Affären
Knaller: Kurz gibt Grünen Schuld am Selbstmord Pilnaceks
29.05.2026In einem deutschen Podcast greift der frühere Kanzler Sebastian Kurz seinen früheren Koalitionspartner extrem scharf an.
Politiker interviewen in Zeiten wie diesen gerne Politiker - und so trat der frühere österreichische Kanzler Sebastian Kurz bei Carsten Linnemann auf, der Mann ist als CDU-Generalsekretär ein Parteifreund des Ex-ÖVP-Chefs.
Kurz zog zunächst unwidersprochen gegen seinen früheren Koalitionspartner, die Grünen, vom Leder. Es sei "ein schwerer Fehler" gewesen, den Grünen in den Koalitionsverhandlungen das Justizministerium zu überlassen. Er warf kurz gesagt der seinerzeitigen Justizministerin Alma Zadic vor, mit Hilfe der WKStA Politik gegen ihn selbst gemacht zu haben.
"Bis zum Selbstmord"
Kurz ging dann aber noch weiter - und stellte einen Zusammenhang mit dem Selbstmord des suspendierten Sektionschefs Christian Pilnacek her: Um Ermittlungen gegen ihn in der Falschaussage-Causa zu führen, hätten die Grünen "die Führung der Staatsanwaltschaft ausgetauscht", und zwar mit "grenzwertigen Mitteln wie Disziplinarverfahren". Und dann kommt es: Diese Mittel seien so grenzwertig gewesen, dass sie "bis zum Selbstmord eines ehemaligen Sektionschefs" geführt hätten. Was Kurz nicht sagte: Die Suspendierung Pilnaceks hatte vor Gericht gehalten.
Kurz kritisierte auch die Richterauswahl in seinem Falschaussage-Verfahren, in dem er erstinstanzlich verurteilt, im Endeffekt aber freigesprochen worden war. Er sei im großen Schwurgerichtssaal gesessen, "wo sonst nur Mörder und Vergewaltiger sitzen", so Kurz. Fazit des Ex-Kanzlers: "Ich weiß genau, wie diese Systeme funktionieren. Mit Verfahren wird versucht, Politik zu machen."
Grüne nennen Aussagen "jenseitig"
Nun, die Grünen ließen sich das nicht gefallen. Vizeklubobfrau Sigrid Maurer konterte umgehend im "Standard": "Sebastian Kurz hat offenbar bis heute nicht verkraftet, dass er aufgrund seiner Verfehlungen als Bundeskanzler zurücktreten musste. Die von ihm im CDU-Podcast getätigten Anschuldigungen sind absolut jenseitig."
Widerspruch erntete Kurz aber auch im Talk bei Parteifreund Linnemann. Die ebenfalls am Tisch sitzende Ex-Spiegel-Journalistin Melanie Amann wies darauf hin, dass es gefährlich sei, von einer politischen Justiz zu sprechen - umso mehr, als das Endergebnis - nämlich der Freispruch - ohnehin im Sinne von Kurz gewesen sei.