Doppel-Interview

Adele Neuhauser & Manuel Rubey auf einer kurzen Welle des Glücks

09.03.2026

Die Leidenschaft in ihrer Ehe vermisst Adele Neuhauser in „Makellos – Eine kurze Welle des Glücks“ und findet sie bei Manuel Rubey. Der Talk zum neuen TV-Film. 

Zur Vollversion des Artikels
© ORF/BR/Bavaria Fiction/Jacqueline Krause-Burberg
Zur Vollversion des Artikels

Darf sich eine reifere Frau Leidenschaft in ihrem Leben wünschen, wenn ihre Ehe eingeschlafen ist? Diese Frage beantwortet Drehbuchautor Uli Brée in dem Film „Makellos – Eine kurze Welle des Glücks“ (11. März, 20.15 Uhr in ORF 2 sowie 24 Stunden vorab auf ORF ON) mit einem klaren Ja. Er schickt Adele Neuhauser (67)  als Dirndl-Designerin Constanze Laux geradewegs in die Arme des Callboys Ricardo, gespielt von Manuel Rubey (46).  Die Affäre bleibt nicht unbemerkt und Constanze wird mit Aufnahmen der Treffen erpresst. Ihr Verdacht fällt auf Ricardo...

Doppeltalk

Dass die Geschichte das Klischee vom älteren Mann mit einer jüngeren Frau umdrehte, hat Adele Neuhauser gefallen, verrät sie im MADONNA-Interview. Das interessierte auch Manuel Rubey: „Auch wenn es mehr sein könnte, merkt man, dass sich Erzählperspektiven verändern.“ Im Interview spricht das Duo über Erzählperspektiven und die kurzen Momente des Glücks.

Was ist für Sie eine kurze Welle des Glücks?
Manuel Rubey:
Ich finde, Glück ist per se etwas Kurzes. Christine Nöstlinger hat gesagt: „Glück ist was für Augenblicke.“ Ich glaube, dass wir uns vom Glück zu viel versprechen und erwarten. Es gibt eine ganze Glücksindustrie, die Menschen ausnutzt. Aber wenn man denkt, dass Glück ein kleines Geschenk ist, das hin und wieder kommt, in welcher Form auch immer, dann kann man es auch besser genießen.

Erkennt man sein Glück schnell oder erst später?
Rubey:
Das ist eine der großen Traurigkeiten des Menschseins: Man merkt sehr oft erst im Nachhinein, dass man eigentlich ziemlich glücklich war. Ich versuche den Kindern, ganz pathetisch, mitzugeben, dass sie erkennen, wenn sie eine glückliche Zeit haben. Man sagt immer später: „Na, da ging‘s uns gut, da war noch alles leicht!“ Wenn man es schafft, das Glück im Moment zu erkennen, wäre es ziemlich großartig.
Adele Neuhauser: Wir streben immer nach diesem Glück und verkrampfen uns so sehr, dass wir nicht merken, wie viele Glücksmomente wir an einem Tag haben. Man fährt los und kriegt einen Parkplatz. (Lacht) Oder man kommt zur Busstation und er kommt gerade. Das sind Glücksmomente. Wir erwarten vom Glück immer etwas ganz Großes, Außergewöhnliches. Das ist es nicht. Es ist eine Summe von vielen kleinen Glücksmomenten.

Was war für Sie ausschlaggebend, diesen Film zu machen?
Neuhauser:
Uli Brée ist ein sehr fleißiger Schreiber und fast schon Leib- und Lebensautor für mich geworden. Er hat immer unglaubliche Ideen. In diesem Buch hat er an uns beide gedacht. Das hat schon die erste Lektüre sehr spannend gemacht. Ich habe es mit großer Neugierde und mit großem Respekt verschlungen, weil man diese Geschichte auch ganz schlecht erzählen kann. Es kann sehr platt, sehr romantisierend und voyeuristisch sein. Das ist nicht der Fall – und dann war es eigentlich klar. (Lacht)
Rubey: Es ging mir ähnlich. Das ist wahrscheinlich schon ein Glück – um bei der Frage von vorher anzuschließen –, weil es nicht oft vorkommt, dass ein Autor oder eine Autorin jemandem eine Rolle auf den Leib schreibt oder sagt: „Da habe ich an dich gedacht.“ Das ist schon ein kleines Geschenk. Ich mag immer gerne etwas Neues, etwas noch nicht Dagewesenes. Das war definitiv der Fall. Ich habe vorher noch nie einen Callboy gespielt.
Neuhauser: Wir sind es gewohnt, ältere Männer mit jüngeren Frauen zu sehen. Diese Geschichte dreht das um. Auf eine sehr angenehme Art und Weise. Das heißt nicht, dass wir uns jetzt alle einen Callboy nehmen müssen. Aber wir müssen im Visuellen zulassen, dass eine Frau einen jüngeren Mann begehrt und die Nähe mit ihm gerne auslebt. Das ist ihr gutes Recht.
Rubey: Es ist sehr unverkrampft erzählt. Es hat Humor. Es geht nicht nur um die eine Sache, sondern es schwingen mehrere Ebenen mit. Es geht um Gesehenwerden.

