70. ESC-Auflage
Song Contest in Wien: Neue Maßstäbe dank CO2-Bilanzierung
16.03.2026Für unvermeidbare Emissionen stehen Zertifikate in Höhe von rund 10.000 Tonnen CO2 bereit. Bilanzierung und Kompensation erfolgen durch das Startup "Econetix".
Möglichst geringe CO2-Emissionen will der ORF durch den 70. Eurovision Song Contest in Wien verursachen. Die Ansprüche gehen dabei weit über den ESC 2015 hinaus, der zumindest erstmals als "Green Event" ausgerichtet worden war. Nicht nur strebt man das Umweltzeichen "Green Producing" für die TV-Produktion an, es gibt auch einen Plan für den Umgang mit den unvermeidbaren Emissionen - und hier kommt das Wiener Startup Econetix ins Spiel.
Das Climate-Tech-Unternehmen wurde für die CO2-Bilanzierung und Kompensation des ESC 2026 engagiert. Bei einem Hintergrundgespräch mit Econetix-Mitbegründer Paul Nimmerfall und Anita Malli, der ORF-Klima-Beauftragten des ESC, wurde am Montag die Herangehensweise zur größtmöglichen Klimaneutralität erläutert. Ergänzt wurde das Trio von Catharina Ahmadi, einer Expertin für Nachhaltigkeitsberichterstattung. Es gehe darum, den klassischen CO2-Fußabdruck eines solchen Großevents möglichst transparent zu erfassen, wie es auch um den "Umgang mit den unvermeidbaren Emissionen" gehen wird, erläuterte Ahmadi. Und bei letztgenannten sei klar, dass hier der größte Anteil durch die Anreise der Besucher entstehen wird.
"Sustainability Legacy" als Ziel
Insgesamt sei die Ermittlung der CO2-Bilanz bei der anvisierten Genauigkeit das Gegenteil von trivial, erläuterte Malli. Es sei eine Erkenntnis aus dem ESC 2015 gewesen, dass "ein Projekt dieser Größe bei der Zertifizierung die Einbindung aller Mitwirkenden notwendig" macht, angefangen von der Logistik bis hin zu den beim Event angebotenen Nahrungsmitteln. Beim ESC 2026 werde jedenfalls mit ein Ziel sein, das erworbene Wissen dem nächsten ESC-Veranstalter im Sinne eines "Sustainability Legacy" zu vermitteln, kündigte Malli an.
Neben dem Ziel, eine Emissionsreduktion, wo immer es möglich ist, zu erreichen, sollen die unvermeidbaren Emissionen dann eben kompensiert werden. Der Ansatz, den Econetix hier verfolgt, kann als ein Gegenbeispiel für "Greenwashing"-Projekte gesehen werden, bei denen Klimaneutralität und Nachhaltigkeit oft nur auf dem Papier existieren. Wie Nimmerfall erklärte, werden die 10.000 Tonnen CO2 mit Zertifikaten kompensiert, die von einem Projekt in der Demokratischen Republik Kongo herrühren.
Es handelt sich dabei Solarlampen, mit denen grüner Strom erzeugt werden kann. Econetix setzt dabei auf digitales Monitoring, was in diesem Fall bedeutet, dass jede dieser Lampen per Geotagging verortet werden kann. Diese digitalisierte und transparente Abrufbarkeit ist laut Nimmerfall sozusagen die Antwort auf den "Greenwashing"-Elefanten im Raum. Bei den Projekten von Econetix stehe zudem auch das Aufbauen von Infrastruktur und Wertschöpfung im Zentrum. So gingen 80 Prozent der Einnahmen zurück an lokale Communitys. Insgesamt scheint der ESC 2026 in den Bereichen CO2-Bilanzierung wie auch in jenem der CO2-Kompensation neue Maßstäbe im Bereich der Großevents setzen zu wollen.