Sebastian Kurz im großen Interview

Kanzler macht Impf-Ansage in ÖSTERREICH

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In den nächsten 100 Tagen kann sich jeder impfen lassen, verkündete der Bundeskanzler am Karsamstag.
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Bundeskanzler Sebastian Kurz sprach im ÖSTERREICH-Interview über Impfung, Lockdown & ÖBAG. Dabei erklärte er nicht nur, wer sich wann impfen lassen kann, sondern kritisiert auch die EU-Zulassungsbehörde EMA.

ÖSTERREICH: Wie beurteilen Sie die aktuelle Corona-Situation?

Sebastian Kurz: Wir haben nach wie vor eine herausfordernde Situation, insbesondere in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland. In den anderen sechs Bundesländern ist die Situation aber eine deutlich bessere. Generell muss man sagen, dass die Neuinfektionen derzeit nicht explodieren, sondern relativ stabil sind.

ÖSTERREICH: Wie besorgniserregend ist die Situation auf den Intensivstationen?

Kurz: Die Maßnahmen in Ostösterreich sind notwendig, um zu verhindern, dass es zu einer Überlastung der Intensivstationen kommt. Wir haben in den sechs übrigen Bundesländern derzeit aber noch eine bessere Situation auf den Intensivsta­tionen. Wir haben einen Mechanismus, dass Intensivpatienten in jene Bundesländer überstellt werden, wo es genügend Kapazitäten gibt. Das wird in den kommenden Wochen weiter ausgebaut.

ÖSTERREICH: In den östlichen Bundesländern gibt es einen elftägigen Lockdown. Reicht das?

Kurz: Wir werden am Dienstag mit den Landeshauptleuten die Situation evaluieren. Es ist wichtig, festzuhalten, dass die Situation in den verschiedenen Bundesländern höchst unterschiedlich ist. Das müssen wir auch bei den Maßnahmen berücksichtigen. Noch entscheidender ist aber die Frage, wie sehr sich die Bevölkerung an die Maßnahmen hält.

ÖSTERREICH: Experten fordern bereits einen österreichweiten Lockdown …

Kurz: Unser Zugang ist, so viel Freiheit wie möglich, so viel Einschränkung wie notwendig. Aus derzeitiger Sicht ist die Situation in den anderen sechs Bundesländern besser, ich halte die aktuellen Maßnahmen, die wir für die drei östlichen Bundesländer gesetzt haben, daher für ausreichend. Aber es kann niemand eine genaue Prognose für die nächsten Wochen abgeben, weil das Virus unberechenbar ist. Wir haben das Ansteckungsniveau durch intensives Testen gut unter Kontrolle gebracht. Wenn wir diesen Weg konsequent weitergehen, dann bin ich zuversichtlich, dass wir weitere Lockdowns verhindern können.

ÖSTERREICH: Wann werden die nächsten Öffnungsschritte möglich sein?

Kurz: Ich kann kein genaues Datum nennen. Aber feststeht, dass wir mit dem entsprechenden Impffortschritt im Mai einen Wendepunkt erreichen werden und dann endlich auch all die Öffnungsschritte setzen können, die wir alle so dringend erwarten. Was ich sagen kann: Jeder, der das möchte, wird in den nächsten 100 Tagen die Möglichkeit haben, sich impfen zu lassen!

ÖSTERREICH: Wir bekommen jetzt 200.000 vorgezogene Bion­tech-Pfizer-Impfdosen von der EU. Warum nicht mehr?

Kurz: Im Erstvorschlag der EU waren es 140.000 Dosen, jetzt sind es rund 200.000 Dosen. Das ist ein solides Er­gebnis. Dass man aber ausgerechnet unserem Nachbarland Tschechien, das derzeit besonders stark von Corona betroffen ist, nicht mehr Impfdosen gibt, kann ich nicht nachvollziehen. Das empfinde ich als unfair und unsolidarisch. Daher unterstützen wir unsere tschechischen Nachbarn bilateral mit 30.000 Dosen.

ÖSTERREICH: Haben Sie die anderen EU-Staats- und Regierungschefs in den letzten Wochen nicht vor den Kopf gestoßen?

Kurz: Nein, ich habe einen guten Kontakt mit allen Staats- und Regierungschefs. Ich weiß, dass das für manche unangenehm war, dass ich die ungleiche Verteilung von Impfstoff in der EU angesprochen habe. Aber es war notwendig, zu thematisieren, dass Länder wie Bulgarien benachteiligt werden.

ÖSTERREICH: Wann tritt denn jetzt der von Ihnen angekündigte „Ketchup-Effekt“ beim Impfen ein?

Kurz: Wir haben im Jänner und Februar sehr, sehr wenig Impfstoff bekommen. Im März konnten wir dann schon 30.000 Impfungen pro Tag durchführen. Im April werden es schon 45.000 pro Tag sein. Im April wird der Fokus beim Impfen auf den über 65-Jährigen liegen, im Mai bei den über 50-Jährigen. Ab Juni werden dann alle anderen dran sein. In den nächsten 100 Tagen wird jeder, der das möchte, die Möglichkeit haben, sich impfen zu lassen.

ÖSTERREICH: Russland hat uns 1 Million Impfdosen angeboten. Werden wir Sputnik kaufen?

Kurz: Ich halte es für sinnvoll, Sputnik zu beschaffen. Das wäre ein zusätzlicher Turbo für unseren Impfplan. Auch Experten und der Ärztekammerpräsident sprechen sich für die Beschaffung von Sputnik aus.

ÖSTERREICH: Aber dazu braucht es eine Zulassung der EMA, oder reicht auch eine Zulassung in Österreich?

Kurz: Die Zulassungsverfahren der EMA dauern leider oft viel zu lange. In anderen Teilen der Welt geht das deutlich schneller. Da würde ich mir mehr Tempo wünschen. Es gibt jedenfalls verschiedene Wege der Zulassung.

ÖSTERREICH: Deutschland hat die Impfung mit AstraZeneca für unter 60-Jährige gestoppt. Österreich geht einen anderen Weg …

Kurz: Wir verlassen uns hier auf die Experten in Österreich, die weiterhin eine Impfung mit AstraZeneca empfehlen. Ich selbst werde mich mit AstraZeneca impfen lassen, wenn ich drankomme.

ÖSTERREICH: Wann wird das sein?

Kurz: Ich gehe davon aus, dass ich im Juni geimpft werde.

ÖSTERREICH: Kommende Woche gibt es eine Sondersitzung zur Bestellung des ÖBAG-Chefs. Die Opposition wirft Ihnen Postenschacher vor …

Kurz: Die Opposition erhebt ständig Vorwürfe. Das ist nichts Neues und überrascht mich nicht. Ich lasse es mir aber nicht gefallen, dass mir Korruption oder strafrechtlich relevante Handlungen unterstellt werden.