Aufgedeckt

Taskforce gegen Missbrauch von Sozialleistungen

© APA/Jens Büttner
Mit 550 Fällen und einem Schaden von 3,5 Millionen Euro allein im heurigen Jahr in Niederösterreich zeigt sich die Bedeutung der Ermittlungen für die Integrität des Sozialsystems. Ein Fall regt besonders auf: ein 59-jährigen Bosniers, der sich in Neunkirchen 400.000 Euro erschlichen haben soll.
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Die Zahl der Betrugsfälle bei Sozialleistungen steigt an. Die vom Land eingesetzte Taskforce leistet daher einen erheblichen Beitrag zur Aufdeckung von Sozialleistungsbetrug, betonte Landespolizeidirektor Franz Popp gestern im Rahmen eines Pressetermins in St. Pölten. Nicht zuletzt unterstreiche die kontinuierliche Steigerung der Fallzahlen seit 2019 die Notwendigkeit verstärkter Kontrollen und Präventionsmaßnahmen. Seit 2019 wurden in Niederösterreich mehr als 3.000 Verfahren wegen Sozialleistungsbetrugs verzeichnet. Der Schaden beläuft sich auf 25 Millionen Euro.

Der Taskforce gehörten etwa 20 Institutionen an, erläuterte Marcel Höhenberger vom Landeskriminalamt (LKA). Polizei und Justiz zählten ebenso dazu wie Landes-, Fremden- und Finanzbehörden sowie auszahlende Leistungsstellen (Sozialversicherungsträger, AMS). Organisationsübergreifende Zusammenarbeit sei „das Um und Auf“ bei der Bekämpfung von Sozialleistungsbetrug.

Besonders krasser Fall von Sozialbetrug

Beim Pressetermin wurde der Fall eines 59-jährigen Bosniers ins Treffen geführt. Der Mann mit Wohnsitz im Bezirk Neunkirchen soll von Dezember 2022 bis März 2025 etwa 19.500 Euro an Pflegegeld, das bereits bescheidmäßig zurückgefordert wurde, und eine Invaliditätspension von 22.000 Euro, die per Ende Mai mit Bescheid entzogen wurde, zu Unrecht erhalten haben. Der weitere Schaden, der zum Nachteil der Pensionsversicherungsanstalt (PVA) entstanden sein soll, wurde hinsichtlich Pflegegeld mit rund 261.000 Euro und bezüglich Invaliditätspension mit 108.000 Euro beziffert. Der 59-Jährige ist in der Justizanstalt Wiener Neustadt in Haft.

Alles wohl falsch!

Dem Bosnier wird zur Last gelegt, seinen Gesundheitszustand falsch dargestellt und seinen Aufenthalt, den Lebensmittelpunkt in Österreich, vorgetäuscht zu haben. Er soll eine Mobilitätseinschränkung vorgegeben und mit einem Rollator zu Untersuchungen bzw. Begutachtungen bei der PVA erschienen sein, so die Polizei. Weiters soll er eine Stuhl- und Harninkontinenz sowie kognitive Störung vorgemacht haben, um Pflegegeld bzw. eine höhere Pflegestufe und eine Invaliditätspension zu erhalten.

Vorgetäuschter Lebensmittelpunkt Niederösterreich

Vorgeworfen wird dem Beschuldigten auch, sich 2024 für mindestens 260 Tage und 2023 für mindestens 180 Tage im Ausland aufgehalten zu haben. Er habe demnach seinen Lebensmittelpunkt an seiner Adresse im Bezirk Neunkirchen nur vorgetäuscht, um Leistungen der PVA zu kassieren. Auslandserhebungen durch das Landeskriminalamt Niederösterreich ergaben den Ermittlern zufolge, dass der 59-Jährige mit seiner Ehefrau seinen Wohnsitz in Bosnien-Herzegowina hat und sich dort regelmäßig aufhält. Aufzeichnungen von Grenzübertritten würden den Verdacht erhärten, dass er lediglich vortäuscht, in Österreich seinen Lebensmittelpunkt zu bestreiten.

Ohne Gehhilfe beobachtet

Am 4. April 2025 wurde der Beschuldigte von Exekutivbeamten beobachtet, als er sich ohne Gehhilfe und offensichtlich ohne motorische Beeinträchtigung zu seinem Auto begab und am Steuer Platz nahm. Er lenkte das Fahrzeug laut den Ermittlungen nach St. Pölten in der Nähe der PVA, um sich dort einer Untersuchung zu unterziehen. Angemerkt wurde am Dienstag auch, dass der Mann als Inhaber eines unbefristeten Behindertenpasses von der motorbezogenen Steuer befreit war. Für Ermittlungen in Fällen des Sozialleistungsbetruges im Bundesland ist das Landeskriminalamt Niederösterreich verantwortlich. Außerdem zeichnet die Fremden- und Grenzpolizeiliche Abteilung (FGA) für die fremdenrechtliche Komponente zuständig.