Grosz gesagt: Der kritische Blick

Grosz: 'Die politische Bühne erinnert an ein Laufhaus'

Polit-Blogger und oe24-Kolumnist Gerald Grosz kommentiert für Sie die Polit-Woche in seiner bekannt charmanten Art.
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Willkommen bei GROSZ GESAGT, dem überaus kritischen Blick auf die aktuellen Geschehnisse unserer Zeit! Kritisch, direkt, unabhängig – und scharf wie Messer! Versprochen.

Die Aktion Sauberes Österreich hat auch diese Woche wieder zugeschlagen. War es letztens noch Verfassungsrichter Wolfgang Brandstätter, der den allzu „widerwärtigen“ Chats mit dem gefallenen Justizsektionschef Christian Pilnacek zum Opfer fiel, sein Richteramt und den inkludierten Hermelintalar am Altar des Verfassungsgerichtshofes unter sanftem Zwang ab- und aufgeben musste, hat diese Woche Thomas Schmid die türkise politische Bühne, die immer mehr an ein Durchgeh- und Laufhaus erinnert, unter Schimpf und Schande verlassen, wurde von seinen eigenen Chats hinweggefegt. Vom Hofe der ÖBAG wie die gefallene Magd wurde er verjagt, der amtsbekannte Pöbelexperte, emeritierte Diplomatenpassinhaber, Kirchenerpresser, Fotosafarijäger, Dritter der türkisen Familiendreifaltigkeit, Madame Pompadour der ÖVP und Tu es für mich Kanzler-Fanboy.

Den Schmidchen Schleicher machte er nun am Ende und schlich sich aus den mondänen Räumen der ÖBAG, Österreichs milliardenschwerer Verstaatlichtengesellschaft, um wahrscheinlich erstmals in seinem Leben ohne Dienstfahrzeug, ohne Diplomatenpass, ohne Diensthandy und ohne Sebastian Kurz aber dafür um 200.000 Euro Abfertigung schwerer und reicher mit dem von ihm zärtlich titulierten Pöbel die Wiener U-Bahn zu teilen. Er fiel sanft, nicht in Gottes aber dafür in unsere Steuerzahlerhand, denn am Ende löhnen wir, der Pöbel, den teuren golden Handshake. Schmid ging, die Beidln blieben, entfleucht es so manch kritischem Bürger. Und da hilft es auch nicht, dass die einstigen leuchtenden und funkelnden, am Schluss gefallenen Sterne des türkisen Politfirmaments Österreichs am Ende ihr mea culpa verzweifelt und einsichtig singen. Mit „I m so sorry“ versuchte nicht nur des Kanzlers Zauberlehrling Schmid Buße zu tun sondern auch Christian Pilnacek wie auch Wolfgang Brandstätter verfassten jeweils vor Selbstmitleid triefende Erklärungen, um das erzürnte Volk nur endlich zu besänftigen. Ob die Tour de Pardon die skandalumwitterten Chats von Tick, Trick und Track der ÖVP aus den Schlagzeilen bringt, ist fraglich. Denn Gott vergibt, die Opposition und Herbert Kickl nie.

Der Ordnung halber sei erwähnt, dass ausgerechnet die ÖVP nun angesichts des Debakels dreier führender Mitglieder ihrer Familie auf die Privatsphäre der Chat Nachrichten pocht. Als es vor 2 Jahren darum ging, das private Urlaubsvideo der zwei Ibizaboys Strache und Gudenus in epischer Breite auszuschlachten, tief in die Privatsphäre einzudringen, denn die beiden vergnügten sich ja nicht offiziell im Parlament, sondern auf Privaturlaub in der balearischen Oligarchenvilla, hatten die zu Türkis umlackierten Schwarzen weniger Skrupel.

Aber wie heißt es so schön: Wer anderen eine Grube gräbt, fällt meistens selbst hinein. Moralisch integrer ausgedrückt: Besser spät als nie, möge die Erleuchtung herniederkommen und die Einsicht wachsen. Besser spät als nie wurde diese Woche auch des Kanzlers Erb- und Busenfeind Herbert Kickl einstimmig zum neuen Oberhaupt der Blauen designiert. Selbst die vehementesten Kritiker des freiheitlichen Rabauken scheinen zu verstummen. Beim Parteitag am 19. Juni soll er gewählt werden, der einstige BIMAZ, bester Innenminister aller Zeiten.

Dann ist er am Ziel, der neue BOAZ, der beste Obmann aller Zeiten. Und angesichts der Physiognomie Kickls kann man nun zurecht davon sprechen, dass die FPÖ tatsächlich die Partei des kleinen Mannes ist. Der kleine Mann, der gerne Urlaub fährt, wird übrigens noch warten müssen. Denn ein wenig Zeit wird noch vergehen, bis der sogenannte „Grüne Pass“, die Erfindung von Sebastian Kurz, Realität wird. War er doch bereits für April angekündigt, dann auf Mai verschoben, dann für Juni verheißen, wird’s möglicherweise bei gutem Wind und Gottes Segen im Juli soweit sein.

Der kleine Schönheitsfehler, Impfungen werden im Grünen Impfpass am Anfang nicht vermerkt sein. Ein Impfpass ohne Impfungen? Offenbar wurde einmal mehr die Message Control unserer geliebten Regierung von der Realität des gelebten Chaos eingeholt. Diese Message Control verhieß uns jüngst, dass Österreichs Nachtlokale ab Juli – erstmals seit langen 16 Monaten – wieder aufsperren dürfen. Aber auch diese Maßnahme hat einen Pferdefuß. Die Disco hat zwar offen, aber man darf nicht tanzen.

Ein Tanzlokal ohne Tanz. Ganz nach dem Geschmack unserer Regierung. Ein Rat an Mückstein und Co: Die Pandemie sollten wir dann nach der langen Zeit des Chaos und der Willkür endlich hinter uns gelassen haben. Die Menschen brauchen wieder Freiheit und Freude. Eine andere Freude bewegte mich diese Woche persönlich. Mein Buch „Freiheit, ohne Wenn und Aber“ erblickte das Licht der Welt, sprich das Auge des Lesers. Wenn Sie also eine gute Sommerlektüre brauchen, kann ich dieses Buch nur wärmstens empfehlen. An dieser Stelle empfehle ich mich nach Frankreich, wo ich mich mit dem Grosz gesagt der nächsten Woche wieder melden werde. Bleiben Sie mir bis dahin treu!