In Urlaub

Nowak und Roubinek baden im Klischee

28.10.2010

Tragikomödie um zwei Mittvierziger auf Urlaub konfrontiert mit Altbekanntem.

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© Rabenhof/Pertramer
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Was ist ein Worst Case Szenario? Wenn man etwa mit einem geschmalzenen Steuer-Nachzahlungsbescheid nach Hause kommt und dort die Gattin mit einem anderen im Bett erwischt. Wenn sich die angebetete thailändische Schönheit, mit der man eben noch die schönsten Zukunftspläne geschmiedet hat, doch als normale Prostituierte herausstellt. Oder wenn beide Geschichten in einem Theaterstück vorkommen, das alle Befürchtungen einlöst und kein Klischee auslässt. Schon klar: Nicht alle Ferien geraten gleich zum Traumurlaub. Die Tragikomödie "In Urlaub ", die am Mittwoch, 27.10., im Wiener Rabenhof Premiere hatte, ist jedoch ein Fall für den Reklamationsschalter.

Billige Schmähs
Zwei Mittvierziger machen Urlaub in einem thailändischen All-Inclusive-Club. Zu diesem Thema fallen einem gleich ein paar Dinge ein. Und genau die sieht und hört man dann auch auf der (von Daniel Sommergruber offenbar mit Sparbudget hergestellten) Bretterbühne, die den "Banana Beach" mit einer Zimmerpalme und einem Tsunami-Warnschild charakterisiert. Der erste Tsunami-Schmäh kommt nach wenigen Minuten. Reichlich "Ficki-Ficki" mit mandeläugigen Schönheiten, die sich mitunter beim entscheidenden Zugriff als Ladyboys entpuppen können, billiges Singha-Bier, Thai-Massage, Elefantenreiten, Karaoke-Singen und der obligate Streit um die Strandliegen lenken nur vorübergehend von den zu Hause gelassenen Sorgen ab.

Duo des Schreckens
Reinhard Nowak als prolliger Elektriker Erich mit Ballonbauch und Rudi Roubinek als verkrampfter niederösterreichischer Steuerbeamter mit Fistelstimme geben ein Duo des Schreckens, bei dem es in der Regie von Roman Freigaßner kein Wunder ist, dass der Strand rundherum leerbleibt. Ihre Figuren gleichen aus groben Klötzen gehauenen Holzschnitten, auch die Texter haben statt des versprochenen "beißend schrägen Humors" vorwiegend den Holzhammer ausgepackt. "Die Tafelrunde und Reinhard Nowak" wird als Autor genannt, und so bringt der lange und langatmige Abend, der bei der Premiere bejubelt wurde, schließlich doch eine Erkenntnis: dass jener Schmäh, der bei fröhlichen Trink- und Tafelrunden glänzend rennen mag, nicht notwendiger Weise für einen ebenso gelungenen Theaterabend garantiert.

Dass ein Urlaub gründlich daneben geht, kann schon mal passieren. Dann bucht man künftig einen anderen Reiseveranstalter. Oder bleibt das nächste Mal einfach zu Hause.

Info
"In Urlaub" von Die Tafelrunde und Reinhard Nowak, Regie: Roman Freigaßner, Bühne und Ausstattung: Daniel Sommergruber, mit Reinhard Nowak und Rudi Roubinek, Nächste Vorstellungen: 29., 30.10., 2., 3., 10., 11., 20., 21.11., 20 Uhr, Wien 3, Rabengasse 3, Karten: 01 / 712 82 82, www.rabenhof.at)
 

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