Pilz vs. Mensdorff

Neue Vorwürfe: So lief das "System Ali"

© APA

Die britische Justiz hat das Verfahren eingestellt – trotz neuer Vorwürfe gegen das „System Ali“.

Zur Vollversion des Artikels

Er ist jetzt wieder in Österreich, gezeichnet von der Londoner U-Haft, und wehrt sich in News: „Ich war ein Spielball.“ Alfons Mensdorff-Pouilly ist wieder auf seinem Schloss in Luising, doch die österreichische Justiz denkt vorerst nicht daran, die Ermittlungen einzustellen. „Wir warten auf einen Bericht der Engländer über die Verfahrenseinstellung, vorerst laufen die Ermittlungen gegen Herrn Mensdorff wegen Geldwäsche und Bestechung weiter“, so Gerhard Jarosch von der Staatsanwaltschaft Wien.

Und: Jarosch lässt durchblicken, dass Mensdorff auch in Österreich U-Haft droht, sollte er sich einer Befragung durch die Justiz entziehen wollen: „Er weiß das.“

Laut dem Grünen Peter Pilz steht Mensdorff – für den die Unschuldsvermutung gilt – im Zentrum eines Korruptionsnetzwerks des britischen Rüstungskonzerns BAE, der sowohl an den Gripen als auch am Eurofighter beteiligt ist. Das Verfahren wurde nach einer Zahlung von 340 Millionen Euro eingestellt. Das „System Ali“ funktionierte laut Pilz so, wie ÖSTERREICH bereits berichtete:

  • Mensdorff soll von BAE umgerechnet 12 Mio. Euro (17 Mio. Pfund) für Schmiergelder erhalten und den Großteil in einer Bestechungskampagne in Österreich, Tschechien und der Schweiz verteilt haben.
  • Abgewickelt wurden 70 Prozent der Zahlungen über österreichische Konten – Pilz verlangt jetzt eine Öffnung durch die Justiz.
  • Empfänger waren laut britischen Zeitungsberichten „Offizielle“, also Beamte und „wahrscheinlich Politiker“, wie Pilz vermutet. Sie habe Mensdorff dazu gebracht, in Tschechien und Ungarn jeweils 14 Gripen sowie in Österreich 15 Eurofighter zu ordern.

Anwalt: Hier wurde ein Exempel statuiert
In ÖSTERREICH weist Mensdorffs Anwalt Harald Schuster die Vorwürfe erneut zurück. Er rechnet fix damit, dass das Verfahren auch in Österreich eingestellt werden muss. Die U-Haft Mensdorffs in London habe dazu gedient, „ein Exempel zu statuieren. So habe man den BAE-Managern gezeigt, dass man auch vor harten Schritten nicht zurückschrecke.