"Wunschkandidatin"
Claudia Haider im Rennen um die Hofburg
Im Herbst will die Witwe über ihre Bundespräsidenten-Ambitionen Klartext reden. Sie wäre die erste Frau an der Spitze der Republik.
Die Spannung vor der Bundespräsidentenwahl im April 2010 steigt: Offiziell ist es noch lange hin bis zum Wahlkampf-Start, hinter den Kulissen brodelt es bereits gewaltig.
Der amtierende Bundespräsident Heinz Fischer tourt derzeit durch Österreich – von Festspielen bis zu Berggipfeln – und bringt sich damit in Position. Eine Diskussion um die mögliche Kandidatur des niederösterreichischen Landeshauptmanns Erwin Pröll ist auch längst entbrannt. Doch jetzt kündigt BZÖ-Chef Josef Bucher offiziell in ÖSTERREICH an: „Claudia Haider ist für die kommende Bundespräsidentenwahl meine Wunschkandidatin.“ Er will erstmals eine Frau an der Staatsspitze sehen – und führte bereits eingehende Gespräche mit der Witwe von Jörg Haider.
„Ich sage niemals nie in der Politik“
Claudia Haider
sagte zuletzt zu einem Politeinstieg gegenüber ÖSTERREICH: „Das letzte Wort
ist hier sicher noch nicht gesprochen. In der Politik sagt man niemals nie.“
Auch Jörg Haiders Schwester, BZÖ-OÖ-Chefin Ursula Haubner, macht sich in ÖSTERREICH für Claudia Haider als Bundespräsidentin stark: „Die Zeit für eine Frau ist absolut reif. Unser Bündnisobmann Bucher ist schon jetzt in ständigem Kontakt mit Claudia Haider.“ Und: „Ich sehe Claudia als eine Frau, die viel an Potenzial und Menschlichkeit für dieses hohe Amt mitbringen würde.“
Auch BZÖ-General Martin Strutz spricht bei Claudia Haider im ORF-Radio bereits von einer „möglichen BZÖ-Kandidatin“. Der Meinungsforscher Wolfgang Bachmayer, Chef des OGM-Instituts, glaubt, Haider würde zumindest in Kärnten viele Stimmen erzielen: „Sie punktet durch ihr mütterliches Wesen auch mindestens so gut bei Männern wie bei Frauen.“
BZÖ in Angst, dass Mythos Jörg Haider verblasst
Der Politologe Peter Filzmaier, Leiter des Departments für Politische Kommunikation an der Donau-Uni Krems, zu ÖSTERREICH: „Kurzfristig ist für das BZÖ die Diskussion um ihre Kandidatur eine gute Strategie. Die Partei bekommt überdurchschnittlich hohe Medienpräsenz.“
Der Wiener Politikwissenschafter Hubert Sickinger analysiert: „Die Partei fürchtet offensichtlich, dass der Mythos Jörg Haider früher oder später verblassen wird. Den poliert man eben auf diese Art wieder auf.“ Da man für eine Bundespräsidentenwahl keine Wahlkampfkostenrückerstattung bekommt, glaubt Sickinger nicht an eine Haider-Kandidatur.