchmesse

Freude, Optimismus am Österreich-Stand

07.10.2010

Heuer 4,5 Prozent Umsatzwachstum, vor allem dank Internet-Buchhandel.

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© dapd
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Die Freude über den Deutschen Buchpreis für den im Salzburger Verlag Jung und Jung erschienenen Roman "Tauben fliegen auf" von Melinda Nadj Abonji, die erfreuliche Umsatzentwicklung der österreichischen Buchbranche und die digitalen Perspektiven der Branche waren die Hauptthemen bei der Eröffnung des österreichischen Gemeinschaftsstands auf der 62. Frankfurter Buchmesse .

"Auch Österreich ist heuer ein wenig Buchpreis", gratulierte die Leiterin der Kunstsektion, Andrea Ecker, Verlag und Autorin. Verleger Jochen Jung hörte diese Worte nicht. Er hatte währenddessen am eigenen Verlagsstand alle Hände voll zu tun, Gratulationen entgegenzunehmen - und wohl auch gelegentlich mit seiner Druckerei zu telefonieren. Auch die sofort nachbestellten 20.000 Stück des Romans seien mittlerweile bereits alle geordert. Rechtzeitig eingedeckt hatten sich die Wiener Buchhändler Petra und Oliver Hartlieb, die auf das richtige Buch der Shortlist gesetzt hatten und daher am ersten Messe-Tag gut gelaunt durch die Hallen schlendern konnten.

Umbruch
Freude herrschte aber auch bei Jungs österreichischen Verlegerkollegen. "Dass ein österreichischer Kleinverlag den Buchpreis bekommt, bedeutet einen totalen Umbruch", meinte Benedikt Föger (Czernin Verlag) im Gespräch. "Der Preis zeigt, welche Arbeit in den kleinen, unabhängigen Verlagen geleistet wird und ist auch eine Bestätigung der österreichischen Verlagsförderung", meinte Alexander Potyka (Picus Verlag).

150 österreichische Verlage
Der Präsident des Hauptverbands des Österreichischen Buchhandels, Gerald Schantin, freute sich über die Präsenz von mehr als 150 österreichischen Verlagen ("So viele wie noch nie!") und vor allem über eine 4,5-prozentige Umsatzsteigerung im laufenden Jahr, womit der heimische Buchhandel dem deutschen (0,8 Prozent Plus) eindeutig voraus ist. "Das sind Zahlen, die uns stolz machen. Die Steigerung findet allerdings vor allem im Internet statt." Hauptverband und Wirtschaftskammer werden daher Workshops und Seminare organisieren, bei dem Buchhändler lernen sollen, sich im Web zu präsentieren. "Wer künftig nicht im Internet ist, ist nirgendwo."

Der Hauptverband hat zu den Umwälzungen im digitalen Bereich eine eigene Expertenrunde eingesetzt, um seinen Mitgliedern in dieser Frage künftig "mit Rat und Tat zur Seite zu stehen". In manchen heimischen Verlagen ist man indes längst zur Tat geschritten: "Es wird in Zukunft nicht ohne E-Book-Angebote gehen", sagte Föger, der den gestrigen Tag zum Besuch einer internationalen Konferenz zu dem Thema genutzt hatte: "Das war superspannend." Der Czernin Verlag bietet bereits die ersten sechs Bücher des Herbstprogramms auch als E-Books an. "Wir haben auch schon 20 Titel unserer Backlist digitalisiert und werden dies laufend ausbauen." Der Verleger rechnet mit einem entscheidenden Durchbruch des E-Books im heurigen Weihnachtsgeschäft ("Vor allem das I-Pad hat da extrem hohe Download-Raten") und setzt auf einen Mix auf traditioneller großer Anbieter und dem eigenen Web-Shop. "Für uns ist es eine Riesen-Chance, unsere Reichweite zu steigern."

Vorsicht
Etwas skeptischer sieht "Picus"-Chef Potyka die Entwicklung. "Wir versuchen, vorsichtig einzusteigen und unsere eigenen Erfahrungen machen. Man muss dabei viel investieren, und wir wissen aus dem analogen Buch, wie schnell man Geld verlieren kann. Aber wir sind heftig am Arbeiten." Im Verlag prüfe derzeit eine eigene Arbeitsgruppe verschiedene Technologien und Distributions-Varianten, die zu einem Start im kommenden Jahr führen sollen.

Rückbesinnung auf das Buch
"Es hat bereits 1995 einen ersten E-Book-Versuch großer Verlage gegeben, die das dann rasch wieder gelassen haben", sieht Gerhard Ruiss, Geschäftsführer der IG Autorinnen Autoren, die Entwicklung wesentlich skeptischer. Oder eigentlich optimistischer. Denn: "Es ist gut, wenn man sich auf den eigentlichen Kern des Buches besinnt: gescheite, qualifizierte Texte!" Er sieht daher nach einem ersten Rundgang durch die Hallen eher eine  "Rückbesinnung auf das Buch": "Ganz wenige Belletristik-Verlage haben E-Book-Angebote an ihren Ständen. Es gibt Tests, Versuche, Pilotprojekte, aber noch keine überzeugenden Angebote. Es ist klarer denn je, dass es nicht um eine Ablöse des Buches geht, sondern nur um eine Ergänzung."
 

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