ORF-Krise

Knalleffekt: ORF-Chefposten ist jetzt ausgeschrieben

20.03.2026

Der ORF-Stiftungsrat hat den Posten des Generaldirektors neu ausgeschrieben - es bleibt dies allerdings die interimistische Geschäftsführung bis Jahresende.

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© APA/HELMUT FOHRINGER
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Der unrühmliche wie rapide Rücktritt von ORF-Chef Roland Weißmann zwingt den ORF-Stiftungsrat zum raschen Handeln: Am Freitag um 10.47 Uhr hat ORF-Stiftungsratschef Heinz Lederer den Posten des Generaldirektors neu ausgeschrieben. Die Wahl des neuen Chefs - oder eben der neuen Chefin - ist zwar erst für August vorgesehen, da Weißmann aber schon weg ist, muss bis zum Ende seiner ordentlichen Amtszeit am 31. 12. 2026 eine Zwischenlösung her.

Die wurde in Person von Ingrid Thurnher zwar bereits interimistisch bestellt - ausgeschrieben werden muss der Übergangsposten aber trotzdem - das Dokument ist im Digitalen Amtsblatt Österreichs abrufbar.

 

Der Posten ist Thurnher sicher - dass sie sich bewerben wird, hat sie bereits angekündigt. Ihre Bestellung im Stiftungsrat ist ja auch einstimmig erfolgt. Offen gelassen hat Thurnher, ob sie sich auch für die nächste Amtsperiode - die liefe dann bis 2031 - bewerben wird.

Entscheidung am 23. April

"Bewerbungen müssen bis längstens 17. April 2026, 24.00 Uhr beim Vorsitzenden des Stiftungsrats eingelangt sein", heißt es in der Ausschreibung. Und: "Bewerbungen von Frauen sind besonders erwünscht."

Gefordert werden unter anderem ein abgeschlossenes Hochschulstudium, Führungserfahrung, Kenntnisse des Medienmarkts, Strategiekompetenz, sehr gute betriebswirtschaftliche Kenntnisse sowie eine "hohe soziale Kompetenz, Kommunikationsstärke zur Vertretung des ORF national und international".

Am 23. April wird der Stiftungsrat die Interimslösung offiziell beschließen, an diesem Tag soll auch ein Hearing stattfinden. Thurnher ist der Job aber sicher. 

Mit einer Kandidatur Weißmanns für eine weitere Periode ist ursprünglich gerechnet worden. Nach den von einer ORF-Mitarbeiterin gegen ihn vorgebrachten Vorwürfen wurden die Karten aber neu gemischt. Konkret soll Weißmann die Frau zu mehr als einer freundschaftlichen Beziehung gedrängt haben, wobei er u.a. auch auf explizite Nachrichten gesetzt haben soll. Der Medienmanager bestreitet die Vorwürfe und ließ seinen Anwalt ausrichten, dass es sich um eine Beziehung im beidseitigen Interesse gehandelt habe, in der er keinen Druck ausgeübt habe. Er ist gegenwärtig beurlaubt und hat seinen Anwalt Strafanzeige gegen zwei Personen bei der Staatsanwaltschaft Wien einbringen lassen. Diese prüft nun, ob ein Anfangsverdacht vorliegt.