ÖVP-Chef in Trouble
Parteitag von VP-Chaos überschattet
Wien. Kam Elisabeth Köstinger als Treueste der Treuen rund um Sebastian Kurz ihrer Ablöse durch den neuen Kanzler Karl Nehammer zuvor? Oder torpediert die Kärntnerin gezählte fünf Tage vor dem großen Parteitag den Neustart des Kurz-Nachfolgers, wie einige VP-interne Kritiker des einstigen Strahle-Kanzlers vermuten?
Kein Glanz. Fix ist nur, dass Köstinger selbst entschieden hat, dass sie geht und wann sie geht. Pünktlich vor der Nehammer-Wahl, die am kommenden Samstag in der Helmut-List-Halle über die Bühne gehen soll, verstärkt jedenfalls auch Kurz seine Aktivitäten: Abgesehen von einem Interview in einem Boulevardblatt bekommen Kurz’ Social-Media-Follower nunmehr öfter Informationen von den Dienstreisen des Ex-Kanzlers für den IT-Tycoon Peter Thiel von Dubai, Abu Dhabi über Jerusalem bis nach Brasilien. Das lässt manche in ÖVP und Opposition skeptisch werden. Wie auch immer.
Harmonische Übergabe. Kurz selbst hat bereits gesagt, dass er nicht zurückkehren werde. Zudem geht mit Köstinger nun eine seiner letzten engsten Vertrauten im ÖVP-Spitzenteam.
Er selbst dürfte beim Parteitag nur ein paar Minuten reden und dabei – wenig überraschend – Nehammer unterstützen.
Kampf um 90 %. Hauptredner ist freilich Nehammer.
Er wolle dabei signalisieren, dass er zwar die Themen von Kurz – hart in der Migrationspolitik, sozialer für kleinere Einkommen und konservative Werte – beibehalte, sich dabei aber im Stil von seinem Vorgänger unterscheide. Die Ära Kurz solle zwar kurz abgefeiert werden, dafür aber als beendet dargestellt werden.
Aber: Kurz schaffte bei seinem letzten Parteitag vergangenes Jahr fast 100 Prozent. Ein Ergebnis, an dem Nehammer gemessen wird. Sollte er bei der Obmannwahl klar unter 90 Prozent liegen, würde das Geraune in der ÖVP wohl rasch losgehen. Umso mehr muss er bei seinem neuen Ministerteam auf Wünsche aller reagieren.