Schock-Prozess
Elias verhungert - lebenslang für Mutter und Vater!
09.02.2026Zwei 27-jährige Tiroler mit vier Kindern sollen ihren einzigen Sohn (damals 3, am Sonntag wäre er 5 geworden) gequält, eingesperrt und durch Unterernährung getötet haben. Nach kurzem heftigem Prozess erhielten beide Horror-Elternteile lebenslange Haftstrafen. Die Mutter wurde überdies eingewiesen.
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Tirol. Im Fall eines im Mai 2024 aufgrund von massiver Unterernährung im Tiroler Bezirk Kufstein verstorbenen dreijährigen Elias M. begann am Montag am Landesgericht Innsbruck der Prozess gegen die wegen Mordes, Quälens und Freiheitsentziehung angeklagten Eltern. Die Staatsanwältin sprach in ihrem Plädoyer von "Höllenqualen", die der Bub vor seinem Tod erleiden musste. Die Verteidiger der beiden 27-Jährigen erklärten, dass sich die Eltern vollumfänglich schuldig bekennen. Am Ende des Tages erhielten beide (nicht rechtskräftig) lebenslang. Die Mutter wurde außerdem in ein forensisch-therapeutisches Zentrum eingewiesen.
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"Es gibt keine Erklärung für das, was ich getan habe", sagte der angeklagte Vater Kevin M. in einer knappen persönlichen Erklärung, die er in schnellen Worten vortrug. "Nichts würde nur ansatzweise erklären", was geschehen sei. Sein Verhalten sei "unentschuldbar" und er erkenne seinen "Fehler". Der 27-Jährige bereue seine Tat "wirklich jeden Tag", und es tue ihm leid, dass seine anderen drei Kinder - allesamt Mädchen - "das Sterben und Leiden" des Buben mitbekommen mussten. Sein Anwalt meinte in seinem Plädoyer lediglich, dass der Angeklagte "sehr behütet" aufgewachsen sei, jedoch "nie gelernt hat, auf eigenen Beinen zu stehen". Er habe auch "gewisse mentale Defizite" bezüglich seines Einfühlungsvermögens.
Mutter Nathalie M. (wie ihr Mann klein und ebenso wohlgenährt) dagegen wollte sich vor Gericht gar nicht äußern und verwies auf ihre bisherigen Angaben. Auch ihr Anwalt machte keine weiteren Ausführungen in dem Prozess im Großen Schwurgerichtssaal.
Ein Dämon namens "Dorothea"
"Dieses Verfahren ist nichts anderes als eine absolute Zumutung", hatte Staatsanwältin Verena Pezzei insbesondere mit Blick auf die Geschworenen ihr Eröffnungsplädoyer begonnen. Das Kind sei von "denjenigen, die ihn beschützen sollten", in "perfider und abscheulicher" Art und Weise ermordet worden. So sei es isoliert, geschlagen, in einen dunklen Raum eingesperrt, mit Kabelbindern gefesselt und nur wenig oder gar nicht mit Nahrung versorgt worden.
Die Anklägerin beschrieb eine "mystische Scheinwelt", in die sich die Eltern aufgrund einer finanziell schwierigen Situation "geflüchtet" hätten: "Sie waren finanziell nicht gut aufgestellt und haben sich ein Ventil geschaffen, indem sie ihren Sohn quälten. Dafür erfanden sie einen Dämon namens Dorothea, der in ihrem Sohn Elias wohne und umso stärker werde, wenn man ihn füttere und Kleidung anziehe. Deswegen ließ man ihn hungern und frieren Daher habe der Bub "möglichst qualvoll" sterben müssen.
