Hiobsbotschaft:

Gesamte Saab-Flotte monatelang nicht einsetzbar

29.11.2019

Gefahr eines Komplett-Ausfalls der Flugüberwachung.

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© Richard Schmitt
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Wien. Nächste Hiobsbotschaft für das Bundesheer. Wegen beschädigter Bolzen können die Saab-105-Flugzeuge nicht mehr abheben. Bis zur Behebung des Schadens, die Monate in Anspruch nimmt, werden die Eurofighter die Luftraumüberwachung übernehmen müssen. Das wird exorbitante Mehrkosten verursachen, kostet eine Eurofighter-Flugstunde doch das Zehnfache.

 

 

 

Dazu droht im Extremfall sogar ein Ausfall der Flugüberwachung. Wenn der Eurofighter-Standort Zeltweg etwa aus Witterungsgründen ausfällt, kann gar nicht mehr geflogen werden. Bisher konnte man auf die Saab ausweichen, die in Linz-Hörsching stationiert sind.

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Eurofighter müssen 25 Prozent mehr stemmen

Wie der Sprecher des Verteidigungsministeriums Michael Bauer auf APA-Anfrage betonte, werde es möglich sein, dass die Eurofighter für einige Monate die Aufgaben der Saab übernehmen. Diese seien zuletzt nur noch für 25 Prozent der Überwachungstätigkeit vorgesehen gewesen.
 
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Probleme verursache der nunmehrige Ausfall aber auf unterschiedlichen Ebenen. So hätten die Eurofighter-Piloten nun natürlich mehr Einsatzzeiten. Auf der anderen Seite müsse für die Saab-Piloten eine andere Flug-Möglichkeit zu Trainingszwecken gefunden werden, etwa auf kleineren Fliegern des Heeres oder in Kooperation mit anderen Staaten.
 
An sich sollen die in den 1970er-Jahren angeschafften Saab ohnehin nur mehr bis Ende kommenden Jahres im Einsatz sein. Trotzdem hat man sich beim Heer für eine Reparatur entschieden, da diese deutlich billiger käme, als mit den Eurofightern das ganze Jahr 2020 allein zu überwachen. Zum Vergleich: eine Saab-Stunde kostet 3.000 Euro, eine der Eurofighter mehr als das Zehnfache. Wer den Saab nachfolgt, ist übrigens noch immer ungeklärt.
 
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Herausgekommen ist das Problem mit den Bolzen bei einer Prüfung der schwedischen Luftwaffe an den gleichen Fliegern. Bei einer Nachkontrolle in Österreich sind dann die selben Risse entdeckt worden.

Luftraumüberwachung mit Eurofightern um Vielfaches teurer

Die Überwachung des österreichischen Luftraums wird vom Bundesheer derzeit vor allem mit zwei Flugzeugtypen betrieben: Im Einsatz sind Abfangjäger vom Typ Eurofighter und die Saab 105. Letztere müssen aus Altersgründen 2020 ausrangiert werden. Über ihre Nachfolge hätte schon längst entschieden werden müssen, die ehemalige türkis-blaue Regierung hat diese Entscheidung aber verschleppt.
 
Die Saab 105-Flieger werden bereits seit 1970 eingesetzt. Es gibt nur noch ein Dutzend in Verwendung befindliche Düsenflieger, die zu Trainingszwecken und als Unterstützung für den Eurofighter bei der Luftraumüberwachung verwendet werden. Zuletzt wurden 25 Prozent der Luftraumüberwachung mit Saab 105-Fliegern bestritten. Mit gut 30.000 Euro pro Flugstunde ist der Betrieb der Eurofighter um ein Vielfaches teurer als jener der Saab, die auf rund 3.000 Euro pro Flugstunde kommen.
 
Seit 2007 verfügt das Bundesheer über Eurofighter zur aktiven Luftraumüberwachung, und zwar insgesamt über 15 Stück, die in Zeltweg stationiert sind. Während die passive Luftraumüberwachung etwa mittels Radar rund um die Uhr passiert, werden für die aktive Luftraumsicherung je nach Bedrohungslage jeden Tag bestimmte Zeiträume vorgegeben, in denen Jets startklar sein müssen. Diese Einsatzbereitschaft teilen sich die alten Saab 105 und eben die Eurofighter.
 
Die Saab 105-Flieger sind in Österreich seit 1970 im Einsatz. Die Beschaffung war von heftigen Diskussion begleitet. Ursprünglich waren 20 geplant, gekauft wurden schließlich 40. Nominell sind noch 28 im Einsatz, aber nur mehr rund ein Dutzend ist tatsächlich noch in Betrieb, der Rest wird als Ersatzteillager verwendet.
 
Die Saab 105 ist ein zweistrahliges Düsenflugzeug in Leichtmetallbauweise, das als Schul- und Identifizierungsflugzeug eingesetzt wird. Weitere Einsatzmöglichkeiten sind Übungsflüge für die Piloten des Überwachungsgeschwaders oder Flüge für Luftprobenahmen.
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