Viele Neuinfektionen

Grippewelle in Österreich auf Rekordkurs

27.01.2009

In Wien gab es in der vergangenen Woche über 23.000 Neuerkrankungen, die Arzt-Praxen in ganz Österreich werden gestürmt.

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Die diesjährige Influenza-Welle steigt weiter an. Vergangene Woche gab es in Wien beispielsweise schon hochgerechnete 23.100 Neuerkrankungen an "echter" Grippe und an grippalen Infekten. Dies erklärte die Expertin Monika Redlberger vom Institut für Virologie der MedUni Wien.

"In der vorangegangenen Woche waren es in Wien 19.600 Neuerkrankungen gewesen. Die Influenza-Welle wird noch drei bis vier Wochen dauern. Insgesamt dauern sie zumeist acht bis zwölf Wochen", sagte die Virologin. An sich sei mit dem 7. Jänner die winterliche Grippezeit richtig ausgebrochen. Ein offenbares Spezifikum: Die Influenza dürfte sich in dieser Saison oft auch mit Kehlkopfentzündungen und Bronchitis bemerkbar machen, seltener mit den sonst typischen Gliederschmerzen etc. Bronchitiden werden sonst oft durch Bakterien hervorgerufen.

Grippe-Rekorde in allen Bundesländern
Auch in Tirol geht die Grippewelle um, in nur einer Woche schnellte die Zahl der Krankenmeldungen um mehr als 1.000 Fälle nach oben. In Oberösterreich schätzt man die Zahl der Grippekranken auf rund 16.000 Personen, während Schulen und Kindergärten immer mehr verwaisen, sind die Wartezimmer der Ärzte überfüllt.

Auch in Kärnten steigt die Zahl der Grippe-Kranken, hier kam es innerhalb einer Woche zu einer Verdoppelung der Grippe-Kranken. Eine hohe Zahl an Neuinfektionen gibt es auch in Niederösterreich, allein in der letzten Woche wurden dort 3.000 Neuerkrankungen gemeldet. Josef Künstner, Leiter des Grazer Gesundheitsamtes, berichtet von 3.380 gemeldeten Grippe-Fällen in Graz, 1.627 davon sind Kinder bis 14 Jahre. „Bei 4.000 Erkrankungen kann man von massiven Auswirkungen auf die Bevölkerung sprechen“, so Künstner. Der Höhepunkt der Grippewelle wird für die nächsten zwei Wochen erwartet. Bei der steirischen Gebietskrankenkasse waren in der Vorwoche 5.225 Menschen krankgemeldet.

Die Dunkelziffer der Grippe-Erkrankungen wird aber höher geschätzt, in Zeiten der Wirtschaftskrise lassen sich die Patienten nicht mehr so leicht krank schreiben.

Volle Praxen - Leere Klassen
Die Ärzte haben alle Hände voll zu tun, doch Lehrer müssen vor halb leeren Klassen unterrichten (siehe Foto): „In der 2 A sind derzeit von 25 Schülern zwölf krank“, berichtet Franz Aschauer vom Akademischen Gymnasium in Linz. „Ich habe heute wieder drei Schüler nach Hause geschickt. So geht das jeden Tag“, so eine Sekretärin. Dasselbe Grippe-Bild zeigt sich auch in den anderen Schulen: „Pro Klasse fehlen sechs bis sieben Kinder“, so Markus Baumgartner vom Linzer Schulzentrum der Kreuzschwestern. Doch auch das Schulpersonal und die Pädagogen bleiben vor der Influenza H3N2 (die ihren Weg von Australien nach Österreich fand) nicht verschont: Sieben Lehrer des Akademischen Gymnasiums sind momentan krankgemeldet.

Impfung ist noch sinnvoll
Für all jene, die es nicht riskieren wollen: Laut Experten des Instituts für Virologie der Medizinischen Universität Wien sei eine Impfung noch sinnvoll, da die Influenza-Welle erst im Anrollen ist. Der Höhepunkt wird drei bis fünf Wochen nach Beginn erwartet.

Mindestens 1.000 Tote pro Influenza-Saison
Influenza ("echte Grippe") ist eine akute Infektionserkrankung der Atemwege mit potenziell schwerem Verlauf und vor allem bei gefährdeten Personen (Kinder, Ältere, chronisch Kranke) erhöhtem Risiko für ernste Komplikationen. Saisonale Influenza-Epidemien treten nahezu jährlich während der Wintermonate auf und betreffen etwa fünf bis zehn Prozent der Erwachsenen und bis zu 15 Prozent der Kinder. Die Autoren des Österreichischen Impfplans (2008) schätzen die jährliche influenzabedingte Übersterblichkeit österreichweit auf mehr als 1.000 Personen", heißt es in dem Papier, an dem unter anderen der Wiener Sozialmediziner Michael Kunze, die Wiener Virologin Theresia Popow-Kraup und der Infektionsexperte Christoph Wenisch (Kaiser-Franz-Josef Spital) sowie der Generaldirektor für Öffentliche Gesundheit im Gesundheitsministerium, Hubert Hrabcik, mitgearbeitet haben.

Foto: (c) mediabox.at/Schwarzl

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