Live-TV installiert, um Qualen mitzuverfolgen
Darüber hätten sich die beiden 27-Jährigen auch untereinander in Chats und Mails ausgetauscht: "Die Angeklagten haben sich unaufhörlich darin bestärkt", beschrieb sie. Die Eltern hätten den Dreijährigen "entmenschlicht" - nur von "es", dem "Mongo", "Gollum" oder "Idiot" gesprochen - und sich "ergötzt und darüber lustig gemacht", las die Staatsanwältin auch erschreckende Nachrichtenverläufe vor: "Kabelbinder ran, Mund zukleben und ab in den Kasten". Oder: "Ideen, wie wir ihn schmerzvoll sterben lassen?"
Um die Qualen immer live mitverfolgen zu können, installierte Vater Kevin im Februar 2024 Überwachungskameras in der Wohnung in Ebbs, die über eine App mit den Handys der Eltern verbunden waren.
Der Dreijährige sei schließlich nach fünf Monaten "alleine und entkleidet an den Qualen, die ihm seine Eltern fünf Monate lang zugefügt haben, gestorben". Die Eltern, die sich die Ausführungen der Staatsanwältin durchwegs mit dem Blick zum Boden anhörten, hätten sich auf den Tod des Kindes vorbereitet und sich Antworten zurechtgelegt. So habe der Vater gemeint, dass das Kind krank war und "nicht mehr essen" wollte. Die Mutter habe sich dagegen "völlig apathisch" verhalten.
Bub hatte laut Gutachterin "Greisengesicht"
"Allein vom Ansehen konnte man erkennen, dass das Kind verhungert und verdurstet ist", führte indes Gerichtsmedizinerin Elke Doberentz aus. Nur vier Kilo habe der Dreijährige gewogen und damit das Gewicht eines vier Monate alten Säuglings gehabt. Doch nicht nur das Gewicht sprach offenbar eine eindeutige Sprache: "Das Kind hatte ein Greisengesicht, der Körper war nur mehr Haut und Knochen." Hinweise auf Fremdeinwirkungen habe es indes lediglich an den Hand- und Fußgelenken gegeben, die auf "Hautreizungen" hindeuteten. Ansonsten sei das Kind nicht krank gewesen. "Von den Organen her war er ein gesunder Junge", hielt die Gutachterin fest.
Elias war am 19. Mai 2024 tot in seinem Bett liegend aufgefunden worden (die Mutter war mit den drei Töchtern derweil beim Mäci essen und feiern gewesen), woraufhin der Vater die Polizei verständigte. Nachdem die Eltern wegen eines psychischen Ausnahmezustands in einem Spital gewesen waren, wurden sie festgenommen. Die Geschwister - allesamt Mädchen - im Alter von einem, drei und sechs Jahren, wiesen indes keine Mangelerscheinungen auf. Auch war die Familie zuvor behördlich nicht auffällig gewesen. Die Familie lebte nach Angaben der Staatsanwaltschaft in finanziell angespannter Lage, se
Auch die renommierte Gerichtspsychiaterin Adelheid Kastner beschrieb, dass die Mutter aus einer "belasteten Familie" komme, attestierte den beiden Angeklagten jedoch Zurechnungsfähigkeit. Sie hätten zwischen richtigem und falschem Verhalten unterscheiden können. Zwar liege bei beiden keine psychische Erkrankung vor, bei der Mutter aber eine "ausgeprägte, schwerwiegende und nachhaltige Störung". Nachdem von ihr - im Gegensatz zum Vater - sehr wohl auch in Zukunft eine Gefahr ausgehe, würden die Voraussetzungen für eine Unterbringung in einem forensisch-therapeutischen Zentrum vorliegen.
Nathalie M. habe aus ihrer Überforderung heraus "einen Schuldigen gesucht" und dieses "bösartige Märchen konstruiert" und sich dadurch ihre Macht und Handlungsfähigkeit zurückgeholt, beschrieb Kastner. Der Vater habe diese Geschichte dagegen "nicht aus eigener Dynamik entwickelt", aber er sei in einer emotionalen Abhängigkeit zu seiner Frau "eingestiegen": "Er war nicht nur bereitwilliger Kollaborateur, sondern durchaus selbst kreativ und aktiv."