Trockenheit
Pools belasten Wasserversorgung in niederösterreichischen Gemeinden
29.05.2026Trockenheit, sinkende Grundwasserpegel und wachsender Wasserverbrauch stellen immer mehr Gemeinden in Niederösterreich vor ernsthafte Herausforderungen.
Die Gemeinde St. Veit an der Gölsen im Bezirk Lilienfeld reagiert nun mit einem neuen Konzept zur koordinierten Befüllung privater Schwimmbäder.
Verbrauch verdoppelt sich in Spitzenzeiten
Die rund 3.900 Einwohnerinnen und Einwohner von St. Veit an der Gölsen werden großteils aus der Brunnenanlage Wiesenbach mit Trinkwasser versorgt. Wassermeister Karl Kendler zufolge ist grundsätzlich genug Wasser vorhanden - das eigentliche Problem zeigt sich jedoch in Belastungsspitzen: In solchen Phasen stoßen die Leitungen an ihre Kapazitätsgrenzen. Bürgermeister Christian Fischer (SPÖ) nennt konkrete Zahlen: Während der tägliche Normalverbrauch bei rund 470.000 Litern liegt, wurden zuletzt mehr als 900.000 Liter pro Tag verbraucht. Als wesentliche Ursache gelten gleichzeitige Poolbefüllungen im Frühjahr und Frühsommer, bei denen je nach Becken zwischen 15.000 und 50.000 Liter Trinkwasser benötigt werden. Pumpen und Druckanlagen laufen dabei am Limit, in höher gelegenen Ortsteilen kann die Versorgung beeinträchtigt werden - und auch die Löschwasserversorgung über Hydranten muss jederzeit gewährleistet bleiben.
Gestaffelte Befüllung nach Zonen
Als Gegenmaßnahme plant die Gemeinde, Poolbefüllungen künftig zeitlich und räumlich zu staffeln: Verschiedene Ortsteile und Katastralgemeinden sollen ihre Pools zu unterschiedlichen Zeiten befüllen. Bürgermeister Fischer appelliert an die Solidarität der Bevölkerung und betont, dass die Gemeinde auf deren Mitwirkung angewiesen sei. Gleichzeitig werden Poolbesitzerinnen und -besitzer gebeten, ihre Becken freiwillig zu melden - da viele davon nicht genehmigungspflichtig sind, fehlen der Gemeinde bislang belastbare Daten. Martin Angelmaier, Leiter der Abteilung Wasserwirtschaft des Landes, bestätigt die Sinnhaftigkeit des Ansatzes: Werden zu viele Pools gleichzeitig befüllt, übersteige das schlicht die technischen Möglichkeiten der Versorgungsanlagen.
Auch Landwirtschaft unter Druck
Die Wasserknappheit trifft nicht nur Privathaushalte. Landwirt Gerhard Zöchling aus Schwarzenbach bei St. Veit an der Gölsen benötigt täglich rund 14.000 Liter Wasser für seinen Milchviehbetrieb - zum Tränken der Tiere sowie für die Reinigung von Melkzeug und Milchtank. Die Lage habe sich in den vergangenen Jahren deutlich verschlechtert: Während früher nur gelegentlich Wasserlieferungen nötig waren, musste der Betrieb zuletzt von Ende Dezember bis Mitte Februar täglich mehr als 4.000 Liter zukaufen. Der eigene, 38 Meter tiefe Bohrbrunnen - dessen Errichtung vor fünf Jahren mehr als 50.000 Euro kostete - reiche nicht mehr immer aus. Die Gemeinde plant daher eine zentrale Wasserentnahmestelle beim neuen Wertstoffsammelzentrum, die Landwirten eine verlässliche Versorgung ermöglichen und das öffentliche Leitungsnetz entlasten soll.
Kein flächendeckendes Problem - aber wachsende Aufmerksamkeit
Von einer landesweiten Versorgungskrise könne derzeit keine Rede sein, betont Angelmaier. Große Wasserversorger wie die EVN sehen ihre Kundinnen und Kunden auch bei längeren Trockenphasen gut versorgt - weisen jedoch darauf hin, dass kurzfristige Verbrauchsspitzen technische Anlagen belasten können. Die Grundwassersituation in Niederösterreich ist regional sehr unterschiedlich: Von rund 120 Messstellen befinden sich 56 Prozent im niedrigen und acht Prozent im sehr niedrigen Bereich. Der niederösterreichische Gemeindebund registriert nach eigenen Angaben eine Zunahme von Sparappellen und Empfehlungen zur zeitversetzten Poolbefüllung. Er fordert mehr Bewusstseinsbildung sowie klare rechtliche Instrumente, damit Gemeinden bei Engpässen rasch eingreifen können. Das Land empfiehlt Gemeinden außerdem, ihre Versorgungssicherheit langfristig zu überprüfen - etwa durch den sogenannten Trinkwasserplan, den bereits 23 Gemeinden umgesetzt haben. Mögliche Maßnahmen umfassen Verbindungsleitungen zu Nachbargemeinden oder den Anschluss an überregionale Versorgungsnetze. Insgesamt, so Angelmaier, werde Niederösterreich auch künftig über ausreichende Wasserressourcen verfügen - deren ungleiche regionale Verteilung mache jedoch eine vorausschauende Planung unerlässlich.