Debatte um Impf-Privilegien

Auch Caritas-Chef (60) ließ sich schon impfen

Die Liste der Bürgermeister(-innen), die sich schon impfen ließen, wird länger.

Wien. „Impfjäger“ Stephan Bartosch, Grün-Aktivist, und Elias Kindl (Neos) haben eine Liste jener Bürgermeister und Promis erstellt, die zuletzt geimpft wurden: 21 Ortschefs oder Vizebürgermeister, aber auch Religionsvertreter wie Caritas-Direktor Michael Landau (60) oder Oskar Deutsch (57), Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde, stehen drauf. Landau bestätigte seine Impfung in ÖSTERREICH: „Ja, ich wurde Ende Dezember geimpft.“ Seine Impfung sei im Impfplan so vorgesehen gewesen. „Die Impfung ist im Rahmen meiner Tätigkeit als Seelsorger passiert, die ich seit 25 Jahren in Pflegeheimen ausübe“, so Landau zu ÖSTERREICH. Immerhin betreibt die Caritas ja österreichweit mehrere Pflegeheime.

Stadtchef. Auf der Bürgermeisterliste der Impf-Drängler, die zuletzt heftige Kritik vom Kanzler auslöste, kamen am Donnerstag neue Namen dazu. Mittlerweile sind ÖSTERREICH bereits 20 „geimpfte“ Ortschefs bekannt.

ÖVP-Ortschef: "Ich habe nie etwas verheimlicht"

  • In Bad Gastein ist es ÖVP-Bürgermeister Gerhard Steinbauer (59). Er sagt zu ÖSTERREICH: „Keine Rede von Vordrängen, ich stand auf der Prioritätenliste.“ Er ist Vertreter des Rechtsträgers eines Seniorenheimes: „Mit der Impfung kann ich unsere Senioren besuchen.“ An einen Verzicht dachte er keine Sekunde: „Ich habe meine Impfung nicht verheimlicht, sondern offen via Facebook angekündigt.“
  • Ähnlich die Lienzer SPÖ-Stadtchefin Elisabeth Blanik (54). Sie führt vier Altenheime mit 400 Beschäftigten – und wurde geimpft: „Ich bin ständig in Heimen unterwegs, habe dort ein Büro“, sagt sie zu ÖSTERREICH: „Schlimm wäre, hätte ich meine Kinder und meinen Partner impfen lassen.“

„Sorry“. Der Feldkircher ÖVP-Bürgermeister Wolfgang Matt (65) hat sich indes fürs „Impfdrängeln“ entschuldigt: „Im Nachhinein betrachtet, war mein Handeln unüberlegt.“ Er bitte all jene, die den Eindruck gewonnen hätten, er habe jemandem eine Impfdosis vorenthalten wollen, um Verzeihung.

(wek)

Haslauer verteidigt "Drängler"

Die Impfungen dürften „kein Selbstbedienungsladen“ werden, kritisiert SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner Bürgermeister, die sich in Pflegeheimen impfen ließen. Auch Kanzler Sebastian Kurz zeigt keinerlei Verständnis für diese Bürgermeister und Lokalpolitiker. Er selbst werde sich erst impfen lassen, wenn „ich an der Reihe bin“. ­Politiker sind derzeit erst in Stufe vier – also sogar nach der kritischen Infrastruktur – zur Impfung vorgesehen.

Haslauer opponiert. Doch aus der eigenen Partei kommt jetzt Gegenwind für Kurz: Salzburgs Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP) hat in einem Schreiben klargestellt, dass eine Impfung „von den Priorisierungsempfehlungen des Gesundheitsministeriums gedeckt“ sei. „Wir vertreten den Standpunkt, dass all jene Bürgermeister, die regelmäßig in Seniorenwohnheimen in Kontakt mit Heimleitung, dem Personal oder den Bewohnern sind, sehr wohl unter die Priorität I fallen.“

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