Haft für Angeklagte
Bier-Lokal abgefackelt: Alles nur wegen Corona?
30.03.2026Dem Pächter eines Traditions- und Politpromi-Lokals in Innsbruck wird Brandstiftung und schwerer Betrug vorgeworfen. Beide Angeklagten bekannten sich bei der Verhandlung schuldig. Auslöser sei die Pleite wegen Corona gewesen. Beide kassierten (nicht rechtskräftig) jeweils 3,5 Jahre Haft.
Tirol. Nach dem Brand des Innsbrucker Traditionsgasthauses "Stiegl" ´in der Wilhelm-Greil-Straße im Juni vergangenen Jahres mussten sich der 37-jährige Pächter des Lokals sowie sein Komplize am Montag am Landesgericht in einem Schöffenprozess verantworten. Dem erstangeklagten "Helfer" - er arbeitete als Tellerwäscher in dem Lokal - wurde das Verbrechen der Brandstiftung zur Last gelegt, dem zweitangeklagten Pächter die Anstiftung zu ebenjener sowie das Vergehen des schweren Betrugs.
Er sei "wegen etwas sehr Schrecklichem hier", sagte der Erstangeklagte bei seiner Einvernahme sichtlich emotional bewegt. Etwas anders "als sich absolut schuldig zu bekennen", sei somit für ihn nicht denkbar, fügte der 44-jährige Bulgare hinzu. Er habe damals unter anderem "finanzielle Probleme" gehabt und sich "aus Solidarität mit seinem langjährigen Freund" zur Tat hinreißen lassen. Dieser habe ihm dafür 5.000 Euro übergeben, um die Tat mit einer weiteren Person auszuführen, gab er vor Richterin Heide Maria Paul und den Schöffen zu Protokoll.
Der Zweitangeklagte wiederum führte an, dass ihn die drohende Zwangsräumung seitens des Verpächters, seine Kokainsucht sowie finanzielle Nöte dazu getrieben hätten, die Brandstiftung zu beauftragen. "Es waren emotionale Momente und ich wollte es nicht wahrhaben, dass ich aus dem Lokal raus muss", meinte der ehemalige Gastronom, der wie der Erstangeklagte aktuell in Untersuchungshaft sitzt und ebenfalls aus Bulgarien stammt. Der Pächter hatte die Tat im Vorfeld des Prozesses noch vehement bestritten - im Gegensatz zu seinem Landsmann.
Drogensucht und diese Emotionen hätten jedenfalls im Juni dazu geführt, dass es schließlich "einfach passiert ist". Er habe jedoch nicht gewollt, "dass jemand dabei zu Schaden kommt", auch sei kein Betrug seinerseits intendiert gewesen. "Das war schlicht eine Fehlentscheidung", meinte der 37-Jährige und räumte zugleich ein, seine Versicherung nach dem Brand mit einer Schadenssumme von 190.000 Euro behelligt zu haben.
"Größter Fehler seines Lebens"
Die Verteidiger der beiden Angeklagten referierten schließlich die Tat-Beweggründe ihrer Mandanten "ohne diese jedoch zu entschuldigen", wie sie unisono betonten. "Es war der größte Fehler seines Lebens", führte der Verteidiger des Erstangeklagten, Alexander Huber, aus. Er habe sich schlicht "hinreißen lassen", unter anderem aufgrund seiner finanziellen Notlage.
Der Verteidiger des Pächters, Markus Abwerzger, wiederum betonte, dass es sich bei dem Sachverhalt insgesamt "um eine menschliche Tragödie handelt". Sein Mandant, der das Lokal mehrere Jahre geführt habe, sei "sehr fleißig gewesen" und das Lokal auch "sehr gut gelaufen". Dann sei allerdings etwa "Corona gekommen" und schließlich habe "der Verpächter den Pachtvertrag gekündigt", berichtete der Rechtsanwalt von zunehmenden wirtschaftlichen Problemen. "Es war dann einfach alles viel zu viel für ihn", meinte Abwerzger vor dem Schöffengericht.
Bekanntes Gasthaus mit viel Prominenz
Der Brand war damals mitten in der Nacht ausgebrochen, gewaltige Flammen schlugen in den Gastgarten im Innenhof. Acht Bewohner wurden aus den darüberliegenden Wohnungen evakuiert. Fünf von ihnen, darunter zwei Kinder, wurden mit Verdacht auf Rauchgasvergiftung in die Klinik eingeliefert. Das Gasthaus unweit des Landhauses wurde über die Jahrzehnte auch ein beliebter Treffpunkt der Prominenz, vor allem aus dem politischen Bereich. Tirols legendärer, verstorbener Langzeitlandeshauptmann Eduard Wallnöfer (ÖVP) war etwa regelmäßig zu Gast. Auch Fußball-Trainer-Ikone Ernst Happel verkehrte dort während seiner Tiroler Zeit Ende der 1980er und Anfang der 1990er-Jahre gerne.