Verdächtiges E-Mail

Rattengift in Babykost: Hatte Hipp-Erpresser Komplizen?

06.05.2026

Mehrere Untersuchungen laufen gegen einen 39-jährigen Ex-Manager von Hipp, der als mutmaßlicher Rattengift-Erpresser festgenommen wurde und in Eisenstadt in U-Haft sitzt. Der Mann streitet alles ab. Unterdessen wurde bekannt, dass nicht ausgeschlossen werden kann, ob es Komplizen gibt.
 

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Sbg, Bgld. Im Burgenland laufen die Ermittlungen zu den mit Rattengift versetzten Hipp-Gläsern nach der Festnahme des gebürtigen Slowaken Tomas S. weiter auf Hochtouren. Offen ist unter anderem, welche Auswirkungen ein Verzehr des in Schützen am Gebirge (Bezirk Eisenstadt-Umgebung) sichergestellten Glases mit 15 Mikrogramm Rattengift gehabt hätte. Ein entsprechendes Gutachten war am Mittwoch laut Staatsanwaltschaft Eisenstadt weiter ausständig.

Das Ergebnis dürfte ausschlaggebend dafür sein, was dem Verdächtigen letztlich vorgeworfen wird. Derzeit ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen vorsätzlicher Gemeingefährdung und versuchter absichtlich schwerer Körperverletzung. Sollte sich jedoch herausstellen, dass die Dosis für Kleinkinder potenziell tödlich war, käme auch versuchter Mord in Betracht. Seit Dienstag sitzt der dreifache Vater, der von der Kindsmutter getrennt lebt, in Untersuchungshaft. Währenddessen werden auch DNA-Abgleiche durchgeführt, ob S. das Erpresser-E-Mail tatsächlich versendet oder die Gläser vergiftet hat.

Plural als Ablenkung oder Hinweis

Auffallend ist, dass das Mail mit Eingangsdatum 27. März (übrigens der letzte Arbeitstag des von Hipp gekündigten Ex-Managers), in dem zwei Millionen Euro in Kryptowährung gefordert werden, in "Wir" abgefasst" ist. Möglich, dass es sich dabei um einen bewussten Trick des Verfassers handelt, andererseits kann es noch Mitwisser und Mittäter geben - entsprechende Erhebungen laufen.

Um welche Art von Rattengift es sich handelt, wurde bisher aus ermittlungstaktischen Gründen nicht bekanntgegeben. Jüngsten Infos zufolge dürfte die Babykost mit dem blutgerinnungshemmenden Wirkstoff Bromadiolon versetzt worden sein. Außerdem wurde in dem sichergestellten Glas ein Bitterstoff gefunden, der möglicherweise dafür sorgen sollte, dass Babys den Brei wieder ausspucken.

Beim Einkauf an Supermarkt-Kassa festgenommen

Der Verdächtige war am vergangenen Samstag in Salzburg beim Einkaufen in einem Supermarkt festgenommen worden. Bei den ersten Befragungen bestritt er die Vorwürfe, und sein Anwalt Manfred Arbacher-Stöger hielt fest, dass sein Mandant mit der Sache "nichts zu tun" habe. Der 39-Jährige ist ein ehemaliger Mitarbeiter von Hipp, dessen Dienstverhältnis einvernehmlich aufgelöst worden sein soll. Zuvor soll das Unternehmen ihm aber Verfehlungen vorgeworfen haben.

Das zweite Glas, das in derselben Spar-Filiale in Eisenstadt verkauft worden sein soll wie das sichergestellte, wird unterdessen weiter gesucht. Die deutschen Behörden ermitteln in dem Fall wegen des Verdachts der versuchten Erpressung des Babykostherstellers. In Österreich, Tschechien und der Slowakei wurden bisher fünf manipulierte Babynahrungsgläser vor dem Verzehr sichergestellt. Der Rückruf der Hipp-Produkte bei Spar war in der Nacht auf 18. April öffentlich geworden. Hinweise hatte es konkret zum Artikel Hipp "Gemüsegläschen Karotte mit Kartoffel" 190 Gramm gegeben. 

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