Wien/Brüssel. Seit der Ukrainekrieg tobt, sind die Agrarpreise förmlich explodiert: Weizen wurde um bis zu 70 Prozent teurer, ebenso Gerste, Mais, Sonnenblumenöl. Für den Endpreis der Nahrungsmittel ist aber nicht nur der Getreide-Engpass verantwortlich: „Es sind auch die Energiekosten, die die Preise nach oben schnellen lassen“, sagt Josef Schrott, Innungsmeister der Bäcker, zu ÖSTERREICH. Er rechnet je nach Produkt mit einer Preissteigerung von bis zu 20 Prozent für Brot und Gebäck.
Kriegsschock. Zwar ging der Preis für Weizen wieder leicht zurück. Er liegt aber immer noch 50 Prozent über dem zu Jahresbeginn. Der Preisschock ist aber erst der Auftakt. Es wird noch schlimmer kommen. Schließlich ist die Ukraine einer der größten Getreideexporteure, das Land gilt als „Kornkammer Europas“.
Die Kosten für Lebensmittel werden durch die Kämpfe in der Ukraine in den kommenden Monaten weiter explodieren:
- 19 Prozent der Weizenimporte der EU kommen aus der Ukraine. Kann jetzt nicht angebaut werden, fällt die Ernte aus. Die Frachthäfen sind zu.
- Die Ukraine ist weltweit größter Exporteur von Sonnenblumenöl. 35 bis 45 Prozent des weiterverarbeiteten Öls in der EU kommen aus der Ukraine.
- Bei der Kartoffelproduktion liegt man an vierter Stelle weltweit, bei Gerste und Mais an dritter. Doch nicht nur der Weizenpreis explodiert. Auch der Getreideanbau wird teurer: Die Ukraine ist größter Erzeuger von Phosphordünger.
"Bis zu 20 Prozent teurer werden Brot und Gebäck"
Josef Schrott, Innungsmeister der Bäcker, über die Preisexplosion.
ÖSTERREICH: Um wie viel werden Semmeln und Brot künftig teurer werden?
Josef Schrott: Das Mehl wird teurer und damit auch das Brot, die Semmel, das gesamte Gebäcksortiment. Je nach Produkt rechne ich mit einer Preissteigerung zwischen zehn und zwanzig Prozent, es geht leider nicht anders.
ÖSTERREICH: Wovon hängt die Preissteigerung ab?
Schrott: Nicht nur die Grundstoffe werden empfindlich teurer, auch die Energiepreise gingen in der Vergangenheit nach oben. Ich muss das Brot auch backen und ausliefern. In dieser Kostenschere befinden wird uns derzeit.