Gesundheitsminister im oe24.TV-Interview

Mückstein: "Zur Impfung gibt es keine Alternative"

© APA/ROLAND SCHLAGER
Minister Mückstein bleibt auf Impfkurs – daran ändern auch Drohungen nichts.
Zur Vollversion des Artikels

Wien. Die Stimmung in Wien ist aufgeheizt. Als Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein ins oe24.TV-Studio in der Wiener City kommt, demonstrieren am Ring nach einem Aufruf der FPÖ Tausende Impfgegner und Corona-Leugner mit teilweise haarsträubenden Parolen.

Mückstein – der grüne Minister hat nach den Regierungsstreitereien um den dann doch stattfindenden Lockdown eine Horror-Woche hinter sich – gibt sich entspannt. Im Talk mit Politik-Insiderin Isabelle Daniel gibt er sich auch ­unbeirrt, verteidigt Impfpflicht und Lockdown – verliert aber trotzdem kein ­böses Wort über den Regierungspartner ÖVP. Mückstein greift dafür die FPÖ an, die die Menschen nur verunsichere, wie er betont.

Minister steht inzwischen sogar unter Polizeischutz

Polizeischutz. Dann lässt Mückstein eine kleine Bombe platzen: Nach Morddrohungen steht der Grüne, der früher auch gern mal mit seinem schnittigen Scooter ins Ministerium düste, seit Neuestem unter Polizeischutz. Damit geht es ihm so wie seinem grünen Vorgänger Rudolf Anschober, unter Polizeischutz stehen aber auch andere MinisterInnen wie etwa Alma Zadic.

Mückstein: "Zur Impfung gibt es keine Alternative"

Oe24.TV: Es wird weltweit über Österreich berichtet. Warum sind wir das erste Land, das trotz Impfung in den Lockdown muss?

Wolfgang Mückstein: Wir haben eine Situation, wo wir 3G am Arbeitsplatz und die 2G-Regel gesetzt haben, aber Experten sagen uns, dass wir mehr brauchen. Auf den Intensivstationen ist nicht mehr viel Platz, die Ärzte und Pfleger können nicht mehr, deswegen müssen wir reagieren. Die Maßnahmen sind doch sehr einschneidend, zum einen der Lockdown und auch die Impfpflicht. Deswegen ist es jetzt wichtig, dass wir alle an einem Strang ziehen zwischen Bund und Ländern und einen Konsens haben.

Oe24.TV: Hätte man der Bevölkerung nicht früher mitteilen müssen, dass es eine dritte Impfung braucht?

Mückstein: Wir sind das zweite Land nach Israel, das den dritten Stich strukturiert anbietet. Der dritte Stich ist deswegen so wichtig, weil es eine ­Serie braucht, um eine langfristige Immunität zu erreichen. Wir haben auch gelernt, dass doppelt ­geimpfte Menschen das Virus auch weitergeben können, allerdings weniger leicht als Ungeimpfte. Das sehen wir jetzt auch bei den Jungen. Die hohen Infektionen treffen wieder auch die Alten, Kranken und Ungeimpften. Ein Viertel oder Drittel der Menschen, die positiv getestet werden, sind geimpft. Die kommen zum Großteil aber nicht ins ­Spital, da die Impfung vor schweren Verläufen schützt. Wenn ich doppelt geimpft bin, ist der Beitrag aber noch nicht geleistet, sondern es braucht einen dritten Stich.

Oe24.TV: Hat man den Impfgegnern damit nicht in die Hände gespielt?

Mückstein: Gegen die Impfquote hat es starken Gegenwind gegeben: Die FPÖ behauptet, die Impfung wirkt nicht und das Pferdewurmmittel Ivermectin ist ein Mittel dagegen, das verunsichert die Menschen. Verunsicherte werden sich im Zweifel wahrscheinlich nicht impfen lassen.

Oe24.TV: Die Impfpflicht polarisiert extrem – wie soll das dann konkret umgesetzt werden?

Mückstein: Wir haben einen recht kleinen Teil der Bevölkerung, der ideologisch gegen die Impfung ist und viele, die verunsichert sind. Ich kann das verstehen. Wir haben aber sehr viele Studien und sehen auch, dass die Impfung in Österreich wirkt. Das verbessert auch unsere Möglichkeit für Aufklärungsarbeit. Was ich nicht verstehen kann, ist die FPÖ, die die Menschen hier weiter verunsichert. Es gibt keine Alternativen zum Impfen.

Oe24.TV: Viele Österreicher sind wütend und werfen der Regierung Totalversagen vor. Können Sie diese Wut nachvollziehen?

Mückstein: Ich verstehe, dass die Menschen wütend sind, verunsichert und auch Angst haben. Menschen, die deswegen auf die Straße gehen, das finde ich auch in Ordnung. Was nicht in Ordnung ist, ist das für politische Zwecke zu nutzen, wie die FPÖ es tut. Es gibt nicht viele Gewaltbereite oder Radikale, aber auch eine kleine Gruppe reicht aus, um gefährlich zu sein, das macht mir Sorgen.

Oe24.TV: Wie gehen Sie mit den Morddrohungen um?

Mückstein: Ich habe Personenschutz und muss mich damit auseinandersetzen, dass meine Entscheidungen für Verunsicherung sorgen und manche Menschen mich deswegen bedrohen. Wir müssen gemeinsam besonnen sein und zeigen, wie wir hier rauskommen. Seinen Unmut zu äußern ist legitim, Gewalt hingegen ist klar nicht in Ordnung.

Oe24.TV: FPÖ-Chef Kickl hat Österreich nun als „Diktatur“ bezeichnet ...

Mückstein: Wir sollten gemeinsam einen Weg aus der Krise zeichnen. Deswegen ist ein breiter Schulterschluss notwendig. Die SPÖ hat hier sehr konstruktiv mitgemacht. Auch die Impfpflicht wird von ihr unterstützt, in Krisenzeiten übernimmt die SPÖ hier auch Verantwortung.

Oe24.TV: Was passiert nach dem Lockdown? Droht uns eine fünfte Welle?

Mückstein: Das verhindert man durch eine Perspektive, und die ist das Impfen. Wir sehen am Beispiel von Dänemark, das es nicht ohne Maßnahmen geht. Für die nächsten Monate wird es weiter Basis-Maßnahmen brauchen. Als einzige Möglichkeit hier mittelfristig rauszukommen, braucht es die Impfung. Wie hoch das Impfziel sein muss, kann ich nicht beziffern. Jetzt werden die Zahlen durch den Wellenbrecher-Lockdown sinken. Für Ungeimpfte wird der Lockdown allerdings bleiben.