Bablers Zukunft
SPÖ-Chefposten: Warum Kern wirklich absagte
14.02.2026Die SPÖ bleibt gespalten. Warum die ÖVP erfreut ist und die Roten weiter "genervt" bleiben
Sie sei „genervt“, sprach SPÖ-Ministerin Eva-Maria Holzleitner aus, was viele in der roten Welt denken – und zwar aus allen Lagern.
Die jüngste Obmann-Debatte innerhalb der SPÖ wurde Mittwoch – vordergründig – beendet, weil sich der einzige realistische Herausforderer von Andreas Babler, Ex-Kanzler Christian Kern, ebenfalls genervt selbst aus dem Rennen genommen hatte.
SPÖ: Alle Lager jetzt „genervt“
Ziehen in der SPÖ deswegen wieder alle an einem Strang wie Parteivorsitzender Andreas Babler und dessen Bundesgeschäftsführer Klaus Seltenheim am Freitag darstellen wollten? Wohl kaum. Babler hat beim Parteitag am 7. März zwar nicht mehr mit einem Sturz zu rechnen, aber Herzen und Hirn seiner Partei hat er weiter nicht für sich gewinnen können.
Jene Länderorganisationen – Niederösterreich, Kärnten, Salzburg, Steiermark, Burgenland und Teile Oberösterreichs und Tirol -, die einen Wechsel an der Parteispitze präferiert hätten, sagen zwar nun, dass sie „nichts von Streichorgien am Parteitag gegen Babler halten“. Gleichzeitig wissen aber von Wiens Bürgermeister Michael Ludwig abwärts alle, dass die Zeiten vorbei sind, in denen sich Landesgruppen geschlossen an Wahl-Vorschlägen ihrer Vorsitzenden halten. Gleiches gilt auch für die Gewerkschaft. In allen genannten Länder- und sonstigen Organisationen der SPÖ hatten sich genügend Unterstützer für und Kern gefunden. „Nicht unbedingt aus Überzeugung für Kern, aber weil wir mit Andreas Babler nicht die Abwärtsspirale der SPÖ stoppen können“.
Nervosität in Ländern bleibt
Besonders nervös sind jetzt freilich die Landesgruppen, die Zeitnah wählen wie eben Tirol, Oberösterreich, Niederösterreich und Salzburg.
Besonders zurückhaltend in dieser Obmann-Debatte war diesmal übrigens der einstige Gegenspieler von Ex-SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner und dann Andreas Babler, Hans Peter Doskozil. „Er will, dass Babler die SPÖ in die nächste Nationalratswahl führt. Die SPÖ dann abstürzt und alle in der SPÖ dann sagen, dass das mit ‚Dosko‘ nicht passiert wäre“. Wie auch immer. Der Großteil seiner burgenländischen Funktionäre kann freilich wenig mit Babler und auch Doskozils Planspielen anfangen.
Und Babler und sein engster Kreis selbst? Die glauben, wie berichtet, dass Kern von einer Kandidatur abgesprungen sei, weil er „keine Mehrheit am Parteitag gehabt“ hätte.
Das bezweifeln wiederum sämtliche Gesprächspartner von oe24 aus allen drei Lagern.
„Er hätte das wohl mit 60 zu 40 gewonnen“, sagt selbst ein Kritiker von Kern.
Warum also hat Kern zurückgezogen? Oe24-Leser wussten seit Monaten, dass der 60-jährige Ex-Kanzler zwar bereit gestanden wäre den SPÖ-Vorsitz und das Vizekanzleramt zu übernehmen, aber unter zwei Bedingungen: Eine Unterstützung durch Wiens SPÖ-Bürgermeister Michael Ludwig und eine Einigung auf einen inhaltlichen Kurs.
Warum Kern wirklich absagte
Und so hatte auch das letzte Gespräch am Dienstag von Kern mit Ludwig, Nationalratspräsidentin Doris Bures und Kärntens SPÖ-Chef Daniel Fellner als Vermittler den Ausschlag für Kerns Nein gegeben:
Knapp nachdem das Gespräch im Wiener Rathaus begonnen hatte, wurde dieses lanciert. Unmittelbar nachdem die vier SPÖler auseinandergegangen waren, wurde bereits medial klargestellt, dass Ludwig Kern „nicht zu einer Kandidatur ermutigt“ hätte. Kern im kleinen Kreis: „Es hat mich an 2016 erinnert als immer alles rausgedrungen ist. Wie hätte man so eine vernünftige Regierungsarbeit machen oder die SPÖ sanieren sollen?“
Insgeheim hatte Kern freilich die längste Zeit – im Dezember hatten die Gespräche für sein Comeback Fahrt aufgenommen – Zweifel, ob er in die Spitzenpolitik zurückkehren solle. Immerhin liegt die FPÖ derzeit in Umfragen extrem weit vorne.
Entspannt und beruhigt, zeigt man sich hingegen in der ÖVP. Dort hätte ein Wechsel zu Kern mutmaßlich auch eine Dynamik ausgelöst. So gewinne auch Bundeskanzler Christian Stocker.
Babler und die Seinen bereiten jetzt jedenfalls den SPÖ-Parteitag am 7. März vor. Auch wenn viele in der SPÖ weiter „genervt“ sind, so droht Babler dort wohl kein Ungemach mehr. „So wird er ein scheinheiliges Ergebnis von über 80 Prozent erhalten und alle werden sich einig sein, dass die Medien schuld seien, bevor sie in ein paar Wochen die nächste Obmanndebatte starten“, mokiert sich ein besonders genervter SPÖ-Politiker selbst …