Nachfolge
Nach Weißmann-Rücktritt: Wer ORF-Chef(in) werden könnte
09.03.2026Nach dem Rücktritt von ORF-Generaldirektor Roland Weißmann übernimmt Radiodirektorin Ingrid Thurnher interimistisch. Wer langfristig folgen könnte, lesen Sie hier.
ORF-Generaldirektor Roland Weißmann ist zurückgetreten. Der bisherige ORF-Chef hatte bekanntlich Ambitionen, erneut für das Amt zu kandidieren. Im August wäre turnusgemäß die Wahl.
- Experte: ORF-Chefposten ist "unverzüglich auszuschreiben"
- Erste Polit-Reaktionen auf Weißmann-Rücktritt
- Westenthaler fordert jetzt vorgezogene ORF-Wahl
Interimistisch übernimmt nun Radiodirektorin Ingrid Thurnher. Am 1. Mai soll dann die Funktion des ORF-Generals ab 2027 ausgeschrieben werden.
Das sind die Favoriten
Die am meisten genannten Kandidaten für den Posten sind derzeit Alexander Hofer, Landesdirektor des ORF-Niederösterreich, und Kronehit-Chef Philipp König.
Alexander Hofer ist ein ORF-Urgestein, dem von allen Seiten her fachliche Kompetenz attestiert wird. Er hat beste Kontakte zur NÖ-ÖVP und im Landesstudio Niederösterreich schon einmal als "Feuerwehrmann" in einer schwierigen Phase übernommen. Allerdings könnten auch genau diese beiden Punkte gegen Hofer sprechen: Denn Hofer ist ein ORF-Urgestein und wäre kein Neuanfang, meinen Kritiker. Und Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner der nächsten NÖ-Wahl einen Top-Profi in ihrem Landesstudio verlieren.
Philipp König war in der Regierung von Sebastian Kurz engster Medien-Mitarbeiter von "Mister Message Control" Gerald Fleischmann, bevor der zum größten Privatradio Kronehit gewechselt ist. König wäre eine mögliche "externe Lösung". Allerdings könnten ihm ausgerechnet seine Kontakte ins Kurz-Lager zum Verhängnis werden, die insbesondere im Umfeld von Kanzler Christian Stocker nicht allen recht sind. Und auch Stiftungsrats-Chef Heinz Lederer, der bei der Bestellung des neuen ORF-Chefs ein gewichtiges Wort mitredet, soll ihm skeptisch gegenüberstehen.
Immer häufiger wird der Name von APA-Chef Clemens Pig genannt. Der Tiroler führt die Austria Presse Agentur höchst erfolgreich und profitabel. Pig wäre ein Zeichen für mehr Kooperation zwischen ORF und Privaten - schließlich sind in der APA sowohl der ORF als auch die wichtigsten privaten Medienhäuser vereint. Pig hat zwar keine politische Schlagseite, wird aber dem bürgerlichen Lager zugeordnet.
Außenseiter-Chancen werden dem geschassten ProSiebenSat.1-COO Markus Breitenecker nachgesagt. Breitenecker soll sich hinter den Kulissen vor allem selber stark ins Spiel bringen. Gegen ihn spricht, dass er Wunschkandidat der NEOS ist - und bei ÖVP und SPÖ kritisch gesehen wird. Außerdem könnte ihm die ORF-Belegschaft vorhalten, dass er jahrelang gegen den ORF geschossen habe.
Viele in Politik und ORF würden sich aber ohnehin eine Frau an der Spitze des ORF wünschen. Im Gespräch ist Magazin-Chefin Lisa Totzauer. Sie kandidierte bereits 2021 als ORF-Chefin und arbeitet seit rund 30 Jahren beim ORF. Totzauer ist dem ÖVP-Lager zuzurechnen und hat vor allem gute Kontakte zur ÖVP-Niederösterreich.
Möglich sei aber auch eine "Lösung à la Wirtschaftskammer", so ein ORF-Insider zu oe24. Dort hatte Martha Schulz zuerst auch interimistisch das Präsidenten-Amt übernommen und sei dann geblieben. "Es wäre ja auch denkbar, dass Ingrid Thurnher nicht nur interimistisch bleibt." Eigentlich hatte Thurnher jedoch angekündigt, mit Ende ihrer Funktionsperiode als Radiodirektorin in Pension gehen zu wollen.
Und auch ein altbekannter Name taucht in den ORF-Planspielen auf: Jener von Ex-ORF-Chef Alexander Wrabetz. Hinter den Kulissen wird schon gemunkelt, dass der gewiefte ORF-Stiftungsratschef Heinz Lederer die Turbulenzen rund um ÖVP-Mann Weißmann nützen könnte, um doch noch einen SPÖ-nahen ORF-Chef durchzuboxen. Wrabetz war 15 Jahre lang ORF-Chef, kennt das Unternehmen wie kaum ein anderer. Kolportiert wird in diesem Zusammenhang ein möglicher Abtausch: Die SPÖ würde den ORF-Chefposten bekommen, die ÖVP im Gegenzug den ORF-Stiftungsratsvorsitz.
ORF-Insider halten diese Variante allerdings für wenig wahrscheinlich: Realistischer sei da schon, dass dem neuen ORF-Chef bzw. der neuen ORF-Chefin ein SPÖ-naher Generalsekretär als Gegenüber hingesetzt wird. In dieser Rolle wird immer wieder ORF-Kommunikationsprofi Martin Biedermann als möglicher Generalsekretär genannt.