Kurz im Interview

Kurz: "Athen war nie bereit, zu reden"

27.02.2016

Außenminister Kurz übt harte Kritik an Griechen.

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© APA/Neubauer
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ÖSTERREICH: Die diplomatische Missstimmung zwischen Athen und Wien ist enorm. Bundespräsident Fischer meinte, er hätte Griechenland zur Westbalkankonferenz nach Wien eingeladen. War es ein Fehler, dass Sie Athen nicht eingeladen haben?

Sebastian Kurz: Es gab bereits unzählige Sitzungen und Konferenzen mit Griechenland. Nur: Griechenland war nie bereit, über eine Reduzierung des Zustroms von Flüchtlingen zu diskutieren, sondern wollte nur darüber reden, wie man möglichst rasch Flüchtlinge weiter nach Mitteleuropa bringen kann. Aus meiner Sicht braucht Griechenland Unterstützung vor Ort, aber auch Druck, um diese Politik des Weiterwinkens zu beenden.

ÖSTERREICH: Trotzdem nennt der griechische Premier Alexis Tsipras Österreichs Vorgehen eine Schande …

Kurz: Das Problem, das Griechenland hat, ist nicht eine Sitzung in Wien, sondern der Beschluss der österreichischen Regierung, Obergrenzen einzuführen. Natürlich ist das herausfordernd für Griechenland, wenn wir den Zustrom reduzieren. Aber wir müssen das tun.

ÖSTERREICH: Es sitzen derzeit allerdings Zigtausende Flüchtlinge in Griechenland fest und irren im Land umher. Droht dort nicht eine humanitäre Katastrophe?

Kurz: Man könnte natürlich auch alle Flüchtlinge bei uns aufnehmen oder man reduziert den Zustrom und hilft in Griechenland und auch in der Türkei, um die Situation der Flüchtlinge zu verbessern. Die zweite Möglichkeit ist aus meiner Sicht die einzig mögliche. Weil es absolut unverantwortlich wäre, mehr Flüchtlinge bei uns aufzunehmen.

ÖSTERREICH: Wie erklären Sie sich, dass Österreich jetzt auf einmal als der „Bösewicht“ dasteht und von der gesamten EU kritisiert wird?

Kurz: Es wurden auch andere EU-Länder kritisiert. Wir stehen nur mehr im Fokus, weil wir vergangenes Jahr so viele Flüchtlinge aufgenommen haben und jetzt unseren Kurs ändern mussten.

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