Neue Platte

Arcade Fire legen "Reflektor" vor

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Kreativkopf Win Butler: "Einige Sachen werden die Leute wirklich überraschen!"
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Es war diesen Sommer ein globales Rätselspiel: Zunächst ein kryptisches Logo, das an Hauswänden in verschiedenen Städten zu sehen war. Dann der Hinweis auf "9pm 9/9". Und schließlich die limitierte Vinyl-Single einer Band mit dem Namen The Reflektors. Nach dem überwältigenden Erfolg ihrer letzten Platte "The Suburbs" (2010) machten sich Arcade Fire einen Spaß daraus, den Nachfolger anzuteasern. Am 25. Oktober erscheint nun das von Fans sehnlichst erwartete vierte Album "Reflektor". Dass es ein Erfolg werden wird, ist wohl anzunehmen. Die 13 neuen Songs versprechen aber auch einiges an Arbeit für die Hörerschaft.

Hier eine kleine Hörprobe "Reflektor"

Mit Neuaufstellung zum Erfolg
Mit ein Grund für die Neuaufstellung dürfte nicht zuletzt James Murphy sein. Der ehemalige Frontman von LCD Soundsystem kann getrost als Genius der Knöpfchendreher bezeichnet werden und brachte schon früher den Dancefloor mit Hymnengestus zusammen. Neben Markus Dravs fungierte er als Produzent für "Reflektor", das insgesamt stark von einem 80er-Vibe getragen wird. Pulsierender Funk ("We Exist") trifft auf Dub-Einflüsse ("Flashbulb Eyes"), bevor man in die Dreampop-Ecke abbiegt ("Awful Sound (Oh Eurydice)"). Und über all dem thronen die Stimme von Butler und Chassagne, mal im Duett, mal harsch aneinandergereiht. "If that's what's normal now, I don't wanna know", heißt es etwa im von Blues durchtränkten "Normal Person".

Doppel-CD mit Sound-Feuerwerk
Keine Sorge: Normal im Sinne von herkömmlich ist keine Sekunde von "Reflektor". Aufgeteilt auf zwei CDs klickert und klackt es, werden stampfende Beats mit schwebenden Gitarren verheiratet, dürfen melancholiegetränkte Streicher zu "Oh"-Chören anheben und schmiegen sich fragile Momente in brutzelnde Elektroflächen. Kaum ein Song, der die Fünf-Minuten-Marke nicht durchbricht. Schicht um Schicht tragen Arcade Fire ihre vielfältige Farbgebung auf, werden Rhythmen verschoben, Klänge unvermindert ausgetauscht und verzahnen sich die einzelnen Elemente zu Meterhohen Soundtürmen. Diese zu erklimmen, ist aber nicht immer ganz einfach, braucht es doch vor allem Zeit und Geduld.

Streben nach mehr
"Ich wollte nie in einer Band sein, die nicht genau jene Musik spielen kann, die sie will." Diesen Satz nimmt man Butler vollends ab. Seine Band versteckt sich nicht und nimmt mit "Reflektor" die Herausforderung der weltweiten Musikpresse und Fanscharen an. Größer, besser, vollendeter muss es werden, darüber war man sich einig. Mit dieser "klassischen Doppel-LP, wo dich jede Seite an einen anderen Ort bringt", kann zumindest der erste Anspruch vollends eingelöst werden. Über den Rest darf man genüsslich streiten. Enttäuschen werden Arcade Fire mit "Reflektor" jedenfalls die Wenigsten. Jene, die die kanadische Gruppe innig lieben, werden kaum enttäuscht werden. Und jene, die von Anfang an von einem überbewerteten Hype, dürfen sich ob des Größenwahns bestätigt fühlen. Nur: Kalt wird dieses Epos niemanden lassen.

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