Zeugnis

Polit-Barometer: 5er vor der Sommerpause

26.06.2010

Zwei Fünfer, drei schwache Vierer und kein Einser – das Zeugnis der Österreicher für ihre Regierung fällt nicht gerade berauschend aus.

Zur Vollversion des Artikels
Zur Vollversion des Artikels

Ein glatter Einser ist guten Gewissens nicht zu vergeben. Das aktuelle, vom renommierten Gallup-Institut erhobene ÖSTERREICH-Politbarometer zum Sommerbeginn stellt den österreichischen Regierungspolitikern nur ein sehr durchwachsenes Zeugnis aus. Gerade mal zwei Politiker sind mit der Note „Gut“ zu bewerten: Vizekanzler Josef Pröll und Bundeskanzler Werner Faymann. Außenminister Michael Spindelegger (ÖVP) und Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) steht eine 2–3 zu.

 

Wie jeden Monat erhob Gallup mit der Frage „Welches Regierungsmitglied ist Ihnen positiv oder negativ aufgefallen?“ das Politbarometer. Im Ranking (der Saldowert wird aus den positiven minus den negativen Nennungen errechnet) zeigt sich, dass sieben Minister gegenüber dem Vormonat verloren und fünf gewonnen haben. Mit einem glatten Fünfer abgeschlagen am Ende der Zeugnisliste: Innenministerin Maria Fekter (ÖVP), die (Arigona-bedingt?) weiter an Boden verliert – im Gegensatz zu SPÖ-Verteidigungsminister Norbert Darabos, der sich (im Vormonat unauffällig) leicht erholen kann.

Faymann überholt Pröll in der Kanzlerfrage
Bemerkenswert ist, dass Vizekanzler Josef Pröll seinen Vorsprung an der Spitze mit 21 Prozent Zustimmung gegenüber Kanzler Werner Faymann (19 Prozent) geringfügig ausbauen kann und damit zum Musterschüler der Regierung wird.

Bei der Kanzler-Frage (Wen würden Sie wählen, wenn man den Kanzler direkt bestimmen kann?) kann nämlich Faymann erstmals seit Langem an Pröll vorbeiziehen. Das liegt auch daran, dass Faymann in den vergangenen Wochen aggressiver aufgetreten ist als früher (wird im Politbarometer schlechter bewertet), auf der anderen Seite damit offensichtlich stärkere Führungsqualitäten gezeigt hat (kommt bei der Kanzler-Direktwahl-Frage besser an). Außerdem hat er mit seinem Nahost-Besuch in dieser Woche auch außenpolitisch punkten können.

SPÖ wieder vor ÖVP, Grüne rutschen dramatisch ab
Das zeigt sich auch bei der Sonntagsfrage. Seit Monaten gibt es hier zwischen SPÖ und ÖVP ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit wechselnder Führung. Diesmal hat mit 33 Prozent wieder die SPÖ die Nase voran. Die ÖVP rutscht mit 32 Prozent wieder auf Platz zwei, die FPÖ bleibt bei 19 Prozent.

Dramatisch die Situation für die Grünen: Sie verlieren zwei Prozentpunkte, liegen nur mehr bei 10 %.

Grüne Krise: Absturz auf 10 %

Die Grünen haben wieder einmal den Blues: In der einst stolzen Öko-Partei, die mit Alexander Van der Bellen unterwegs in Richtung Regierungsbeteiligung war, sind wieder die alten Chaostage ausgebrochen. Nicht einmal zwei Jahre nach der Inthronisierung von Eva Glawischnig als Parteichefin fällt die Oppositionspartei wieder an die Grenze der Zweistelligkeit zurück:

Nur noch zehn Prozent, Lichtjahre hinter Strache
Gerade noch zehn Prozent erhielten die Grünen, wenn heute Nationalratswahlen wären.

Und Intimfeind HC Strache liegt Lichtjahre voran: Mit 19 Prozent in der aktuellen Gallup-Umfrage für ÖSTERREICH käme die FPÖ schon fast auf doppelt so viele Stimmen wie die grüne Konkurrenz im Oppositionslager.

Statt des Generationswechsels und des erhofften Erfolgruns als Frauenpartei, wofür Glawischnig stand, herrscht jetzt Ernüchterung: Man liegt mit 10 Prozent nun sogar unter jenen 10,4 Prozent bei der Nationalratswahl 2008, die damals Van der Bellen zum Rücktritt bewogen.

Jetzt herrscht Nostalgie nach dem „Professor“. Sie geht sogar so weit, dass er mit geschlagenen 66 Lenzen – frei nach Udo Jürgens – ein neues Leben anfängt: Als Vorzugsstimmenwahlkämpfer für die krisengeschüttelte Wiener Grünpartei. Seine Kompetenz in Wirtschaftsfragen, so Eva Glawischnig zu ÖSTERREICH, soll „dabei mithelfen, Strache in Wien zu entzaubern“.

Ansage: „Grüne regieren in Wien und Graz bald mit“
Und weil sie überzeugt ist, dass jetzt alle Grünen „mit Herzblut kämpfen und raus auf die Straßen gehen“, glaubt Glawischnig auch, dass das grüne Dilemma nur vorübergehend sein wird: „Sicher haben wir es schwer, weil die Regierung mit Scheinkonflikten die wirklichen Themen übertüncht. Aber wir werden kämpfen.“

Und am Ende, so die Grüne, werde es „noch einige Überraschungen geben. Ich glaube, dass sowohl Alexander Van der Bellen in Wien als auch Werner Kogler in Graz bald mitregieren könnten.“

Zur Vollversion des Artikels
Weitere Artikel