Causa Küniglberg
Aufstand im ORF: Redaktion spricht vier Stiftungsräten Misstrauen aus
15.04.2026Die Journalistinnen und Journalisten des ORF starteten erstmals ein Misstrauens-Votum gegen einzelne Stiftungsräte.
Der ORF-Redaktionsausschuss, also die Redaktionssprecherinnen und -sprecher aller Bereiche (Radio, TV; Online, Teletext, Landesstudios), spricht vier Stiftungsräten das Misstrauen aus: Heinz Lederer, Gregor Schütze, Thomas Prantner und Peter Westenthaler. Das gab der Redaktionsrat in einer Aussendung bekannt.
Eingangs wird festgehalten, dass der ORF in einer "schweren Krise" stecke: Der Rücktritt von Generaldirektor Roland Weißmann, die Diskussion über Millionen-Abfertigungen sowie zum teil "unverständlich hohe Gehälter" für manche Spitzenverdiener, die Debatte über ein toxisches Arbeitsklima sowie interne Machtkämpfe.
Vorwürfe gegen Lederer, Schütze, Prantner und Westenthaler
Trotz der Krise "funktioniert der Journalismus im ORF", wird in der Aussendung betont. Problematisch sehe man hingegen die Rolle einzelner Stiftungsräte. Konkret genannt werden Stiftungsrat-Chef Heinz Lederer, sein Vize Gregor Schütze sowie Thomas Prantner und Peter Westenthaler. Letzterer reagierte bereits auf die Vorwürfe (siehe unten).
Lederer leitet den SPÖ-Freundeskreis, Schütze den von der ÖVP, Prantner wurde vom Land Steiermark entsandt und Westenthaler sitzt auf einem FPÖ-Ticket in dem Gremium.
In der Aussendung werden penibel sämtliche Vorwürfe gegen die genannten Stiftungsräte aufgelistet. Bei Lederer wird etwa fehlende Transparenz bei seiner Lobbying-Arbeit oder Interventionen für andere Kunden im ORF genannt. Auch Schütze wird ein Interessenskonflikt durch seine Agentur-Kundenliste vorgeworfen. Intern sei nun auch bekannt geworden, dass Schütze für einen Kunden bei der "ZiB"-Redaktion zu intervenieren versuchte. Vergeblich, wie man betont.
"Haltlose Angriffe"
Westenthaler hält man vor, ORF-Journalistinnen und Journalisten mit "haltlosen Angriffen" zu diffamieren. Dabei heiße es im Corporate Governance Kodex: "Stiftungsratsmitglieder haben im Kontakt mit der Öffentlichkeit darauf zu achten, dass Nachteile für das Ansehen des ORF und seine wirtschaftlichen Interessen vermieden werden."
Für Prantner, so der Redaktionsrat, habe man während seiner aktiven ORF-Zeit - er war Manager beim Sender - sogar eigens die "Funktion des 'Stellvertretenden Technischen Direktors' erfunden". Zudem sei er in den Aufsichtsrat der Austria Presse Agentur entsandt worden, da der ORF dort größter Genossenschafter ist. Kurz nach seinem ORF-Aus schloss Prantner laut der Aussendung einen gut dotierten Beratungsvertrag mit der APA. Prantner ist bekanntlich mittlerweile Stiftungsrat.
Den genannten Stiftungsräten wird daher vom Redaktionsausschuss das Misstrauen "einstimmig" ausgesprochen.
Westenthaler kontert: "Relevanz wie das Salzamt"
Gegenüber oe24 kontert Westenthaler jedenfalls den Vorwürfen des Redakteursrat. "Es richtet sich von selbst, wenn der links-linke Redakteursrat im ORF meine Kritik und Aufdeckerarbeit im Sinne der Gebührenzahler mit den Geschäftemacherein der rot-schwarzen Stiftungsräte gleichsetzt", so der Stiftungsrat. "Aber egal, den was dieser sinnlose Redakteursrat beschließt, hat die selbe Relevanz wie das Salzamt".