Sicherheitsfirma gehackt & erpresst
Schließfächer geleert: Millionen-Coups werden zum Cyber-Krimi
Am Anfang stand eine unglaubliche Dummheit, am Ende ein unglaublich hoher Schaden: Wie Insider berichten, soll es schon im März Hackern gelungen sein, das schwedische Unternehmen Gunnebo zu infiltrieren. Der Konzern mit 4.000 Mitarbeitern betreibt in 25 Ländern die Sicherheit für Banken, Casinos, Regierungsbehörden, Nuklearanlagen, Juweliergeschäfte und Steuerbehörden und soll als Passwort für sein Computersystem – leicht zu erraten – „Password01“ gehabt haben.
Die Folge: Der internationalen Firma wurden laut Nachrichtendiensten 38.000 Dateien gestohlen. Darunter offenbar auch Magnetkarteninformationen und sogar PIN-Codes für automatische Schließfächer in österreichischen Banken, deren Kunden zunächst noch nicht in Gefahr waren.
Lösegeldforderung für die gehackten Daten
Nach dem Cyberangriff kontaktierten die Hacker zunächst Gunnebo, wie jetzt CEO Stefan Syrén in Interviews bestätigt, und versuchten, ein Vermögen herauszuholen.
Syrén deutet auf der Website den Versuch der Millionenerpressung an: „Es war für uns nie eine Alternative, Lösegeld zu zahlen.“ Auf die Drohung, dass die Daten ins Darkweb hochgeladen würden, sollen die Schweden mit der Einstellung eines externen IT-Teams gekontert haben, um die Netzwerksicherheit wiederherzustellen. Zudem sollten, so Syrén, „die Betroffenen vor Ort systematisch informiert“ werden, damit die Banken z. B. mit Fingerprints aufrüsten oder die Safekunden ihre Zugangsdaten ändern.
Beute von über 25 Millionen aus 68 Schließfächern
Danach dürfte es zu einem Wettrennen zwischen dem „Reparaturteam“ und den Kriminellen gekommen sein, die sich die Daten im Darknet einen Betrag X (an die Hacker) kosten ließen, um damit bei den Coups – und das vermutlich nicht nur in Österreich – reiche Beute zu machen.
Den Sieg im Fernduell errang offenbar das Verbrechen: Am Freitag, dem 13., schritten die Fußtruppen der organisierten Kriminalität in Wien und Niederösterreich zur Tat:
- In Klosterneuburg leerten zwei Männer 31 Schließfächer einer Bank-Austria-Filiale,
- in einer Raika in Mödling gelang es einem Täter und einer Komplizin in altrosa Winterjacke, 29 Safes zu plündern,
- in einer Raiffeisen-Bank in der Muthgasse in Wien-Döbling konnte ein einzelner Mann aus acht Depots Juwelen, Gold, Schmuck und Bargeld erbeuten und in seinem Rucksack verstauen.
Da die Ermittlungen noch längst nicht abgeschlossen sind und bei Safekunden höchste Diskretion gepflegt wird, ist die genaue Schadenshöhe unklar. Doch allein bei den drei Coups in Österreich könnten es mehr als 25 Millionen gewesen sein.
Roland Kopt