Politik-Insider

Koalitions-Kampf um die ORF-Spitze

30.10.2013


Hinter den Kulissen basteln SPÖ & ÖVP an neuem ORF-Gesetz und neuen ORF-Bossen.

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Offiziell beteuern SPÖ und ÖVP treuherzig, dass sie natürlich nicht nach mehr Macht im ORF streben. Im Hintergrund laufen freilich bereits Machtspiele um eine von ihnen angestrebte neue ORF-Spitze.

Um den aktuellen ORF-Generaldirektor und sein Team auszuhebeln, soll es ein neues Gesetz geben. Dieses soll dann eine Verkleinerung des ORF-Stiftungsrates sowie eine Doppelspitze am Küniglberg bringen. Der ORF-Redakteursrat kündigt schon präventiv Widerstand gegen die versuchte „Rückkehr in den Proporz“ an.

Plan: Rasches Vorgehen mit neuen Köpfen
SPÖ und ÖVP werfen Wrabetz inoffiziell vor, er habe zugelassen, dass die Opposition sich in den Wahlkonfrontationen zu sehr profilieren konnte. SPÖ und ÖVP müssen sich allerdings erst einmal auf ein Duo für den Öffentlich-Rechtlichen einigen:

  • Die SPÖ-Spitze will rasch vorgehen und ein neues ORF-Gesetz am besten noch vor Jahresende beschließen.
  • Ginge es nach Teilen der ÖVP, sollten dann Wrabetz und sein derzeitiger kaufmännischer Direktor, Richard Grasl, gleichberechtigte ORF-Chefs werden.
  • Teile der SPÖ forcieren hingegen ein völlig neues Duo. Im Gespräch ist etwa ein Ex-ORF-Mann, der eigentlich der ÖVP zugerechnet wird. Neben diesem käme dann etwa wieder ORF-Radiodirektor Karl Amon als Co infrage. ÖVP-Insider bezweifeln aber, dass sich VP-Chef Michael Spindelegger darauf einlassen würde.

Mit Josef Caps Abgang von der SP-Klubspitze hat Wrabetz zwar seinen stärksten Fürstreiter in der SPÖ verloren – langjährige ORF-Beobachter glauben aber, dass sich der SP-nahe Manager trotzdem erneut gegen die eigenen Reihen durchsetzen werde – mithilfe der ÖVP?

Wrabetz: "Doppel-Spitze ist absurd"

ÖSTERREICH: Was halten Sie denn von den Regierungsverhandlungen über ein neues ORF-Gesetz mit einem Zweier-Vorstand?
Alexander Wrabetz: Der ORF steht sehr gut da. Wir schreiben stabile schwarze Zahlen, wir haben ein schwieriges Sparpaket mit der Belegschaftsvertretung sehr konstruktiv verhandelt und abgeschlossen – und wir setzen auf Innovation, wie mit unserer neuen Ski-Weltcup-App.

ÖSTERREICH: Deshalb denkt die Regierung wohl an keinen Wechsel an der ORF-Spitze, oder?
Wrabetz: (lacht) Nein, ich wollte damit nur zeigen, dass es derzeit keinen Grund für Veränderungen in der ORF-Geschäftsführung gibt. Wir haben eine Geschäftsführungsperiode, die bis 2016 läuft. Und ich wurde erst 2011 vom Stiftungsrat gewählt. Daher kann ich nicht glauben, dass eine Ablöse der ORF-Geschäftsführung ernsthaft diskutiert wird.

ÖSTERREICH: Bundeskanzler Faymann wollte Sie schon 2009 ablösen, vergessen?
Wrabetz: 2008 war eine andere Situation. Der ORF war wegen Lehman-Pleite und Weltwirtschaftskrise unter extremem wirtschaftlichen Druck. Damals hatten sich freilich auch nicht viele um meinen Job bemüht. Wir kämpfen jetzt um die uns zustehende Gebührenrefundierung und drehen jeden Cent zweimal um, da kann ich mir nicht vorstellen, dass irgendjemand ernsthaft Millionenablösen für die vorzeitige Abberufung von Landesdirektoren und Geschäftsführung zahlen will.

ÖSTERREICH: Wie viel würde die Ablöse insgesamt kosten? Man hört von 8 Millionen?
Wrabetz: Mit dem gesamten Team käme es in diese Größenordnung. Warum sollte man uns ablösen wollen?

ÖSTERREICH: Weil SPÖ und ÖVP mit den ORF-Wahl-Duellen unzufrieden waren. Sie hätten nur der Opposition genützt …
Wrabetz: Falls das stimmt, ist es für mich nicht nachvollziehbar. Unsere sehr gut gemachten Wahlkonfrontationen hatten hohe Quoten. Generell hat es der Opposition nicht genützt, Stronach haben die Auftritte eher geschadet. Aber ich stehe als Generaldirektor dahinter, dass auch die Opposition auftreten soll. Wenn das wirklich der Vorwurf ist, tut es mir leid. Aber das ist nicht verhandelbar.

ÖSTERREICH: Kommt es aber zu neuem Gesetz und Doppelspitze – treten Sie an?
Wrabetz: Eine Doppelspitze von zwei Generaldirektoren, die wie siamesische Zwillinge agieren, wäre absurd. Aber, ich mache jetzt niemandem die Freude, eine Kandidatur auszuschließen. Es würde vom konkreten Modell abhängen.

ÖSTERREICH: In Ihrer Geschäftsführung – etwa zwischen Kathrin Zechner und Ihnen – sollen aber die Fetzen fliegen.
Wrabetz: Wir haben ein schwieriges Budget geschnürt. Da gab es gelegentlich Spannungen. Aber die Zusammenarbeit von allen Direktoren funktioniert gut.

Isabelle Daniel

 

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