THEMA DER WOCHE
Unglaublich: Die Aussagen der IS-Islamisten in Österreich
Wien, Ktn. Was am meisten in beiden Fällen schockte, waren die Aussagen der jungen Männer, die sich beide via TikTok-Prediger radikalisiert haben, wobei der syrische Kurde Ahmad G. Sätze von sich gab, die direkt in Herz und Denke der religiösen Steinzeit-Eiferer führen. Der 24-Jährige saß im Landesgericht Klagenfurt hinter Panzerglas und als gefährlichster Angeklagter präsentiert gleichsam standesgemäß: „Ich habe schon alles gesagt“, erklärt er zu Beginn seiner Einvernahme eiskalt. Er bereue nichts "und würde alles noch einmal genauso machen".
Ahmad G. hätte noch mehr Menschen töten wollen – "mindestens zehn Männer zwischen 14 und 45 Jahren", erklärt der unbeirrbare IS-Sympathisant. "Ich hatte andere Szenarien, aber leider keinen Zugang zu anderen Waffen, wie einen Sprengstoffgürtel, mit dem ich noch mehr Menschen töten hätte können."
Syrer wollte durch Suicide-by-Cop als Märtyrer in den Himmel
Warum er direkt vor seiner Festnahme gelächelt und den erhobenen Zeigefinger (den Tauhid-Finger, Anm.) gezeigt hatte, begründete der syrische Kurde so: "Ich habe damit gerechnet, dass mich die Polizei erschießt und ich als Märtyrer in den Himmel komme." Vor der Tat habe er mehrmals ein rund 30-minütiges IS-Video angesehen, auf dem eine regelrechte Anleitung zu einem Anschlag mit einem Messer gegeben wurde. Er sehe sich als "Krieger des IS", der das Ziel habe, westliche Männer zu töten. Das habe auch zur Auswahl seiner Opfer beigetragen: "In den Videos wurde immer gesagt: Keine Kinder, keine Frauen, keine älteren Menschen töten, sondern jeden westlichen Mann, der eine Waffe tragen kann."
Die von den Geschworenen einstimmig bestätigte Höchststrafe "lebenslang" nahm der Angeklagte fast teilnahmslos und ohne jeden Einspruch entgegen, das heißt, er wird nicht berufen - und künftig hinter Gittern hoffentlich nicht versuchen, seinen Plan zum göttlichen Blutbad doch noch in die Tat umzusetzen. Klingt jedenfalls nicht nach schneller Resozialisierung, sondern Isolationshaft im Hochsicherheitstrakt.
15 Jahre für Beran A., 12 Jahre für Komplizen
Am späten Donnerstagnachmittag fielen dann die Urteile im Taylor-Swift-Prozess gegen Beran A., einen 21-jährigen bulligen Niederösterreicher aus Ternitz mit albanischen Wurzeln, und den gleichaltrigen Arda K., die auch gemeinsam mit einem Dritten (Hasan E., der in Saudi-Arabien in Haft sitzt) 2024 an einem Tag getrennt voneinander in Mekka, Istanbul und Dubai zeitgleich Polizisten oder Sicherheitsleute töten wollten. Beran erhielt 15, Arda 12 Jahre Haft. Nicht rechtskräftig.
Zuvor hatte sich Beran A. als "ideologisches Mastermind" zurückzunehmen versucht, wobei auch ein sachverständiger Psychiater eine "defizitäre, schulische Unterentwicklung" feststellte, da der alle Ausbildungen abgebrochen hatte. Dazu komme Cannabis-Konsum ab dem 16. und weiterer Medikamente ab dem 18. Lebensjahr. "Aber er ist jemand, der durchaus in der Lage ist, Entscheidungen zu treffen." Wie zum Beispiel die Sache mit seiner Uhr. Wie beim Prozess bekannt wurde, trug er bei seiner Verhaftung die gleiche Uhr wie Osama bin Laden. Dass die 20-Dollar-Casio-Digital in Islamisten-Kreisen überdies für Zeitbomben stehe und vom wohl bekanntesten Islamisten der Geschichte getragen wurde, habe Beran A. aber erst nach seiner Verhaftung erfahren, beteuerte er.
Doch mitten im Verfahren stellte er einen Antrag, genau die Uhr wiederzubekommen. "Sie wissen aber schon, was für ein Bild das macht?", fragte ihn die Vorsitzende. "Ich brauche sie einfach. Ich hatte keine Absicht, dass ich jetzt den Osama bin Laden nachmache oder eine Zeitbombe baue", lächelte er das entlarvende Detail einfach weg.
Was Beran A. sonst so ausgesagt hat? "Ich wollte mich so stark wie möglich bewaffnen, dass ich wie ein Held rauskomme“. „Es war so eine Idee, mit einem Lkw irgendwo reinzufahren. Mit Waffen, Bomben und Messern“, sagt er zu seinem Terror-Plan. Und weiter: "Ich wollte wissen, was man fühlt, wenn man stirbt."
Terror-Verurteilungen in Österreich seit 2020 mehr als verdreifacht
Bekannt wurde diese Woche auch, wie Terror-Verurteilungen in Österreich geradezu eskaliert sind: Gab es 2020 noch 21 Verurteilungen wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, waren es 2025 mit 71 mehr als dreimal so viele. Eine Zahl ist besonders alarmierend: Von den 71 Verurteilungen fielen 55 auf Jugendliche (14- bis 17-Jährige) und junge Erwachsene (18- bis 20-Jährige). Im Jahr 2020 waren es nur neun. Man kann nur hoffen, dass es wieder weniger werden.