Ministerium greift durch
Flüchtlingsspiele: Schulprojekt wird eingestellt
Blass, verwirrt und noch immer von den Ereignissen an diesem Schultag mitgenommen, vertraute sich am Abend eine 12-jährige Schülerin ihren Eltern an: Ohne Vorwarnung wurden Hunderte Kinder der Unterstufe einer Höheren Schule in Wien von den Lehrern gleich bei ihrer Ankunft in der Schule als „Migranten“ behandelt. Und die Schülerinnen und Schüler wurden mit Bändern als Flüchtlinge „gekennzeichnet“. Das „Spiel“ sah vor, dass die Schüler „spüren sollten“, wie sich Flüchtlinge bei ihrer Ankunft in Österreich fühlen würden.
Projekt wird eingestellt
Wie ÖSTERREICH bereits berichtete, schaltete sich nun auch die Bundesregierung in den Fall ein. In einem Statement erklärt Bildungsminister Heinz Faßmann in Abstimmung mit der Bildungsdirektion Wien, eine Untersuchung zu den Vorfällen an dem Wiener Gymnasium einzuleiten.
Seitens des Ministeriums wird sichergestellt, dass dieses Projekt mit sofortiger Wirkung eingestellt wird. Hier scheint eine Grenze überschritten worden zu sein. Schülerinnen und Schüler zu verängstigen ist kein pädagogisches Konzept.
Unterstützung gibt es dazu von Integrationsministerin Raab: „Ich finde es unverantwortlich und unverständlich, dass solche 'Spiele' in Österreichs Schulen abgehalten und damit Ängste bei Kindern ausgelöst werden. Es ist richtig, dass Bundesminister Faßmann hier durchgreift.“
Schülervertreter verteidigen Projekt
Schülervertreter jener AHS in Wien-Währing, wo am Dienstag das umstrittene Flüchtlings-Rollenspiel des "Theatervereins Ansicht" stattfand, verteidigen in einer Stellungnahmen gegenüber der APA das Projekt. Sie betonen, "dass das Wohlergehen jedes Schülers und jeder Schülerin während des gesamten Projektes für alle Beteiligten an oberster Stelle stand".
Das Projekt sei über mehrere Monate von vielen Schülern unterschiedlicher Altersklassen und Lehrern in Zusammenarbeit mit dem Theaterverein "sorgfältig geplant" worden, so Schulsprecher Laurenz Strauch und Schülervertreter Maximilian Kovar. Zudem habe es eine mehrstündige Aufarbeitung des Projekts gegeben, in der eine kritische Auseinandersetzung damit möglich gewesen und der Zusammenhang mit der Realität ausführlich besprochen worden sei.
"Wir finden es gut, dass die Schüler hierdurch lehrreiche Erfahrungen (nämlich einem undurchschaubaren System gegenüberzustehen) in einem kontrollierten Umfeld sammeln konnten, dass Schüler mit Fluchterfahrung vorzeitig informiert wurden und dass diese die Möglichkeit hatten, daran nicht teilzunehmen", so die Schülervertreter. "Eine von Parteien ausgehende politisierende Sichtweise des Projektes halten wir für fehl am Platz und missinterpretiert. Die einzige Ideologie die dem zugrunde liegt, ist die der uneingeschränkten Menschenrechte", heißt es in der Stellungnahme.