Interview

Luna Wedler: "Ich glaube an das Gute"

19.02.2026

In „Sie glauben an Engel, Herr Drowak?“ taucht Luna Wedler in eine surrealistische Welt ein und zeigt, wie wichtig das Zuhören ist – auch in der Realität.

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© Getty Images
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Kann man Menschen zu ihrem Glück zwingen? Genau das will das „Amt für Recht und Ordnung“ in dem Film „Sie glauben an Engel, Herr Drowak“ (ab 19. Februar im Kino). Kreative Workshops sollen einsame Außenseiter:innen resozialisieren. Dieser Aufgabe verschreibt sich die optimistische Studentin Lena Jakobi (Luna Wedler). In ihrem Kurs landet ein einziger Teilnehmer: Der einsame Misanthrop Hugo Drowak (Karl Markovics). Von seinem Widerstand lässt Lena sich nicht abschrecken und ist bald von seiner Poesie fasziniert. In MADONNA spricht Luna Wedler (26) über den Film, die Kraft der Kunst und ihren Glauben an das Gute.

Die erste Frage liegt auf der Hand: Glauben Sie an Engel?
Luna Wedler:
Ja, ich glaube an Engel, aber weniger in einem religiösen Kontext. Ich vertraue sehr auf das Leben und dass es kommt, wie es kommt. Alles macht dann Sinn, auch wenn es in dem Moment keinen Sinn macht. Ich glaube auch an etwas, das da ist.

Was hat Sie an „Sie glauben an Engel, Herr Drowak?“ gereizt?
Wedler:
Ich glaube, das Erste war das Setting. Als ich das Buch gelesen habe, war ich in den Alpen. Ohne Licht und ohne Wasser. Es war alles sehr ruhig. Ich durfte in diese Welt eintauchen, in diese surrealistische Welt, die aber auch ein Spiegel für unsere Welt ist. Es gab ganz vieles, das mich gereizt hat. Lena Jakobi, meine Figur, ist so wundervoll und großartig. Sie hat eine so tolle Energie und sieht das Schöne im Leben, aber auch im Menschen. Sie ist natürlich auch mit ihren eigenen Gedanken gefordert. Lena steht zu sich und kennt ihre Werte, sie hat aber auch eine große Verletzlichkeit. Es ist ein gesellschaftskritischer Film, es ist ein generationenübergreifender Film. Jede einzelne Figur ist merkwürdig, aber liebevoll. Für mich geht es in diesem Film um Mitmenschlichkeit, um das Zuhören und das Verstehen des Gegenübers. Und er ist brutal, er ist ehrlich. Auf eine sehr gute und liebevolle Art.

Haben Sie Gemeinsamkeiten mit Lena Jacobi gefunden?
Wedler:
Ich glaube schon. Deshalb mache ich auch diesen Beruf. Ich bin sehr, sehr neugierig. Ich möchte verstehen, wie wir Menschen ticken, wie komplex sie sind, was die Geschichte von meinem Gegenüber ist und Verständnis dafür haben, dass wir alle einzigartig sind. Wir brauchen alle mehr Empathie. Lena hat das, vielleicht sogar zu viel. Man kann nicht alles mit dem entschuldigen, was einem passiert ist, aber es kann ein größeres Verständnis dafür geben. Ich denke, das teilen wir. Ich versuche auch, jeden zu nehmen, wie er ist.

„Sie glauben an Engel, Herr Drowak?“ hat eine starke Bildsprache. Wie war das am Set?
Wedler:
Es ist ein sehr surrealistischer Film und wir haben Mittel, die es im echten Leben nicht gibt. Aber das macht diese Welt aus, dieser Brutalismus der Gebäude. Auch das Zuhause von Lena ist extrem. Unsere Szenenbildnerinnen haben diese Orte, die Zuhause geschaffen. Auch die Wohnung vom Drowak: Das waren tausende Flaschen. Es ist bis ins kleinste Detail mit so viel Liebe gemacht und durchdacht. Was Markus Nestroy, unser Kameramann, und seine Crew geschaffen haben, ist Kunst. Diese Bildsprache, das Schwarz-Weiß und der Wechsel zur Farbe haben so viel Sinn gemacht. Das ist ein großer Aspekt, warum man so toll eintauchen kann.

Es ist der erste Spielfilm des Regisseurs Nicolas Steiner. Hat er durch seine vorherige Arbeit an Dokumentationen eine andere Herangehensweise?
Wedler:
Ich habe nicht gemerkt, dass er von der Dokumentation kommt. Er ist ein liebevoller, lustiger Mensch und das merkt man in seinen Dokumentationsfilmen, aber auch bei diesem Film. Es geht ums Menschliche, darum zu berühren und zu verstehen. Er war ganz nah bei uns und es war wirklich ein Zusammenarbeiten. Er war sehr transparent. Auch mit Lena, die sehr komplex ist und zu viel sein könnte. Ich hatte große Angst, sie zu spielen. Nicht wegen ihr, sondern weil sie so großartig ist. Ich wollte nicht, dass das überspitzt rüberkommt, sondern dass man versteht, dass sie ein Mensch ist, der eine extreme Innenwelt, aber auch eine extreme Außenwelt hat.

Was können Sie der Idee des Films, Menschen am Rande der Gesellschaft durch Zwangsmaßnahmen zu integrieren, abgewinnen?
Wedler:
Ich finde, das ist eine wundervolle Idee. Es macht Sinn, Menschen mit Kreativität aus dunklen Orten zu holen. Dass Kreativität ein Mittel sein kann, um wieder Freude zu empfinden, um das Schöne zu sehen oder durch das Malen, durch das Singen, durch Kunst wieder ein bisschen Wärme zu spüren. Für mich als Künstlerin ist das so, aber auch für Leute, die nichts mit diesen Welten zu tun haben. Wenn sie mit dem Theater oder mit einem guten Film oder mit einem Bild in Berührung kommen, kann das etwas auslösen oder etwas heilen. Darum geht es, glaube ich: Das kann sehr heilend sein.

© Filmladen Filmverleih

Lena hilft Herrn Drowak und glaubt fest an das Gute in ihm. Das ist in unserer Welt oft schwer zu sehen. Glauben Sie an das Gute?
Wedler:
Ich glaube an das Gute, ja. Ich glaube auch, wenn wir diese Hoffnung verlieren, sieht es gar nicht mehr gut aus. Das ist das Letzte, das uns in diesen Zeiten bleibt. Ich glaube an das Gute und ich glaube auch, man muss sich an diese Orte begeben. Man muss das Schöne sehen und darf sich nicht verschließen. Ich kann das nachvollziehen. Ich finde alles auch sehr beängstigend. Aber es nützt nichts, in dieses Dunkel zu gehen. Man muss das Licht sehen und versuchen, das Miteinander zu stärken.

Wo oder wann spüren Sie das?

Wedler: Ich merke das, wenn ich mit meinen Freundinnen zusammen bin und wir reden und oder wenn ich auf eine Demo gehe oder auch, wenn ich in einem Bericht oder im Internet einen positiven Aspekt sehe. Wir sind alle verbunden, wir sind alle einzigartig. Aber wir sind auch alle Menschen und haben tief drinnen die gleichen Werte. Ich glaube, um an das Gute zu glauben, muss man offen sein, versuchen, Menschen zu verstehen und zuzuhören. Man muss nicht mit allem einverstanden sein, aber man muss wieder ins Gespräch kommen. Jeder hat seine Geschichte und darum geht es in unserem Film: Es ist kein Gegeneinander, sondern ein Miteinander.  

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