Weltweite Rezession

Iran-Krieg: Experte sieht "größte Ölkrise der Geschichte"

09.03.2026

Der Transport von Flüssiggas aus der Kriegsregion ist zum Erliegen gekommen, auch Öllieferungen sind blockiert. Ein US-Banker warnt: "Der Krieg wird eine weltweite Rezession auslösen" 

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Der Preis für europäisches Erdgas ist wegen des Kriegs im Nahen Osten explodiert. An der Börse in Amsterdam sprang die Notierung für den richtungweisenden Erdgas-Terminkontrakt TTF zur Lieferung in einem Monat zum Handelsbeginn um rund 30 Prozent auf 69,50 Euro je Megawattstunde (MWh) nach oben. Vor dem Krieg war der Preis knapp über 30 Euro, er hat sich bereits mehr als verdoppelt.

"Krieg wird weltweite Rezession auslösen"

Auch Öl wird knapp. Wegen der Kämpfe im Iran meiden Tanker weiterhin die für den Öltransport wichtige Straße von Hormuz. Der weltgrößte Ölexporteur Saudi-Arabien erhöht zwar seine Lieferungen über das Rote Meer, die Mengen reichen jedoch bei Weitem nicht aus, um die Ausfälle auszugleichen. "Die Weltwirtschaft bleibt abhängig vom Fluss von Öl und Erdgas aus dem Nahen Osten durch die Straße von Hormuz", erklärte Bruce Kasman, Chefvolkswirt bei JPMorgan. Ein längerer Konflikt könnte den Ölpreis über 120 Dollar treiben und eine weltweite Rezession auslösen. 

Der Dax sackte bereits um 2,6 Prozent ab, der ATX verlor 3% am Montagmorgen. In Asien brechen die Börsen noch stärker ein.

Experten: "Größte Ölkrise der Geschichte" 

Die Angriffe der USA und Israels auf Iran haben laut einer Analyse der US-Beratung Rapidan Energy Group die größte Störung der globalen Ölversorgung in der Geschichte ausgelöst. Demnach sind derzeit rund 20 Prozent der weltweiten Öllieferungen betroffen, berichtet die "Financial Times".

Damit übertreffe die aktuelle Krise sogar die Auswirkungen der Suezkrise 1956/57, als etwa zehn Prozent der globalen Ölversorgung unterbrochen waren.

"Der Konflikt hat sowohl die Produktionsströme als auch die Reservekapazitäten gestört, auf die sich die Märkte normalerweise verlassen, um Lieferausfälle auszugleichen", schreibt Rapidan Energy Group in ihrer Analyse.

Besonders problematisch: Die üblichen Puffer des Ölmarkts wirken nur eingeschränkt. "Die wichtigsten Inhaber von Reservekapazitäten – Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate – sind derzeit von den globalen Ölmärkten abgeschnitten. Damit fällt der traditionelle Stoßdämpfer der Branche faktisch aus", so die Berater.

Erdgas-Preis mehr als verdoppelt

Der Preis für europäisches Erdgas seit Beginn der Angriffe der USA und Israels auf den Iran vor mehr als einer Woche mehr als verdoppelt. Aktuell ist er bei 69,50 Euro je Megawattstunde (MWh). Vor dem Krieg war der Preis knapp über 30 Euro. Dies ist der stärkste Anstieg seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine von vier Jahren. Die globalen Energiemärkte sind durch den Krieg im Nahen Osten stark beeinträchtigt. Der Transport von Flüssiggas aus den Förderregionen am Persischen Golf durch die wichtige Straße von Hormuz ist durch den Krieg faktisch zum Erliegen gekommen.

Der Preissprung beim Erdgas folgte zeitgleich zu einem Ölpreisanstieg auf über 100 US-Dollar (86,50 Euro) pro Barrel (159 Liter), da weitere große Produzenten im Nahen Osten ihre Produktion drosselten. Auch der Preis für Erdgas in den USA ist zuletzt gestiegen.

Gasspeicher mit niedrigem Füllstand

Nach Einschätzung von Marktbeobachtern befindet sich der Gasmarkt in Europa in einer schwierigen Lage, da die Gasspeicher nach dem Winter einen vergleichsweise niedrigen Füllstand haben. Das bedeutet, dass in diesem Sommer zugekauft werden muss, um die Speicher wieder aufzufüllen. Dabei konkurrieren die europäischen Versorger mit Käufern in Asien um die begrenzten Liefermengen, falls Lieferungen aus dem Nahen Osten über einen längeren Zeitraum ausbleiben.

"Der Markt erkennt allmählich die Realität anhaltender Lieferengpässe", sagte Florence Schmit, Analystin bei der Rabobank. Sie geht davon aus, dass die Lieferengpässe etwa drei Monate andauern könnten.

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