Wie viele Geschichten über Frauen, die nicht mehr ganz jung sind, gibt es, in denen auch ihre Bedürfnisse erzählt werden?
Rubey:
Meiner Meinung nach immer noch zu wenige. Aber es ist schön, dass es jetzt diesen Film gibt, der es umdreht. Auch wenn es mehr sein könnte, merkt man, dass sich Erzählperspektiven verändern. Das ist gut.
Neuhauser: Absolut. Aber für mein Gefühl könnten es trotzdem noch immer mehr sein. Ich bin jetzt 67. Es leiden noch immer viele Schauspielerinnen, die jünger sind – zwischen 40 und 60. Was macht eine Frau zwischen 40 und 60? Scheinbar nichts. (Lacht) Es fällt Autorinnen und Autoren immer noch zu wenig ein. Ich bin in dieser Hinsicht wirklich eine Beglückte.

Es ist ein sehr schwieriges Alter in der öffentlichen Wahrnehmung.
Neuhauser:
Ich glaube, unsere Gesellschaft befindet sich in einem Umbruch. Das ist ein langwieriger und schwieriger Prozess. Der beinhaltet auch, wie Frauen nach wie vor behandelt, gesehen, zugelassen, gehört werden. Es geht nicht nur um Frauen, sondern um das Ganze. Was wollen wir in einer Gesellschaft? Das wissen wir alle noch nicht. Man spürt eine große Unsicherheit, aber auch einen Aufbruch. Das ist das Schöne an solchen Projekten, die Mut machen und Lust machen zu sagen: „Es geht anders und wir sehen noch etwas anderes.“

Was macht die Bücher von Uli Brée so besonders?
Neuhauser:
Ich kenne ihn schon sehr lange. Uli Brée macht einen schönen Prozess durch. Er wird immer feiner. Er hat eine gewisse Weisheit und eine liebevolle Art, und beides wächst. Das spiegelt sich in seinen Büchern wider. Schon der letzte Film, den wir gemacht haben, „Ungeschminkt“ hat das gezeigt. Das war ein schwieriges Thema und er hat es bravourös erzählt.
Rubey: Das in Kombination mit einem tollen Handwerk. Viele – und ich meine das nicht abwertend – verhandeln immer nur Dinge, die mit ihrem Leben zu tun haben. Das trifft auf ihn nicht zu. Er interessiert sich für vieles und hat den Mut, Genres zu bespielen, wo er selber mit seinem Leben wenige Berührungspunkte hat. Das macht es vielfältiger.
Neuhauser: Ja, und er hat auch eine große Lust, mal etwas abzuräumen. Nicht zu zerstören, sondern einfach abzuräumen. Es gibt auch Ecken und Kanten und dadurch kriegt es Humor und ein lustvolles Erleben dieser Geschichten.

Was geben Constanze und Ricardo einander? Was können sie voneinander lernen?

Neuhauser: Ricardo gibt Constanze ein Selbstverständnis. Er wertet ihr Handeln überhaupt nicht oder stellt es nicht infrage. Durch seine Verschlossenheit wird nichts zerredet und es bekommt keine schmutzige Ebene. Er ist zu wahren Gefühlen fähig. Das ist auch etwas, das ihn besonders macht. Das lernt sie von ihm.
Rubey: Das ist lustig, weil ich umgekehrt das Gleiche sagen würde. Er lernt von ihr, dass es okay ist, sich mit dem Schatten und mit einem verunglückten Leben zu zeigen. Dass das eine Qualität haben kann. Ich glaube, das zeigt sie ihm. Aber das ist kein Widerspruch. Und er, glaube ich, er sieht sie. Das ist dieses Abgedroschene, aber nicht weniger Wichtige: „Ich sehe dich ganz, in allem, was du bist. Das interessiert mich und das gefällt mir, auch wenn nicht alles perfekt ist.“   

Weitere Artikel