Lange galt die tägliche Einnahme von Aspirin als Geheimwaffe gegen Darmkrebs. Doch eine aktuelle Auswertung von über 120.000 Patientendaten sorgt jetzt für Ernüchterung: Die vermeintliche Vorsorge-Pille bringt kaum Nutzen, steigert aber Ihr Risiko für gefährliche Hirnblutungen massiv.
Es klang zu schön, um wahr zu sein: Einfach jeden Tag eine kleine Tablette schlucken und dem Darmkrebs keine Chance geben. In den USA wurde diese Methode zeitweise sogar offiziell empfohlen. Doch damit ist jetzt Schluss. Ein Forschungsteam der Sichuan University (China) um Zhaolun Cai hat die Hoffnung auf die „Wunder-Waffe“ Aspirin in einer umfassenden Analyse im renommierten Fachjournal Cochrane Database of Systematic Reviews zunichtegemacht.
15 Jahre ohne Wirkung: Die bittere Bilanz der Forschenden
Die Experten untersuchten Daten von rund 125.000 Menschen aus zehn klinischen Studien. Das Ziel: Endlich Klarheit schaffen, ob die entzündungshemmende Wirkung von Acetylsalicylsäure (Aspirin) Tumore im Keim ersticken kann. Das Ergebnis ist ein Dämpfer für die Krebs-Vorsorge:
- Kein Schutz: Innerhalb der ersten 15 Jahre nach Beginn der regelmäßigen Einnahme gab es keinen Einfluss auf die Zahl neuer Darmkrebsfälle.
- Unsichere Langzeit-Wirkung: Zwar könnte es nach über 15 Jahren eine minimale Schutzwirkung geben, doch die Datenlage ist hier laut Forschern extrem „wackelig“ und mit Vorsicht zu genießen.
Wenn die Vorsorge zum Risiko wird
Viel alarmierender als der ausbleibende Nutzen sind jedoch die Nebenwirkungen. Wer gesund ist und Aspirin ohne ärztliche Anweisung zur Vorbeugung schluckt, spielt mit seinem Leben. Studienleiter Zhaolun Cai warnt eindringlich: „Obwohl die Vorstellung faszinierend ist, zeigt unsere Analyse, dass dieser Nutzen nicht garantiert und mit unmittelbaren Risiken verbunden ist.“
Das sind die gefährlichen Nebenwirkungen der täglichen Einnahme:
- Erhöhtes Risiko für Blutungen im und um das Gehirn.
- Steigendes Schlaganfall-Risiko.
- Besonders gefährdet: Ältere Menschen und Personen mit Vorerkrankungen.
Experten raten: Hände weg vom Selbstversuch
Auch deutsche Top-Experten sind von den Ergebnissen wenig überrascht. Michael Hoffmeister vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) betont, dass Aspirin einen verzögerten Effekt hat – sowohl beim (geringen) Nutzen als auch bei den gefährlichen Blutungsrisiken.
Das Fazit der Mediziner ist eindeutig: Es gibt kein „Allgemeinrezept“ für Aspirin als Krebs-Killer. „Die weit verbreitete Verwendung in der Allgemeinbevölkerung wird durch die vorliegenden Erkenntnisse einfach nicht gestützt“, erklärt Mitautor Dan Cao.
Wenn Sie Ihr Darmkrebs-Risiko wirklich senken wollen, setzen Sie auf bewährte Methoden wie eine ballaststoffreiche Ernährung, wenig Fleisch und vor allem die regelmäßige Vorsorgeuntersuchung (Koloskopie) beim Facharzt.