Regierung
Eklat um Latein-Kürzung: Expertengruppe tritt zurück
27.02.2026Die vom Bildungsministerium eingesetzte sechsköpfige Lehrplangruppe für Latein tritt geschlossen von ihrem Auftrag zurück.
Grund seien "grundlegende Auffassungsunterschiede mit dem Ministerium hinsichtlich der Ausarbeitung des neuen Lehrplans", heißt es in einer Aussendung. Die Gruppe hätte bis Ende April einen fertigen Lehrplan für die geplante Reduktion von zwölf auf acht Wochenstunden in der Oberstufe vorlegen sollen.
Nach den Vorstellungen von Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS) soll in der AHS-Oberstufe der Informatik-Unterricht ausgeweitet und um das Thema Künstliche Intelligenz ergänzt werden. Außerdem will er den Gegenstand "Medien und Demokratie" einführen. Im Gegenzug sollen je nach Schultyp Lateinstunden bzw. Stunden für die zweite lebende Fremdsprache gekürzt werden. Im Falle von Kürzungen muss der Lehrplan adaptiert werden - mit dieser Aufgabe war die Lehrplangruppe betraut.
Europäische Vergleichbarkeit gefährdet
Aus Sicht der Latein-Experten "gefährdet die faktische Reduktion des Faches in der gymnasialen Oberstufe die europäische Vergleichbarkeit sowie die Reputation Österreichs als Bildungsstandort". Latein drohe damit seine Stellung als zentrales Bildungsfach zu verlieren.
Es sei von Anfang an "deutlich artikuliert worden, dass die geforderte Stundenreduktion eine vollständig neue Lehrplanstruktur notwendig macht - bei gleichbleibend hohem fachwissenschaftlichem und fachdidaktischem Anspruch", argumentieren die Lateiner. Dies betreffe etwa die Neuausformulierung fachspezifischer Bildungsziele unter Berücksichtigung der allgemeinen Bildungsziele, die Integration überfachlicher Kompetenzen, die Berücksichtigung sprachlicher und literarischer Bildung, den kritischen Umgang mit analogen, digitalen und KI-gestützten Medien sowie Demokratiebildung als zentrale Elemente eines zeitgemäßen Lateinunterrichts. Diese inhaltlichen Kernbereiche dürfen aus Sicht der Lehrplangruppe "keinesfalls geschwächt werden".
Zeitrahmen zu eng
Der vorgegebene enge Zeitrahmen sei "nicht vereinbar mit den wissenschaftlichen und fachdidaktischen Qualitätsstandards", hält die Lehrplangruppe fest. "Die für eine fundierte Lehrplanentwicklung notwendigen Qualitätssicherungsprozesse und Evaluationsschleifen wären unter den gegebenen Bedingungen nicht in ausreichendem Maß durchführbar gewesen." Diese Standards seien vom Ministerium selbst beim ursprünglichen Erstellungsprozess eingefordert worden.
Das Ministerium habe auf einer verbindlichen Zusage zur Vorlage eines fertigen Curriculums bis Ende April 2026 bestanden, so die Latein-Experten. "Aus den oben genannten Gründen sieht sich die Lehrplangruppe außerstande, den Auftrag im Sinne ihres wissenschaftlichen und pädagogischen Selbstverständnisses verantwortungsvoll umzusetzen."
Ministerium hält an Zeitplan fest
Ministeriumsgeneralsekretär Alexander Huber zeigt sich verwundert: „Wir haben in den vergangenen Wochen sehr konstruktive Gespräche geführt. Es ist bedauerlich, dass der Weg der konstruktiven Zusammenarbeit so abrupt verlassen wurde. Die Arbeitsverweigerung der Arbeitsgruppe Latein ist nicht nachvollziehbar, hält uns aber in der Erarbeitung neuer Lehrpläne nicht auf.“ Das Bildungsministerium stellt klar, dass es an der Erarbeitung der Latein-Lehrpläne weiter festhält und diese mit Expertinnen und Experten aus dem Bereich Latein sowie aus dem Ministerium selbst erarbeiten wird. Am Zeitplan der Lehrpläne mit Inkrafttreten im Schuljahr 2027/28 wird ebenfalls nicht gerüttelt.