Fall der Woche

Von Vater in Ägypten festgehalten: Mutter verbringt Weihnachten ohne Kinder

20.12.2025

Liza Ulitzka muss dieses Jahr das erste Mal ohne ihre beiden Kinder Lily und Noah Weihnachten verbringen. 

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© privat/Ein gemeinsames Familienfoto aus besseren Tagen.
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"Für mich findet Weihnachten dieses Jahr nicht statt", beginnt die zweifache Mutter das bewegende Gespräch mit oe24. "Ohne meine Kinder möchte ich nicht feiern." Zusammensein, Lachen, glückliche Momente: Das alles wird in diesem Jahr fehlen.

© privat/Lily und Noah vor ein paar Jahren zu Weihnachten.

Denn es ist das erste Weihnachten für Liza Ulitzka ohne die beiden wichtigsten Menschen in ihrem Leben. Seit den Schul-Sommerferien hat die 44-Jährige ihre Kinder Lily (8) und Noah (6) nicht mehr sehen dürfen. Ihr Ex-Mann, mit dem sie elf Jahre verheiratet gewesen war, brachte die beiden nach einem dreiwöchigen Ägypten-Aufenthalt einfach nicht mehr nach Österreich zurück. 

Sechs Monate kämpft die verzweifelte Mutter aus Wien bereits darum, ihre Kinder, deren genauer Aufenthaltsort noch unklar ist, endlich wieder in die Arme schließen zu dürfen. Doch ihr Ex-Mann soll derzeit alles versuchen, Noah und Lily von ihr fernzuhalten. 

© privat/Ein gemeinsames Familienfoto aus besseren Tagen.

Die österreichischen Behörden konnten bisher nicht einschreiten, denn zum Zeitpunkt der Ausreise der beiden Kinder bestand noch das gemeinsame Sorgerecht. Mittlerweile ist die Scheidung trotz der Abwesenheit des Vaters schon vollzogen, das Sorgerecht wurde der Mutter übertragen.  

Mehrmals war die 44-jährige bereits nach Kairo gereist, stand dort bei der Familie des Ägypters allerdings vor verschlossenen Türen. Erst als sie mit der Polizei auftauchte, öffneten die Verwandten, hielten allerdings dicht. Wo die beiden Kinder genau sind, ist noch immer unbekannt. Der wahrgewordene Albtraum jeder Mutter!

"Es ist die Hölle", schildert die freie Journalistin. "So, als würde jemand einem bei lebendigem Leib das Herz herausreißen." Mit so einem Ausgang einer langjährigen Partnerschaft hätte sie niemals gerechnet.

Ihren damals weltoffenen Ex-Mann hatte sie 2011 beim arabischen Frühling in Kairo kennengelernt. Sie verliebten sich, heirateten 2014 und zogen ein Jahr später in Wien zusammen. Es folgten die beiden gemeinsamen Kinder Noah und Lily.  Alles schien perfekt zu sein. Der in seiner Heimat approbierte Zahnarzt, schaffte es hierzulande als Mediziner anerkannt zu werden und eröffnete sogar eine eigene Praxis in Wien. Das Schicksal schien dem Paar gut gewogen zu sein.

Familienvater radikalisierte sich

Doch plötzlich veränderte sich der zweifache Familienvater, hörte sich ständig über diverse Kanäle "Prediger" an, wurde Mitglied in einer Wiener Moschee und besuchte regelmäßig eine weitere Moschee, deren Mitglieder als radikal beschrieben werden. "Er schleppte auch immer öfter die Kinder mit. Eigentlich hatte ich anfänglich nichts dagegen, da ich selbst zum Islam konvertiert bin", erzählt Liza Ulitzka. 

Doch die Lage spitzte sich zu. "Plötzlich wollte er nicht mehr, dass Lily kurze Hosen trägt. Sie war damals gerade mal sechs Jahre alt." Als ihr Ehemann schließlich eine Bibel verbrennen wollte und die heute 44-Jährige nicht mehr ohne seine Zustimmung verreisen sollte, war für die Wienerin eine rote Linie überschritten. "Da wusste ich, dass es so nicht mehr weitergehen kann."

© privat/Lily und Noah im Al-Azhar Park in Kairo.

© zVg./Liza Ulitzka hofft darauf ihre Kinder bald wieder in die Arme schließen zu dürfen.

Es folgte eine furchtbare Trennung, bei der sogar die Polizei einschreiten musste. Trotzdem schränkte Liza Ulitzka aus gutem Willen heraus den Kontakt ihrer Kinder zu ihrem ehemaligen Partner nicht ein. Ein Mal die Woche durften sie ihren Vater besuchen, übernachteten dann sogar in seiner Zahnarztpraxis. 

Dies schien ihm aber zu wenig zu sein. Zwar hatte die 44-Jährige bei der Ägypten-Reise, bei der die Kinder eigentlich nur ihre nahen Verwandten besuchen sollten, ein mulmiges Gefühl. Doch sie konnte nichts dagegen machen, denn der Urlaub war gerichtlich festgelegt.

Erst am Tag der eigentlich geplanten Rückreise, die am 19. Juli stattfinden hätte sollen, wurde die Mutter informiert. "Er sagte mir, ich hätte jetzt alles verloren." Ein Mal durfte die 44-Jährige dann noch mit ihren Kindern, die eingeschüchtert gewirkt haben sollen, telefonieren. Danach riss der Kontakt komplett ab.   

Die 44-Jährige hofft nun auf die ägyptischen Behörden. Dort wäre bereits eine Strafanzeige eingereicht. "Weil ich das alleinige Sorgerecht habe, müsste der Vater die Kinder mir übergeben, doch das kann noch länger dauern", so die Mutter. Um ihre Anwaltskosten noch stemmen zu können, hat sie eine Spendenaktion ins Leben gerufen.