Prozess-Auftakt
Swift-Attentäter Beran A. heute vor Gericht: "Ich bekennte mich teilweise schuldig"
28.04.2026Heute, Dienstag, beginnt am Landesgericht Wiener Neustadt der Prozess um einen mutmaßlich verhinderten Terror-Anschlag auf ein Taylor Swift-Konzert im Wiener Ernst-Happel-Stadion.
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Mit Hochspannung wurde auf den Prozess-Auftakt gegen den 21-jährigen Beran A. gewartet, welcher sich teilweise schuldig bekennen will. 11 Anklagepunkte stehen im Raum. Dem Hauptangeklagten wird vorgeworfen, mit seinem Mitangeklagten Arda K. und den in Saudi Arabien inhaftierten Hasan E. mehrere Anschläge geplant zu haben und eine aktive IS-Zelle zu führen. Bis zu 20 Jahre Haft drohen Beran A.
Beran A. kam in einem kräftig blauen Hemd und Handfesseln, umringt von Polizisten in den Gerichtssaal. Arda K. kam im hellblauen Hemd. Schon anfänglich gab es Probleme, der Prozess musste für eine halbe Stunde unterbrochen werden, weil der Bildschirm im Saal sich nicht anschalten ließ. Die beiden Angeklagten wurden für 30 Minuten wieder aus dem Saal geführt.
Nach Pause werden Angeklagten wieder in den Saal geführt
Nach der kurzen Pause wurde die Verhandlung weitergeführt und der Staatsanwalt kam zu Wort. In einer Liste - erstellt von Beran A.-, die vor Gericht eingeblendet wurde, waren sieben Orte notiert. Ein Eintrag lautet "Konzert Taylor Freitag". Vorwurf der Anklage gegenüber Beran A.: Die Planung und Vorbereitung eines Terroranschlags im Namen des IS gegen das Wiener Tylor-Swift-Konzert sowie die Herstellung von Sprengstoff, Beschaffung von Bombenbau-Videos und der Versuch des Waffenkaufs.
Bei einer Hausdurchsuchung des Grundstücks in Ternitz wurde schließlich der Sprengstoff TATP entdeckt. In seinen Mitteilungen habe Beran A. von einer chirurgischen Operation oder Märtyreroperation gesprochen, die er durchführen wolle.
Laut dem Staatsanwalt sei die Beweislast erdrückend. Unzählige Videos würden die Vorwürfe beweisen.
Die Strafverteidigerin Anna Mair, die Beran A. vertritt, erklärte vor Gericht, dass der Junge mit nordmazedonischen Wurzeln in seiner HAK in Wien gemobbt worden sei. In dieser schwierigen Zeit lernte er Hasan E. kennen, der ihn stärkte. Laut der Anwältin soll die Radikalisierung aber erst später, als er nach Ternitz gezogen war, stattgefunden haben. Die Beziehung der beiden sei toxisch gewesen.
Auch der Zweitangeklagte sei an der gleichen Schule gewesen, hätte aber Beran vorerst nur flüchtig gekannt. Erst durch Hasan E. hätten die beiden zusammengefunden.
Beran A. sei gegen das Töten von Ungläubigen oder anderen Menschen gewesen.
Beran A. kommt zu Wort
Nach der Staatsanwaltschaft und den Verteidigern, kam schließlich Beran A. selbst zu Wort. Sein mutmaßlicher Komplize Arda K. wird während der Befragung aus dem Gerichtssaal geführt. "Ich bekenne mich teilweise schuldig", so der 21-Jährige. Es sei nach Dubai gereist, um dort einen Anschlag zu verüben. Aber auch die Anschlagspläne zum Taylor-Swift-Konzert gibt er vor Gericht zu.
Er sei in Wien geboren, hätte lange im 10. Bezirk gewohnt. Im Jahre 2020 sei die Familie schließlich nach Ternitz wegen der Arbeit seines Vaters gezogen. Arda habe er in de Mittelschule kennengelernt, aber nicht gut. Hasan E. in der HAK in Favoriten, die er aber nur ein Jahr besucht hatte. Danach habe er in die HASCH in Neunkirchen gewechselt. Weil Beran A. faul gewesen sein soll, musste er dort wiederholen.
Nach seinem Abschluss hätte er in der Firma seines Vaters als Bürokaufmann-Lehrling begonnen. Diese hätte er aber wieder abgebrochen. Besonders schockierend: Beran A. zeigte vor Gericht eine gewisse Bewunderung für den Wien-Attentäter, weil dieser mit seinen Taten weltweit für Aufmerksamkeit gesorgt hatte. Dieser hatte am 2. November 2020 rund um den Schwedenplatz (Bermuda-Dreieck) vier Menschen erschossen und unzählige weitere Passanten schwer verletzt.
Laut Anklage war Beran A. (21) spätestens am 21. Juli 2024 fest entschlossen, im Namen der Terror-Miliz "Islamischer Staat" (IS) am 9. August 2024 ein Attentat im voll besetzten Stadion zu verüben. Er wurde dank einer Warnung aus dem Ausland zwei Tage vor dem Termin festgenommen.
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Mitangeklagt ist mit Arda K. (21) ein zweiter mutmaßlicher IS-Terrorist. Der Staatsanwalt will beweisen, dass die beiden mit dem in Saudi-Arabien inhaftierten Hasan E. eine hochgefährliche IS-Terror-Zelle gebildet und bereits Ende 2023 die Ausführung von drei Anschlägen im Namen des IS geplant hatten. Ihr gemeinsamer Tatplan sah laut Anklage vor, am 11. März 2024 getrennt voneinander in Mekka, Istanbul und Dubai zeitgleich Polizisten oder Sicherheitsleute zu töten. Während Beran A. und Arda K. jeweils unverrichteter Dinge aus Dubai und Istanbul zurückkehrten, stach Hasan E. vor der Al-Haram-Moschee in Mekka einem Sicherheitsbeamten ein Messer in den Hals und verletzte vier weitere Personen, ehe er überwältigt werden konnte. Der 21-Jährige wartet seither in einem Gefängnis in Saudi-Arabien auf den Ausgang seines von den saudischen Behörden geführten Strafverfahrens. Beran A. und Arda K. wird in Wiener Neustadt vorgeworfen, Hasan E. in seinen terroristischen Absichten bestärkt zu haben, indem sie mit ihm bis knapp vor der Bluttat in Mekka telefonischen Kontakt hielten und die Einzelheiten ihrer jeweiligen Vorhaben besprachen.
Der auf insgesamt vier Verhandlungstage anberaumte Prozess in Wiener Neustadt findet unter strengen Sicherheitsvorkehrungen statt. Angekreidet wird den beiden mutmaßlichen IS-Anhängern fast die gesamte im Strafgesetzbuch (StGB) enthaltene Palette an terroristischen Straftaten, darunter versuchter Mord bzw. Beitrag zum versuchten Mord im terroristischen Kontext (§ 278 c Absatz 2 StGB) sowie Reisen für terroristische Zwecke (§ 278 g StGB). Im Fall von anklagekonformen Schuldsprüchen drohen den Angeklagten nach dem Jugendgerichtsgesetz (JGG) bis zu 20 Jahre Haft.