Aufdecker: "Sie wird Titel verlieren!"
Plagiatsaffäre stürzt erste Ministerin: Aschbacher tritt zurück
Das Gerücht war schon am Nachmittag durch Wien geschwirrt. Um 19.24 Uhr wurde per APA-Aussendung offiziell, was alle Politinsider längst wussten: Arbeitsministerin Christine Aschbacher tritt nach der Plagiatsaffäre um ihre Diplomarbeit an der FH Wiener Neustadt zurück.
"Wucht der Untergriffe" war Ministerin zu viel
Abrechnung. In ihrer Aussendung begründete die steirische Ministerin diesen Schritt mit der Wucht der Anfeindungen und der Untergriffe, die sich „nicht nur auf mich, sondern auch auf meine Kinder entladen haben. Das kann ich zum Schutz meiner Familie nicht weiter zulassen. Aus diesem Grund lege ich mein Amt zurück. Darüber habe ich heute Bundeskanzler Sebastian Kurz in einem persönlichen Gespräch informiert", schreibt die scheidende Ministerin.
Davor hagelte es viele Rücktrittsforderungen
Reaktion. Plagiatsjäger Stefan Weber, der die Causa aufgedeckt hatte, sowie Politiker von SPÖ und FPÖ hatten zuvor vehement ihren Rücktritt gefordert.
Aus dem Büro Aschbachers hieß es am Nachmittag noch, dass die Ministerin „nach bestem Wissen und Gewissen“ gearbeitet habe.
Die FH Wiener Neustadt hatte zu diesem Zeitpunkt angekündigt, die Arbeit aus dem Jahr 2006 jetzt genau zu überprüfen.
Der Rücktritt Aschbachers aufgrund dieser Ermittlungen und wegen Originalpassagen, die Weber vorgelegt hatte, war damit unausweichlich – erstmals hat eine Ministerin aus dem Team von Sebastian Kurz vorzeitig den Hut nehmen müssen.
IV-Mann Aubauer gilt als Kurz-Favorit für den Job
Die Schockstarre beim Kanzler dauerte nicht lange – binnen Stunden hatte er einen „idealen Nachfolgekandidaten“ parat, der alle Voraussetzungen erfüllt: Helwig Aubauer ist Bereichsleiter für Arbeit und Soziales in der Industriellenvereinigung und gilt als Mastermind der von Kurz mit der FPÖ forcierten Kassenreform.
Kanzler Kurz bedankte sich per Aussendung bei Aschbacher.
Plagiatsjäger Stefan Weber: "Aschbacher wird ihren Magistergrad verlieren"
Mit dem Rücktritt ist für Stefan Weber der Fall Aschbacher nicht ausgesessen: „Sie reiht ein Plagiat an das andere. Die Arbeit ist eine wissenschaftliche Katastrophe. Aschbacher wird ihren Magistergrad verlieren.“