Interview

Petzner: "Bin nicht die Kopie vom Jörg"

14.10.2008

Der neue Parteichef erzählt im ÖSTERREICH-Interview über die Zukunft des BZÖ, er lehnt eine Wiedervereinigung mit der FPÖ ab.

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© Niesner
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Stefan Petzner war in den vergangenen Jahren wie ein Schatten an Jörg Haiders Seite. Nun muss er unerwartet in die erste Reihe vortreten, das Erbe seines Mentors und „Lebensmenschen“ antreten. Er ist ab sofort Chef der viertgrößten Partei in Österreich.

Sah Haider mit 4 Jahren
Im Alter von vier Jahren traf Petzner erstmals auf Haider – bei einem Grenzlandfest in Murau. Am 17. Jänner 1981 kam er in Tamsweg als Bauernsohn zur Welt. Der elterliche Hof liegt je zur Hälfte in der Steiermark und Kärnten. Seine ersten politischen Gehversuche absolvierte Petzner als Chef der Freiheitlichen Studenten an der Uni Klagenfurt, wo er Publizistik studierte. „Eigentlich war er schon beim Studieren so wie er sich jetzt präsentiert: Immer gut gelaunt, solariumgebräunt. Und er hielt auch mit seiner Gesinnung nicht hinter dem Berg – weder vor Professoren noch vor uns Mitstudenten. Angeber oder Prahler war er trotz Aufstiegs in der Partei aber keiner“, erinnert sich eine Studienkollegin. Der Udo-Jürgens-Fan arbeitet an einer Diplomarbeit über die „Macht der Musik Jürgens“.

Für Aufsehen bei den Studierenden sorgte ein sehr privates Petzner-Interview in einer Kärntner Monatszeitschrift. „Ich war ein ziemlicher Spätzünder und hatte mein erstes Mal erst mit 18“, erzählt Petzner dort, posierte mit nacktem Oberkörper. Im Wahlkampf wurde er darauf mehrmals angesprochen, sagte etwa in einem Ö1-Interview: „Ich bin einer, der außerhalb des klassischen Bildes eines Politikers mit Anzug und Krawatte steht. Politiker können und dürfen auch gut aussehen.“

Die Chemie stimmte
2002 wurde Haider auf Petzner aufmerksam, der als Praktikant ein Interview mit ihm machen durfte. Petzner erinnert sich im Gespräch mit ÖSTERREICH: „Die Chemie zwischen uns hat einfach gepasst. Er war der typische Wassermann – visionär und voller Tatendrang. Ich der ruhigere, bedächtigere Steinbock.“

Im Mai 2004 wurde er von Haider als persönlicher Sprecher geholt. Von da an ging es schnurstracks bergauf, im Juni 2006 wurde der damals 25-Jährige stellvertretender BZÖ-Obmann, im November geschäftsführender Kärntner Landesparteichef.

Blindes Vertrauen
Auch für die Nationalratswahlkämpfe 2006 und 2008 war er verantwortlich. „Ich wollte eigentlich mein Studium beenden, aber das war dann doch nicht möglich. Ich musste ja rund um die Uhr da sein und er hat mir immer blind vertraut“, erzählt Petzner. Immer noch ist er tief traurig, kann den schweren Verlust kaum fassen. Noch kurz vor dem Todescrash hatte Haider seinen „Bua“, wie er ihn nach Petzners Autounfall im Dezember 2007 nannte, am Handy angerufen. Es sollte das letzte Gespräch sein...

Menschen halten zum BZÖ
Laut BZÖ schlägt der Partei eine Welle der Sympartie entgegen, rund 5.000 E-mails sollen eingetroffen sein, die sich gegen eine Wiedervereinigung mit der FPÖ und für einen eigenständigen Weg aussprechen. Seit Samstag sind zudem etwa 500 Menschen dem BZÖ beigetreten.

Der neue BZÖ-Chef im Interview
ÖSTERREICH: Was ist jetzt Ihre Hauptaufgabe als neuer BZÖ-Obmann?

Stefan Petzner: Ich will das Profil des BZÖ weiter schärfen. Inhaltlich wollen wir das Kärntner Modell für Österreich umsetzen.

ÖSTERREICH: Was unterscheidet Sie von Jörg Haider oder wird den Wählern künftig nur eine Kopie angeboten?

Petzner: Wir waren wie zwei Puzzleteile, die sich perfekt ineinander gefügt haben, aber ich bin nicht die Kopie vom Jörg. Er war einzigartig und ich habe meinen eigenen Stil, auch wenn ich seine Ideale weiter verfolgen will. So werden wir unsere Linie in der Ausländerfrage um keinen Millimeter verändern und weiter gegen die schleichende Islamisierung unseres Landes kämpfen.

ÖSTERREICH: Haider wollte bei den nächsten Nationalratswahlen 15 bis 20 Prozent erreichen. Wo sehen Sie das BZÖ in fünf Jahren?

Petzner: Ich sehe das BZÖ jedenfalls bei über 10 Prozent. Wenn die Große Koalition kommt, werden SPÖ und ÖVP gute Wahlhelfer für uns sein, weil sie erneut einen Denkzettel erhalten.

ÖSTERREICH: Dennoch wollen Sie diese Allianz verhindern. Wie soll das jetzt noch funktionieren?

Petzner: Für unser Land ist diese Allianz der Verlierer eine Katastrophe. Auch wenn die Chance kleiner wird, stehen wir für alle möglichen Gegenmodelle zur Verfügung.

ÖSTERREICH: Wie könnte eine verstärkte Kooperation mit der FPÖ ausschauen?

Petzner: Ich werde neue Gespräche mit der FPÖ führen, aber wir wollen keine Wiedervereinigung. FPÖ und BZÖ könnten allerdings im Parlament stärker kooperieren oder eben auch in einer Regierung zusammenarbeiten.

ÖSTERREICH: FPÖ-Chef Strache sieht sich als Alleinerbe des Dritten Lagers und flirtet bereits mit den BZÖ-Funktionären.

Petzner: Ich halte das für anstandslos, das tut man nicht. Man hätte mit diesem Kleinkrieg zumindest abwarten können, bis Haider beerdigt ist. Ich appelliere an alle Mitglieder der BZÖ-Familie, dieses unmoralische Angebot von Strache zu ignorieren.

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