Mit 67 Jahren zieht Adele Neuhauser eine ebenso ehrliche wie berührende Bilanz. Die Publikumsliebling-Preisträgerin spricht offen wie nie über die Liebe, schmerzhafte Verluste und die einstige Angst vor dem Alleinsein – und warum sie heute ihre „Schrulligkeit“ regelrecht genießt.
Heuer fällt eine der schwersten Entscheidungen ihrer Karriere endgültig: Ende 2026 wird Adele Neuhauser (67) ihre Paraderolle als Bibi Fellner im Wiener „Tatort“ an den Nagel hängen. Gemeinsam mit ihrem Langzeit-Partner Harald Krassnitzer (65), der den Moritz Eisner gibt, verabschiedet sich eines der beliebtesten Ermittler-Duos des deutschsprachigen Raums nach rund 15 Jahren und etwa 40 gelösten Fällen. Es ist ein freiwilliger Abgang, den beide Kieberer-Urgesteine im Einvernehmen getroffen haben.
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Das neue Leben als „Langzeit-Single“
Während Adele Neuhauser dem Fernsehen in anderen Rollen erhalten bleibt, wählt sie ihre künftigen Projekte nun mit Bedacht. Auch privat hat sich die Prioritätenliste der Tochter eines griechisch-österreichischen Architekten verschoben. In der Talkshow Riverboat gab sie Einblicke in ihr Seelenleben: „Ich bin jetzt seit einiger Zeit Single, und ich stelle fest, ich war ja eigentlich immer in Beziehungen, dass ich mich endlich wieder beruhige. Das hat möglicherweise mit dem Älterwerden zu tun, mit den Schicksalsschlägen, die ich in den letzten Jahren erfahren habe. Auch mit viel Arbeit und viel öffentlicher Wahrnehmung. Dass ich merke, ich bin gerne für mich allein.“
„Tatort“-Abschied: Zum letzten Mal im Einsatz
Zweimal ermitteln Adele Neuhauser und Harald Krassnitzer noch, dann hängt das Duo, das zu den längstdienenden „Tatort“-Kommissaren zählt, die Dienstmarke an den Nagel. „Besser wird es nicht mehr!“, so Krassnitzer zum Aus. Ihre beiden letzten Fälle sind bereits abgedreht und werden im Laufe des Jahres ausgestrahlt.
Wann und wo?
Die letzten Episoden mit Neuhauser und Krassnitzer sind bereits abgedreht. Wann genau „Dann sind wir Helden“ und „Gegen die Zeit“ in ORF 2 laufen, ist nicht bekannt.
Die Angst, die leise mitschwang
Dass sie die Einsamkeit heute als Privileg empfindet, war ein harter Lernprozess. Gegenüber t-online gestand die Schauspielerin, dass sie früher oft aus den falschen Motiven handelte: „In Beziehungen habe ich versucht, mich zurückzunehmen. Aus Sehnsucht nach Harmonie, aus Sehnsucht nach Makellosigkeit, aus Sehnsucht nach Perfektion.“
Hinter diesem Wunsch nach einer heilen Welt verbarg sich jedoch oft pure Verlustangst: „Aus Angst, alleingelassen zu werden. Aus Angst vor Verlusten, vor Konfrontation, vor Streit.“
Dieses permanente Sich-Zurücknehmen funktionierte jahrelang, bis der Punkt erreicht war, an dem es laut Neuhauser schlichtweg „aus mir herausgebrochen ist“. Die Konsequenz war so schmerzhaft wie notwendig: Sie musste die Beziehung verlassen, um die wahre Harmonie zu finden, nach der sie sich sehnte.
„Mein Lebensmann“: Die Trauer um Zoltan Paul
Eine besondere Rolle in ihrem Herzen nimmt nach wie vor ihr Ex-Mann Zoltan Paul ein, der 2022 völlig überraschend an einem Aneurysma verstarb. Trotz der Trennung verband die beiden bis zuletzt ein tiefes Band. „Es ist nach wie vor unfassbar“, so Neuhauser gegenüber der Bunte. Über den verstorbenen Schauspieler sagt sie voller Zuneigung: „Er ist und bleibt mein Lebensmann, auch wenn er jetzt nicht mehr unter uns weilt.“
Reibung als Chance zum Glück
Heute hat sich die „Bibi“-Darstellerin in ihrem Single-Dasein häuslich eingerichtet. Mit einer Prise Wiener Schmäh meint sie: „Vielleicht bin ich zu bequem geworden oder zu schrullig.“ Doch das Alleinsein sei nach den vielen Menschen und Stimmungen am Set ein wahrer Luxus.
Neuhauser ist überzeugt, dass wir erst durch Krisen wachsen: „Wir reflektieren unser Leben nur in der Reibung. In schwierigen, tragischen, schockierenden Momenten und in Verlusten.“ Ihr Fazit ist so bodenständig wie sie selbst: „Glück wird oft erst möglich, wenn wir in einen Konflikt geraten.“
Und die Liebe? Die ist für Adele Neuhauser kein abgeschlossenes Kapitel, aber auch kein Zwang. Sie lässt es entspannt auf sich zukommen: „Ich glaube nur, dass es mir im Moment guttut, aber ich bin jetzt nicht jemand, der sagt, nie wieder ein Mann an meiner Seite.“