Interview

Faymann: Ich kandidiere nicht gegen Gusenbauer

11.06.2008

Im Interview mit der Tageszeitung ÖSTERREICH stellte Minister Faymann ein für alle mal klar: Er kandidiert nicht gegen Gusenbauer.

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ÖSTERREICH: Herr Minister Faymann, Sie werden in den letzten Tagen immer öfter als potenzieller Nachfolger von Alfred Gusenbauer als Parteichef und Kanzler genannt. Stehen Sie als Nachfolger zur Verfügung?

Faymann: Mich freuen die lobenden Worte des Wiener Bürgermeisters und der Ländervertreter für meine Arbeit. Aber ich stehe für eine Kandidatur gegen Alfred Gusenbauer sicher nicht zur Verfügung, weil ich eine Personaldiskussion und eine Kampfabstimmung um den Parteivorsitz in der SPÖ ganz schlecht finden würde. Was wir brauchen, ist eine inhaltliche Diskussion, so wie sie für Montag im Parteipräsidium geplant ist. Die finde ich gut und richtig.

ÖSTERREICH: Wird die Diskussion im Präsidium am Montag heftig werden?

Faymann: Ich rechne mit einer sehr intensiven Diskussion über die Inhalte. Die Situation der SPÖ ist derzeit wirklich dramatisch, das kann man nicht schönreden. Wir verlieren derzeit ein Viertel unserer Wähler. Wir müssen intensiv diskutieren, wie die SPÖ in einer Regierung mit der ÖVP stärkeres Profil zeigen kann. Wir müssen zum Beispiel in der Frage der Pensionen eine Lösung für die Menschen finden – eine Automatik darf es da nicht geben, hier muss das Parlament der Gestalter sein.

ÖSTERREICH: Warum verliert die SPÖ so stark?

Faymann: Entscheidend ist immer, wie eine Botschaft beim Wähler ankommt – und das klappt derzeit nicht. Wir müssen bei den großen Pro­blemen Teuerung, Gesundheit und Pensionen wieder auf die Herzen der Menschen hören – darauf kommt es an.

ÖSTERREICH: Viele in der SPÖ sagen, in einer Koalition mit der ÖVP sei das nicht möglich.

Faymann: Das halte ich für ganz falsch, das wäre ja die Selbstaufgabe einer Großpartei, wenn sie nicht regieren will. Die SPÖ muss lernen, auch in einer Koalition mit der ÖVP ihr Profil zu zeigen – und eine Regierung zu führen, die Probleme anpackt und nicht wie eine Streitgruppe wahrgenommen wird.

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